Kein Geld für private Zimmer

Die private Unterbringung von Flüchtlingen läuft harzig, weshalb die Schweizerische Flüchtlingshilfe den Kanton kritisiert. Laut Migrationsdienstchefin Iris Rivas sind die Schwierigkeiten aber wohl eher hausgemacht.

Iris Rivas:?«Wir müssen auch die Bedürfnisse des Bundes im Blick haben. Dazu gehört, dass der Aufenthaltsort von Asylsuchenden jederzeit bekannt ist.»

Iris Rivas:?«Wir müssen auch die Bedürfnisse des Bundes im Blick haben. Dazu gehört, dass der Aufenthaltsort von Asylsuchenden jederzeit bekannt ist.»

(Bild: Urs Baumann)

Warum steht der Kanton Asylsuchenden im Weg, die bei Privaten unterkommen könnten?Iris Rivas: Wir müssen auch die Bedürfnisse des Bundes im Blick haben. Dazu gehört, dass der Aufenthaltsort von Asylsuchenden bekannt ist, damit die Migrationsbehörden sie jederzeit für Anhörungen erreichen können. Eine private Unterbringung kann dies erschweren. Zudem kann ein negativer Asylentscheid für die betroffene Person sehr belastend sein und zu Schwierigkeiten führen. Deshalb haben wir Anfang 2015 die Weisung herausgegeben, dass die private Unterbringung nur für jene möglich ist, deren Asylverfahren positiv entschieden ist.

Gibt es Ausnahmen? Die Ausnahme sind Asylsuchende im laufenden Verfahren, die bei bereits hier lebenden Verwandten unterkommen wollen und können. Sind diese aber von der Sozialhilfe abhängig, dann wird der zuständige Sozialdienst informiert. Dieser kann eine private Unterbringung verweigern.

Bei Fremden dürfen also nur anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene leben. Ja, all jene, in deren Fall der Bund entschieden hat, dass sie in der Schweiz bleiben dürfen. Dafür spricht, dass diese Menschen bereits etwas integriert sind, allenfalls arbeiten und genügend Deutsch oder Französisch können. Das ist wichtig für die Verständigung und vereinfacht das Zusammenleben.

Die Flüchtlingshilfe kritisiert die aufwendigen Abklärungen, die vor einer Unterbringung getroffen werden müssen, und dass Asylsuchende nicht am Projekt teilnehmen dürfen. In der Praxis entscheiden die Asylsozialhilfestellen, die ihrerseits Asylsuchende in Zentren und Wohnungen betreuen, wer privat untergebracht werden kann. Was die aufwendigen Abklärungen betrifft, kann ich mir vorstellen, dass es für die Flüchtlingshilfe wohl auch problematisch ist, ihre Idee mit den vorhandenen Ressourcen umzusetzen. Wie wir von unseren Sozialhilfepartnern wissen, sind die Organisation und die Adminis­tration zur privaten Unterbringung sehr aufwendig. Offenbar sind viele Gespräche und Abklärungen nötig, bis nur schon Gastgeber und Gäste gefunden sind, die zueinander passen. Dazu kommen noch Rahmenbedingungen, die erfüllt sein müssen.

Was sind das für Rahmenbedin­gungen und wer fordert diese? Die Schweizerische Flüchtlingshilfe hat die Anforderungen an private Gastgeber und ihre Lokalitäten aufgestellt. Dazu gehört, dass jemand, der einen Flüchtling bei sich aufnehmen will, diesem mindestens ein abschliessbares Zimmer mit separater Dusche oder Bad und WC zur Verfügung stellt sowie einverstanden ist, sich zu arrangieren, beispielsweise mit abgesprochenen, fixen Küchenbenutzungszeiten.

Wer zahlt bei einer privaten Unterbringung Miete und Essen? Eine Einzelperson erhält im Normalfall pro Tag 9.50 Franken für Essen und persönliche Bedürfnisse wie Hygiene oder Raucherwaren. Der private Gastgeber erhält von der Aslysozialhilfestelle keine Miete. Er stellt also das Zimmer oder die Wohnung gratis zur Verfügung. Möglicherweise hat sich dies der eine oder andere Gastgeber anders vorgestellt.

Asylsozialhilfestellen wie die Heilsarmee erhalten Geld für Unterkünfte. Wieso Private nicht? Unsere Vertragspartner erhalten pro betreute Person und Tag eine Pauschale, wovon neben dem erwähnten Barbetrag alle Ausgaben, also auch allfällige Sprachkurse, finanziert werden müssen.

Berner Zeitung

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