Am Samstag startet die Mendelssohn-Musikwoche

Wengen

Zum 14. Mal findet in Wengen die Mendelssohn-Musik­woche statt. Renommierte Ensembles interpretieren Werke des Deutschen, seiner Freunde und seiner Vorbilder.

Das Guarneri-Trio Prag mit ?en?k Pavlík, Ivan Klánský und Marek Jerie bestreitet das Abschlusskonzert. Fotos: PD

Das Guarneri-Trio Prag mit ?en?k Pavlík, Ivan Klánský und Marek Jerie bestreitet das Abschlusskonzert. Fotos: PD

Samuel Günter@samuel_guenter

Der Name Felix Mendelssohn ist eng mit Wengen verbunden. Am 21. August 1842 machte der Komponist etwas oberhalb des Dorfes halt und fertigte eine Skizze des Ortes und der Jungfrau an. Sie gilt als älteste historische Darstellung Wengens. Der Deutsche war nämlich nicht nur ein grosser Musiker, sondern auch begnadeter Maler.

Eine Gedenkstätte steht heute an der Stelle, und eine Wanderroute wurde vor 12 Jahren Mendelssohn gewidmet. Und da ist die Mendelssohn-Musikwoche, die nun wieder ansteht.Beginnend am kommenden Samstag bestreiten renommierte Ensembles sechs Konzerte in der Kirche Wengen.

«Aber es geht oft vergessen, dass Mendelssohn nicht nur Komponist, sondern auch Organist und Dirigent war», sagt OK-Präsident Markus Tschanz

Das Motto lautet «Mendelssohn – seine Freunde und Vorbilder». Neben Perlen der Kammermusik von grossen Vorbildern und wichtigen Freunden Mendelssohns werden natürlich auch Werke des Namensgebers gespielt.

«Aber es geht oft vergessen, dass Mendelssohn nicht nur Komponist, sondern auch Organist und Dirigent war», erklärt OK-Präsident Markus Tschanz. «Ja, er hat die Rolle des Orchesterleiters stark geprägt.» Entsprechend habe er sich auch stark mit Werken anderer Künstler befasst und das Werk Johann Sebastian Bachs aus der Vergessenheit geholt.

Dvo?ák und Ringelnatz

«Im Eröffnungskonzert werden gleich zwei Juwele der Kammermusik erklingen», verspricht die künstlerische Leiterin Beatrix Jerie. «Antonin Dvo?ák wenig gespieltes Quartett op. 61 steht dem klangvollen Meisterwerk von Johannes Brahms, dem Klavierquintett op. 34, gegenüber.»

Interpretiert werden die Werke vom international bekannten Wihan-Quartett aus Prag, verstärkt durch den Pianisten Ivan Klánský, der über viele Jahre eine Solistenklasse an der Musikhochschule Luzern leitete.

Ein spezieller Anlass erwartet die Besucher am Mittwoch, 22. August. «Uwe Schönbeck und Wieslaw Pipczynski laden zu ei­nem staunenswerten literarisch-musikalischen Abend mit dichterischen Seltsamkeiten, lustigen Spässen und Tiefsinnigem ein», erklärt Beatrix Jerie.

Schönbeck tingelt seit den 1980er-Jahren durch die grossen Opernhäuser und Theater Europas. Auch in Bern kennt man den Essener als langjähriges Ensemblemitglied im Berner Stadttheater. Pipczynski wirkt heute als Pianist, Organist, Komponist, Musiklehrer und Stummfilmbegleiter.

Beatrix Jerie: «Im Eröffnungskonzert werden gleich zwei Juwele der Kammermusik erklingen.»

Seine ersten Lehr- und Wanderjahre absolvierte er als Zirkusmusiker in der Schweiz. Die beiden befassen sich in Wengen mit Joachim Ringelnatz. Unter diesem Namen wurde Hans Gustav Bötticher als Schriftsteller, Kabarettist, Maler und Spiessbürgerschreck bekannt.

Der Bogen schliesst sich

Für den gelungenen Abschluss der 14. Mendelssohn-Musikwoche ist das renommierte Guarneri-Trio Prag verantwortlich, das schon seit mehr als 30 Jahren in ursprünglicher Besetzung auftritt.

Das international bekannte Ensemble zählt seit Beginn seiner Karriere zu den bedeutendsten Klaviertrios und ist gern gesehener Gast in wichtigen Musikzentren. Seine Aufnahmen wurden mit vielen Preisen ausgezeichnet.

Annette Bartholdys ausdrucksstarkes Spiel verbindet sich bestens mit der Interpretationsweise des Guarneri-Trios Prag. Mit dem «Erzherzogtrio» mache ein Werk des «prägenden und grossen musikalischen Vorbildes aus der Klassik»

Ludwig van Beethoven den Auftakt zum Abschluss, erklärt Beatrix Jerie. «Und mit Dvo?ák selten aufgeführtem Klavierquartett op. 87 schliesst sich der musikalische Bogen.»

Alphorn, Predigt, Wanderung

Neben den Konzerten gehört zur Mendelssohn-Musikwoche jeweils auch ein attraktives Rahmenprogramm. Diesen Sonntag findet um 10 Uhr in der reformierten Kirche ein Festgottesdienst mit den Pfarrern Jan Madjar und Markus Tschanz statt.

Für die Musik sorgen Teilnehmer des Meisterkurses des Guarneri-Trios Prag, der im Rahmen der Musikwoche stattfindet. Gleich im Anschluss werden die jungen Musiker in einem einstündigen Abschlusskonzert die Gelegenheit haben, Erlerntes aufzu­führen.

Am Mittwoch, 23. August, findet ein geführter Spaziergang zur Mendelssohn-Gedenkstätte statt. Dort wird der Schauspieler Markus Lehmann aus Geschichten zum Lauterbrunnental lesen, das Alphornduo Ursi und Theo Mutti sorgt für die musikalische Umrahmung.

«Beim Rahmenprogramm geht es auch darum, Berührungspunkte zur klassischen Musik und zur Begegnungswelt Mendelssohns zu schaffen», erklärt Tschanz.

Die Mendelssohn-Musikwoche habe sich in den letzten ­Jahren gut entwickelt, erklärt Tschanz, der im Lauterbrunnental als Pfarrer tätig ist. «Wir merken, dass wir willkommen sind.» So würden das Gewerbe und der Tourismus stets stark mithelfen, dass der Anlass ein Erfolg werde.

Unterschiedliche Besucher

Viele Besucher würden extra für die Musikwoche Ferien beziehen und dann in Wengen übernachten, weiss Tschanz. «Andererseits terminieren wir die Konzerte jeweils auch so, dass es noch mit dem letzten Zug nach Bern reicht.» Auch bei Touristen sei der Anlass beliebt.

«Wir haben immer wieder Gäste, die spontan ein Konzert besuchen, weil sie auf der Suche nach einem Abendprogramm auf uns aufmerksam wurden.» Meist seien dies Europäer und Schweizer. «Bei den Asiaten geniesst die klassische Musik zwar einen hohen Stellenwert, aber oft lassen ihre Reiseprogramme zu wenig Raum.»

Für Tschanz ist klar: «Die Mendelssohn-Musikwoche ist ein besonderes Erlebnis. Mit hochstehender Musik, einem ­besonderen Ambiente und mit einem einmaligen Panorama.»

Mit den Kleidervorschriften nehme man es übrigens weniger genau als andere Klassikver­anstaltungen in Konzertsälen. «Viele Besucher sind ja hier in den Ferien und haben die feine Garderobe nicht dabei.»

Berner Oberländer

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