Mit ihnen geht ein Stück Geschichte

Das Parkhotel Oberhofen gibt es in seiner ­ursprünglichen Form nicht mehr. Die Besitzer Doris und Heinz Rüfenacht haben es verkauft und beenden dieser Tage ihr Engagement.

Mit ihnen endet eine Ära: Doris und Heinz Rüfenacht haben vierzehn Jahre lang das Parkhotel Oberhofen geführt.

Mit ihnen endet eine Ära: Doris und Heinz Rüfenacht haben vierzehn Jahre lang das Parkhotel Oberhofen geführt. Bild: Christoph Gerber

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Im Parkhotel Oberhofen wird seit zwei Wochen im grossen Stil umgebaut. Die Solviva AG hat den historischen Bau aus dem Jahr 1911 übernommen und funktioniert das Hotel nun um. Es soll während des Ausbaus des Alters- und Pflegeheims Berntor in Thun, welches eben diese Solviva AG betreibt, als temporäre Heimat für die Bewohner dienen. Danach wird das Parkhotel Oberhofen zu einem Pflegeferienhotel werden.

Während die Bauarbeiten auf Hochtouren laufen, sitzen die langjährigen Besitzer Doris und Heinz Rüfenacht (beide 63) in ihrem temporär eingerichteten Büro im Anbau. Für sie sind es die letzten Tage in «ihrem» Hotel, das sie 2003 nach ihrem Engagement im Hotel Interlaken übernommen und seither mit viel Herzblut geführt haben.

Sie begegnen dem bevorstehenden Abschied unterschiedlich. «Bei mir schwingt schon Wehmut mit», sagt Doris Rüfenacht. Sie werde den Kontakt zu den Menschen vermissen. «Über die Jahre hin haben sich Freundschaften entwickelt», sagt sie.

Ihr Mann nimmt es derweil pragmatischer. «Ich habe in meinem Leben immer gerne auch Neues begonnen.» Für ihn sei es auch eine Erleichterung, die Verantwortung abzugeben. «Wir waren schliesslich für rund 30 Mitarbeitende zuständig.»

Alle Rechnungen pünktlich bezahlt

Rüfenachts blicken auf eine intensive Zeit zurück. Es sei nicht immer einfach gewesen, sagt Heinz Rüfenacht. «Als wir das Parkhotel übernahmen, haben viele damit gerechnet, dass das Licht bald wieder ausgeht.»

«Als wir das Parkhotel übernahmen, haben viele damit gerechnet, dass das Licht bald wieder ausgeht.»Heinz Rüfenacht

Das hätten sie aber verhindert, sagt er – nicht ohne Stolz. Und mehr noch. «Wir haben jede Rechnung pünktlich bezahlt.» Daneben seien er und seine Frau bestrebt gewesen, das Haus in Schuss zu halten. In der Zeit, als Rüfenachts am Drücker waren, erhielten die Zimmer regelmässig eine Frischzellenkur.

Die Finanzen sind ihr ständiger Begleiter gewesen. «Die Rahmenbedingungen machen es nicht einfach, einen Betrieb wie das Parkhotel Oberhofen in den schwarzen Zahlen zu halten», sagt Heinz Rüfenacht. So würden viele Abgaben den Gewinn «rasch wegfressen».

Gewinn, der ins Haus investiert werden müsste. So wäre es gut für das Hotel, wenn man alle zehn Jahre für ausserordentliche Sanierungsarbeiten rund eine Million Franken investieren könnte, sagt Rüfenacht. Ein Problem sei, dass das Parkhotel eine kritische Grösse habe. «Es braucht rund 80 Zimmer, um einen Ganzjahresbetrieb rentabel gestalten zu können», sagt Heinz Rüfenacht. Das Parkhotel Oberhofen hat rund 40 Zimmer.

Fussballmannschaften als Highlights

Gerne erinnern sich Rüfenachts an die Visite mehrerer Fussballmannschaften. So gastierte der FC Sion mehrfach vor den Cupfinals im Parkhotel. «Die Hierarchie hat mich beeindruckt», sagt Heinz Rüfenacht. Die Spieler hätten jeden Morgen Präsident Christian Constantin mit Händedruck und einem «Bonjour, Patron!» begrüsst.

Rüfenachts beherbergten 2005 auch die französische Nationalmannschaft um Superstar Zinedine Zidane, die für ein Spiel gegen die Schweiz angereist war. «Es war eine aufregende Zeit», erinnert sich Doris Rüfenacht. «Die Spieler waren sehr zugänglich und haben keine Extrawürste verlangt.»

Das sei nicht bei allen Gästen so. In den letzten Jahren hätten sich Gepflogenheiten gewandelt, sagt Doris Rüfenacht, die das Handwerk von der Pike auf gelernt hat. So schloss sie zu Beginn ihres Berufslebens – wie ihr Mann Heinz auch – eine Lehre als Koch ab. «Die Gäste verlangen immer mehr.»

Richtig negative Erfahrungen hätte sie aber nicht gemacht, sagt Doris Rüfenacht. «Die Gäste wussten sich eigentlich meistens zu benehmen.» Das habe wohl auch damit zu tun gehabt, dass jemand vom Direktionspaar immer zugegen war. Heinz Rüfenacht, der eher ein Morgenmensch ist, war bereits früh im Parkhotel anzutreffen, seine Frau erledigte dann die Abend- und Nachtschicht.

«Man muss schon viel Leidenschaft haben, um einen Betrieb so zu führen, wie wir es gemacht haben», sagt Rüfenacht. Das hätten sie auch bei der Suche nach einer Nachfolge gemerkt. Viele junge Hoteliers hätten Mühe mit der Aussicht auf diese aussergewöhnliche Präsenz, sagt Rüfenacht. Sie seien zudem heute nicht mehr bereit, ein grosses finanzielles Risiko zu tragen.

«Die Zeiten haben sich geändert», sagt Heinz Rüfenacht. Das habe er übrigens auch bei sich festgestellt. So hätten ihn die ständig neuen Möglichkeiten, welche die Digitalisierung mit sich bringt, immer mehr gefordert. «Es ist nicht einfach, mit allem Schritt zu halten.»

Nicht zuletzt deshalb hätten er und seine Frau sich entschlossen, die Zukunft etwas entspannter anzugehen. Und was bringt denn ­diese Zukunft? «Wahrscheinlich eine längere Reise im Herbst», sagt Heinz Rüfenacht. Und danach? «Ich weiss es nicht, aber ich bin sicher, dass wir irgendwo noch gebraucht werden.» (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 14.05.2018, 21:49 Uhr

Ein Auf und Ab

1911 erfolgte der Spatenstich, zwei Jahre später wurde das Parkhotel, das zu Beginn noch Montana hiess, eröffnet – als 14. Hotel in Oberhofen. Der Besitzer, Friederich Charles Immer, setzte auf Komfort. So wurde ein Lift eingebaut, der mit Wasser aus der eigenen Quelle betrieben wurde. Die Gäste kamen in Scharen. Für fünf Nächte bezahlten sie damals sieben Franken.

1942 musste Immer das Hotel verkaufen. Die Stadt Bern erwarb es für 270'000 Franken. Geplant war, das Hotel als Altersheim zu nutzen. Doch daraus wurde vorerst nichts. Es folgte ein Auf und Ab, schliesslich kaufte die Heilsarmee 1997 das heruntergewirtschaftete Haus und modernisierte es für fünf Mil­lionen Franken. 2003 ging das Parkhotel dann in die Hände von Doris und Heinz Rüfenacht über. Die neue Besitzerin, die Solviva AG, will es nun zwei Jahre als Alters- und Pflegeheim nutzen. Danach wird es ein Pflegeferienhotel. rop

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