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Protest der Lockdown-GegnerDemos angekündigt – Toleranz schwindet

Gegner der Corona-Massnahmen wollen wieder auf die Strasse. In Bern hat die Polizei genug von freundlichen Gesprächen. Wie sieht es in anderen Städten aus?

Bereits am Samstag protestierten Corona-Skeptiker in Bern.
Bereits am Samstag protestierten Corona-Skeptiker in Bern.
Foto: Manuel Zingg

Am kommenden Wochenende wollen Gegner der Corona-Massnahmen wieder demonstrieren. In Bern will die Kantonspolizei deshalb am Samstag mit einem grösseren Aufgebot präsent sein. Dies, um eine angekündigte Demo zu verhindern, wie sie in einer Mitteilung vom Donnerstag schreibt. Es müsse davon ausgegangen werden, dass zahlreiche Personen das Abstand-Halten missachten und die Verbreitung des Virus in Kauf nehmen werden.

Es wäre bereits die dritte Demonstration von Corona-Skeptikern an drei aufeinanderfolgenden Samstagen in der Stadt Bern. In den letzten beiden Wochen habe man versucht, das Veranstaltungsverbot mit Gesprächen durchzusetzen, wie die Polizei weiter schreibt. Sachliche Gespräche seien aber kaum möglich gewesen.

Das Vorgehen erfolgt in Absprache mit der Stadt Bern. Der Gemeinderat hatte diese Woche mitgeteilt, dass er in der aktuellen Situation keine Demonstrationen tolerieren wolle.

Keine Toleranz mehr auch in Zürich

Auch in Zürich gibt es Aufrufe für Demonstrationen. Die Stadtpolizei dürfte Kundgebungen ebenfalls nicht mehr dulden, sondern sie sofort auflösen.

Vergangenen Samstag noch hatte die Polizei eine Demo auf dem Sechseläutenplatz toleriert. Mehr als 100 Corona-Skeptiker konnten zwei Stunden lang gegen die Pandemie-Massnahmen des Bundesrats protestieren, die sie für übertrieben halten.

Corona-Kundgebung auf dem Sechseläutenplatz: Die Polizei war vor Ort, löste die illegale Versammlung aber nicht auf.
Corona-Kundgebung auf dem Sechseläutenplatz: Die Polizei war vor Ort, löste die illegale Versammlung aber nicht auf.
Foto: Ennio Laenza/Keystone

Im Nachhinein stufte die Polizei ihr eigenes Vorgehen als Fehler ein – der Einsatz habe der Covid-Verordnung des Bundesrats widersprochen (lesen Sie dazu: Zürcher Polizeieinsatz bei Corona-Demo war nicht korrekt).

Polizisten hatten die Leute zwar mehrmals aufgefordert, den Platz zu verlassen. Doch diese reagierten mit Pfiffen. Die Polizei hatte es auch unterlassen, Personen zu kontrollieren oder zu verzeigen. Beobachter hatten sich sich über den Polizeieinsatz gewundert.

10’000 Demonstranten in München erwartet

Dass Menschen teilweise bewusst die Abstandregeln nicht einhalten, beschäftigt auch in Deutschland die Behörden. In München soll es am Samstag eine Grossdemonstration gegen die Corona-Massnahmen geben, wie deutsche Medien berichten. So sollen 10’000 Personen aufmarschieren.

Die Polizei will Verstösse gegen die Abstandsregeln nun strikter ahnden und zudem die Zahl der Teilnehmer kontrollieren. Auch eine Auflösung der Versammlung sei nicht ausgeschlossen.

Am vergangenen Samstag hatten in München 3000 Personen demonstriert. Viele trugen keinen Mundschutz und hielten den Sicherheitsabstand nicht ein.

Mit grosser Wut gegen den gesellschaftlichen Ausnahmezustand: Auch in Berlin gab es Proteste.
Mit grosser Wut gegen den gesellschaftlichen Ausnahmezustand: Auch in Berlin gab es Proteste.
Foto: Reuters

Eine Grossdemo gab es letzten Samstag bereits in Stuttgart – 10’000 Menschen kamen zusammen. Die Polizei beschriebt die Teilnehmer wie folgt: ein Drittel Bürger, die sich um ihre Existenz und Zukunft sorgen, ein Drittel Verschwörungstheoretiker, Esoteriker und Impfgegner, ein Drittel Rechts- und Linksextreme. Das gilt jedoch allenfalls für Stuttgart. Bei vielen kleineren Demos sind die militanten Staatsgegner oft unter sich. (Lesen Sie mehr dazu: Das sind die Köpfe hinter den Corona-Protesten)