Grapefruits, Kunst und Rock ’n’ Roll

Bern

Am Freitag tauft der Songwriter Stephan Greminger das neue Album «Grapefruit Tears» seiner Band His Dog Bingo.

<b>Spannt mit der Kunst zusammen:</b> Stephan Greminger packt das Vinylalbum seiner Band His Dog Bingo in hundert Kunstwerke.<p class='credit'>(Bild: PD)</p>

Spannt mit der Kunst zusammen: Stephan Greminger packt das Vinylalbum seiner Band His Dog Bingo in hundert Kunstwerke.

(Bild: PD)

Dass Popmusik und Kunst etwas miteinander zu tun haben, ist nichts Neues. Manche Platten­cover sind wahre Kunstwerke. Und es gibt Musiker, die dezidiert den Kunstanspruch für ihre Musik erheben. Wirklich interdisziplinäre Projekte sind allerdings selten. Am Freitag feiert ein solches in der Heitere Fahne Ver­nissage. Der Singer-Songwriter Stephan Greminger und sein Bandprojekt His Dog Bingo haben mit Flurina Hack zusammengespannt.

Die Berner Künstlerin gestaltete hundert individuelle LP-Covers für das neue, dritte His-Dog-Bingo-Werk «Grapefruit Tears» – und übermalte zu diesem Zweck bereits bestehende und ausgemusterte LP-Um­schläge von Schlager bis Klassik. Manchmal schimmert das «Original» unter der neuen Oberfläche noch durch, doch oft hat sich jede Spur der Vergangenheit verloren.

So schafft Flurina Hack neue Covers im besten Sinn des Worts («to cover» bedeutet im Englischen bedecken). Aus Alltags­ausschuss wird plötzlich (wieder) herausragende Kunst. Alle hundert Unikate werden in der Heitere Fahne ausgestellt und können (samt dazugehöriger Vinylplatte) auch erworben werden.

Vorüberziehende Schönheiten

«Strangely blue» ist einer der Gemütszustände, die Stephan Greminger auf seiner zweiten His-Dog-Bingo-Produktion vertont. Irgendwie passt diese Beschreibung zu seiner Musik. Die zehn neuen Songs treiben locker vorwärts, regen sich nicht auf, auch wenn nicht immer alles rundläuft, gehen den Dingen auf den Grund, statt ihnen auszuweichen. Stilistisch bewegen sich His Dog Bingo im «Americana»-Genre. Doch da sind auch eine jazzige Leichtigkeit des Seins und eine dezente Experimentierlust auszumachen.

Mit den Berner Musikern Oli Hartung, Jüre Schmidhauser, Oli Kuster und Kevin Chesham hat Christoph Greminger die richtigen, erfahrenen Begleiter an Bord, die seine sonore ­Sprechstimme und die sorgfältig ausschraffierten Songminiaturen kolorieren, statt sie zuzupflastern.

Greminger singt über ver­schiedene Zustände von Beziehungen, taucht tief unter der Oberfläche, bewahrt aber immer die Distanz. Er ist der Mann hinter dem Tresen, der die vorüberziehenden Schönheiten mustert und ihnen nahekommen möchte. Meist ist er eher Beobachter als Akteur. His Dog Bingo erinnern an den grossen Leonard Cohen, an durchwachte Nächte und den kleinen Blues des Alltags.

Wuchernde Installation

In der Heitere Fahne wird Stephan Greminger sein neues Album mit seiner illustren Berner All-Star-Band präsentieren. Nur Oli Kuster fehlt – er hat am gleichen Abend ein Engagement mit Züri West und wird von Mik Keusen vertreten. Zwischen den Bandsets heisst es «Decrescendo». Auf der Bühne ist eine leise vor sich hin wuchernde Instal­lation mit alten Vinylplatten zu sehen.

Berner Zeitung

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