Süsser die Reden nie klingen

Bern

Die letzte Parlamentssitzung des Jahres war geprägt von Harmonie und der Erkenntnis: Der Stadtrat ist besser als sein Ruf.

Der Stadtrat beendete das Jahr mit einer versöhnlichen Sitzung.

Der Stadtrat beendete das Jahr mit einer versöhnlichen Sitzung.

(Bild: Christian Pfander)

O du Fröhliche! Nachdem der Berner Stadtrat einstimmig über eine halbe Million bewilligt hatte für die Berufs-Schweizer-Meisterschaft Swiss Skills, schwappte am Donnerstag definitiv eine Welle der Harmonie durchs Rathaus. «Ihr lasst mich Weihnachten spüren», sagte Gemeinderat Reto Nause (CVP) an die Parlamentarierinnen und Parlamentarier gerichtet. Seine heisere Stimme und die glänzenden Augen waren dann allerdings doch nicht der Rührung geschuldet, sondern einer Grippe. Mit Fieber hatte sich Nause an die letzte Stadtrats­sitzung des Jahres geschleppt.

Kling, Glöckchen, klingeling. Um 18.40 Uhr leitete Ratspräsident Christoph Zimmerli (FDP) vom ordentlichen in den besinnlich-heiteren Teil des Abends über. Zimmerli verabschiedete sich als temporär höchster Berner mit einer launigen Rede. «Der Stadtrat ist besser als sein Ruf», rief Zimmerli den Mitgliedern in Erinnerung – die er noch zu Beginn der Sitzung mehrmals hatte ermahnen müssen, sie sollten nun gefälligst alle Platz nehmen, aufhören zu schwatzen und sich doch bitte konzentrieren.

Macht hoch die Tür, die Tor’ macht weit. Diese Pendenz übergebe er leider seiner Nachfolgerin, sagte der scheidende Ratspräsident. Das Projekt «offenes Rathaus» für die Bevölkerung habe er leider nicht umsetzen können. Dafür vergab Zimmerli eine eigene Auszeichnung für Ratsmitglieder, «die nicht vor allem laut schreien, sondern gut argumentieren». Den Cicero-Preis (in Erinnerung an den römischen Staatsmann und ­grossen Redner Marcus Tullius Cicero) durften Melanie Mettler (GLP), Milena Daphinoff (CVP) und Claude Grosjean (GLP) ­entgegennehmen. Drei Preise in die Mitte, die Stimmung blieb friedlich.

Lasst uns froh und munter sein. Am Ende bat der Präsident die Frauen und Männer hinaus in die Winternacht. Wo ein Bus wartete, der alle zum Schlussessen fuhr. Ins Haus der Religionen zu einem «vielseitigen ayurvedischen Menü (vegetarisch)». Wie nachhaltig dieser Friede ist? Die erste Reitschule-Debatte im neuen Jahr wird es zeigen.

mm

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