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«Nur das Licht, die Bühne und ich»

Ihre Ungeduld führte Konstantina Dacheva zu ihrem Beruf: Die Architektin baut Bühnen am Stadttheater Bern.

Flavia von Gunten
Konstantina Dacheva?an ihrem Arbeitsort: dem Stadttheater Bern.
Konstantina Dacheva?an ihrem Arbeitsort: dem Stadttheater Bern.
Raphael Moser
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Schauspieler plus Bühne, gleich Theater. Was bleibt übrig von der Formel, wenn man die Bühne subtrahiert? Im besten Fall ein Haufen Menschen, im übelsten: nichts.

Obwohl sie das Fundament jeder Inszenierung ist – die Gleichung aufrechterhält –, kürt sie selten jemand zum Star des Abends. Das Publikum fokussiert auf die Darstellenden.

Nicht aber Konstantina Da­cheva. Die 37-Jährige ist Produktionsleiterin im Bereich Bühnenbild bei Konzert Theater Bern. Pro Spielzeit entwirft sie zwei bis drei davon selber, von den rest­lichen überwacht sie die Produktion. Seit drei Jahren arbeitet Dacheva in dieser Funktion, zuvor war sie während dreier Jahre Bühnenbildassistentin.

Lehr- und Wanderjahre

Aufgewachsen in Sofia, Bulgarien, zog Dacheva für ihr Studium nach Aachen. Architektur. «Meine Mutter war Finanzchefin in einem Architekturbüro, als Kind begleitete ich sie oft dorthin und auf Baustellen. Ich war fasziniert, wie sich eine Papierzeichnung in etwas Echtes verwandeln konnte.»

«Wer am Theater arbeitet, macht nicht einfach nur einen Job. Wir geraten in einen Rausch.»

Konstantina Dacheva

Nach dem Abschluss merkte sie: Als junge Architektin, angestellt in einem Büro, würde sie jahrelang keine eigenen Entwürfe zeichnen können, müsste sich zuerst hocharbeiten in der Hierarchie.

Da kam ihr ein Workshop über Theaterbühnenbau an der Uni gerade recht. Für sie stand fest: «Da will ich hin!» Entflammt von der Materie, hospitierte sie am Theater Aachen, zog weiter nach Berlin, Dresden, Bern.

Dachevas Begeisterung für ihren Beruf lodert bis heute: «Wer am Theater arbeitet, macht nicht einfach nur einen Job. Wir geraten in einen Rausch.» Kürzlich habe sie beobachtet, wie einem Lichttechniker während eines Stückes Tränen aus den Augen geflossen sind.

Achtung, «Aussenwelt»

Dabei beginnt alles ganz nüchtern. Ein Jahr vor einer neuen Produktion liest Dacheva, sofern vorhanden, das Buch, trifft sich mit dem Regisseur. Gemeinsam legen sie fest: Wie abstrakt soll das Stück werden? Welche Atmosphäre soll es transportieren?

«Sechs bis sieben Stunden dauern diese Gespräche, oft gibt es mehrere davon.» Intensiv, wie die Zusammenarbeit von Regie und Bühnenbau ist, bleiben die beiden meist ein Team, das immer wieder gemeinsame Produktionen umsetzt.

Festanstellungen an einem Haus wie jene Dachevas sind die Ausnahme unter Bühnenbildnern, die meisten arbeiten als Freiberufler. Zum Beispiel die Freundin von Dacheva. Seit einem Jahr wohnen die beiden zusammen in Bern.

«Wir tauschen unsere Ideen aus und beurteilen sie. Oft müssen wir vor lauter Beschäftigung mit Theaterdingen aufpassen, dass wir die Aussenwelt nicht vernachlässigen.» Ihr Mittel: Wandern in den Bergen. Gerne in Grindelwald oder oberhalb des Brienzersees.

Premiere auf dem Monitor

Nach den Gesprächen mit dem Regisseur baut Dacheva ein Modell von der Bühne. In Puppenstubengrösse, aus Holz, Metall und Karton.

Danach zeichnet sie Pläne am Computer, bringt diese an der Bauprobe zum ersten Mal auf die Bühne: Mit Stoffen und Kartonkisten prüft sie, ob die Dimensionen stimmen. Sind Dramaturgie, Regie und die Kostümbildner einverstanden, flattert der Auftrag zu den Werkstätten.

Immer wieder besucht Da­cheva die Maler, Schreiner und Schlosser, überprüft deren Arbeit. Zwei Wochen vor der Premiere wird die Bühne aufgebaut. Dachevas Aufgabe: Gemeinsam mit dem Beleuchtungsmeister an den Lichteinstellungen arbeiten.

«Diesen Moment liebe ich: nur das Licht, die Bühne und ich.» Solche Momente der Ruhe sind selten, bis zur Premiere stehe sie derart unter Strom, dass sie gar nicht bemerke, wie ihre Nervosität steigt.

Erst Minuten bevor der Vorhang aufgeht, spüre sie Lampenfieber. So stark, dass sie das Stück hinter der Bühne auf dem Monitor ansieht: «Dort stört es niemanden, dass ich nicht stillsitzen kann.»

Blicke sie dann auf die von ihr geschaffene Bühne, spüre sie vor allem eines: die Faszination darüber, wie sich eine Papierzeichnung in etwas Echtes verwandelt hat.

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