Familie Hänni erhält mehr Platz

Mittelhäusern

Das ist die Geschichte der Bauernfamilie Hänni, für die sich anderthalb Jahre nach dem Tod des Vaters dessen Wunsch erfüllt.

Baustelle Dachstock: Monika Hänni (r.) mit Sohn Sämi und Tochter Maria, deren Freundin Hanna (2. v. l.) und Adra-Sprecherin Sibylle Schuppli (l.). Der Hund heisst Wolf.

Baustelle Dachstock: Monika Hänni (r.) mit Sohn Sämi und Tochter Maria, deren Freundin Hanna (2. v. l.) und Adra-Sprecherin Sibylle Schuppli (l.). Der Hund heisst Wolf.

(Bild: Nicole Philipp)

Johannes Reichen

Wenn die Kinder der Familie Hänni schlafen gehen, sieht das so aus: Yasmin (20), die Älteste, verzieht sich in ein eigenes Zimmerchen. Simon (18), wenn er da ist, übernachtet im Büro. Lara (16), Luisa (13) und Maria (11) teilen sich einen Schlafraum. Und Sämi (4), der Nachzügler, schläft auf einer Matratze im Zimmer seiner Mutter. «Es ist etwas eng», sagt Mutter Monika Hänni. «Aber wir sind eine Kuschelfamilie.»

Plan wird doch noch Realität

Hännis leben auf einem Bauernhof im Grossgschneit oberhalb von Mittelhäusern. Sie hätten sich schon lange etwas mehr Platz zum Leben und Schlafen gewünscht. Und es wäre einst auch der Plan von Vater Bänz Hänni gewesen, diesen Wunsch zu er­füllen. «Mein Mann hatte die Idee gehabt, den Dachstock auszubauen und darin Schlafzimmer einzurichten», sagt Monika Hänni. Doch er konnte sie nicht mehr verwirklichen.

Im Jahr 2008 wurde bei Bänz Hänni ein Lymphdrüsentumor entdeckt. Nach einer erfolgreichen Chemotherapie erlitt er 2011 einen Rückschlag. Diesmal hätte er eine Hochdosis-Chemotherapie machen müssen. Doch darauf habe er verzichtet. «Ich bin überzeugt, dass es nicht gut gekommen wäre», sagt Monika Hänni. Mithilfe alternativer Therapien habe ihr Mann noch fünf Jahre leben können, viel länger als prognostiziert. Er starb Anfang des letzten Jahres.

«Wegen seiner Krankheit, der Arbeit im Betrieb und der finanziellen Situation konnten wir das Haus bis heute nicht ausbauen», sagt sie. Doch jetzt, dank fremder Hilfe, wird Bänz Hännis Plan doch noch Realität. In dieser und der nächsten Woche sind Freiwillige des Hilfswerks Adra im Dachstock am Werk (siehe Kasten). Sie bauen darin vier Schlafzimmer ein. Zu einem späteren Zeitpunkt soll auch noch ein Bad dazu­kommen.

Hilfe von allen Seiten

Ihre Schwägerin habe den Kontakt zum Hilfswerk vermittelt, erzählt Hänni draussen vor dem Haus, während vom Dachstock her Hammerschläge, Bohrmaschinen und Holzsägen zu hören sind. Sie sei sehr dankbar für diese Hilfe. Überhaupt habe sie seit dem Tod ihres Mannes sehr viel Unterstützung erhalten. «Wir fühlen uns von unserem Umfeld getragen.» Dazu gehören auch die Schwiegereltern, die ebenfalls auf dem Hof wohnen.

Und wenn es einmal ein Problem gegeben habe, dann habe es sich auf manchmal fast wundersame Weise gelöst. «Wir haben so viele glückliche Zufälle erlebt, ich kann es mir auch nicht richtig erklären», sagt sie.

So zerbrach sich Hänni etwa den Kopf über den Schulweg des Jüngsten, der jetzt in den Kindergarten kommt. «Mit dem Auto will ich ihn nicht fahren, und allein kann er auch nicht hingehen.» Doch dann schenkte ihr jemand einen Veloanhänger, und kurz darauf bot ihr eine Frau auch noch ein gebrauchtes Elektrovelo günstig an. Problem gelöst.

Betrieb umgestellt

Solche Erlebnisse habe sie viele gehabt. «Viele Menschen erwarten wohl, ich sei eine trauernde Witwe», sagt Hänni. «Doch das bin ich nicht, auch wenn es natürlich schwierige Tage gibt.» Auf dem Hof sei immer viel los, auch gerade jetzt mit den Umbauarbeiten, dadurch erhalte sie Ablenkung.

Monika Hänni blickt jetzt zuversichtlich in die Zukunft. Nach dem Tod ihres Mannes hat die Familie den Betrieb mit 13 Hektaren umgestellt. Hännis haben die Milchwirtschaft aufgeben und betreiben jetzt eine Aufzucht von Jungtieren. Zudem arbeiten sie als Lohnunternehmer für andere Landwirte. Es steht bereits fest, dass der älteste Sohn den Betrieb dereinst übernehmen wird.

Zuvor noch werden die Hänni-Kinder ihre neuen Schlafzimmer in Beschlag nehmen. «Sie freuen sich, dass sie bald mehr Platz und mehr Freiraum haben», sagt Monika Hänni. Auch wenn es im Dachstock vielleicht nicht mehr ganz so kuschelig sein wird wie bisher.

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