Die Rückkehr des Storchs

Bern

Seit dieser Woche ist das Storchennest auf dem Kamin des Pferdezentrums in Bern wieder bewohnt: Der Berner Storch ist zurückgekehrt. Dieses Jahr kann man dessen Tag dank Livecam mitverfolgen.

  • loading indicator

Mit zerzaustem Federkleid sitzt der Storch in seinem Nest und wartet darauf, dass der Regen nachlässt. Mal kratzt er sich mit dem langen Schnabel zwischen den Federn, mal schaut er minutenlang in die Ferne. Mal verschwindet er für einige Minuten und kehrt anschliessend mit frischen Stöcken für das Nest zurück, welche dann feinsäuberlich drapiert werden. All diese Aktionen kann man in fast greifbarer Nähe mitverfolgen –gemütlich vom heimischen Computerbildschirm aus.

Der Storch trotzt dem Sturm Udo. Video: zvg

Der Storch ist wieder in Bern gelandet; seit Montag verweilt ein Exemplar im Norden der Stadt, auf einem alten Kamin des Pferdezentrums im Breitenrain. Bereits letztes Jahr hatte sich ein Storchenpärchen dort niedergelassen. «Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass es sich um dasselbe Tier handelt», erklärt Peter Enggist, Geschäftsführer der Organisation Storch Schweiz.

«Die Tiere sind ziemlich nesttreu, und wenn rundherum alles stimmt – sprich genug Ruhe und Nahrung vorhanden ist – kehren sie gerne zurück.» Weil das Tier aber keinen Markierungsring um den Fuss trägt, könne man nicht sicher sagen, ob es sich dabei tatsächlich um dasselbe Tier handelt wie letzten Frühling.

Zweite Chance für Nachwuchs

Was der Storch im Nest so treibt, kann man heuer auch live mitverfolgen: Eine Webcam, die im Winter vom Militär installiert wurde, sendet alle fünf Minuten ein Bild an www.berner-storch.ch. Das dort gelieferte Bild allein reiche aber nicht aus, um das Geschlecht zu bestimmen.

Klar ist für Enggist hingegen, dass man den Storch demnächst oft in seinem Nest zu sehen bekommt: «Das Tier will schliesslich nicht, dass sein Nest von einem anderen Storch besetzt wird.» Wenn der Vogel auf dem nächsten Bild der Webcam also plötzlich verschwunden ist, dürfte es nicht lange dauern, bis er wieder auftaucht. Richtig interessant werde es aber laut Enggist erst, wenn in etwa zwei Wochen auch der Partner des Berner Storches eintreffe.

Dass der Storchenpartner erst verspätet in Bern eintrifft, liegt daran, dass die Tiere den Winter jeweils getrennt voneinander verbringen - also eine Art Beziehungspause einlegen. «Wenn sie wieder vereint sind, fangen sie an, das Nest auszubauen, und versuchen Nachwuchs zu produ­zieren», erklärt Enggist.

Letztes Jahr hatte das Berner Storchenpärchen damit keinen Erfolg: Ein drittes Tier wollte das Nest des Pärchens erobern und störte dieses deshalb permanent. «Es ist bis heute nicht sicher, ob sie überhaupt Nachwuchs zeugen konnten», so Enggist. Diese Frage wird sich dieses Jahr dank der Webcam sicher nicht stellen.

Schweizweit einzigartig

Das regnerische Wetter und die tiefen Temperaturen können dem erwachsenen Storch nichts anhaben, versichert Enggist. Prekärer sei es hingegen für den allfälligen Nachwuchs der Störche: Letztes Jahr seien schweizweit viele Jungtiere aufgrund des anhaltenden Regens verendet. Auch dieses tragische Schicksal hielte die Kamera fest.

Die Berner Storchencam ist übrigens schweizweit einzigartig, erklärt Peter Enggist – bisher gab es nur Aufnahmen, die nicht online gestellt wurden. Dieses Jahr noch sollen weitere Livecams, etwa in den Zoos in Zürich oder Basel, folgen.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt