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Dominic StrickerBerner Grosstalent trainiert mit der Tennis-Weltelite

Der 18-Jährige aus Grosshöchstetten, zuletzt Juniorensieger am French Open, ist für die ATP-Finals als Sparringspartner von Novak Djokovic und Co. auserkoren worden.

Dominic Stricker posiert in der O2-Arena in London. Beim Stelldichein der Jahresbesten ist er dabei.
Dominic Stricker posiert in der O2-Arena in London. Beim Stelldichein der Jahresbesten ist er dabei.
Foto: PD

Im Albtraumjahr 2020 gehen für Dominic Stricker Träume in Erfüllung. Im Januar bereitet sich der junge Berner auf die Saison vor – in Dubai, auf Einladung Roger Federers. Im Oktober triumphiert er im Juniorenfeld von Roland Garros, das Endspiel in Paris wird im Schweizer Fernsehen übertragen. Und nun bereitet er an den ATP-Finals in London die Stars auf deren Einsätze vor, gibt den Sparringspartner der besten acht Spieler der Gegenwart.

Der 18-Jährige aus Grosshöchstetten gehört damit zu den ganz wenigen Menschen, die dieser Tage die O2-Arena überhaupt betreten dürfen. Die vielzitierte Blase vereint im Wesentlichen die Stars und deren Betreuer. Alle wohnen sie gleich im Hotel nebenan. Die Tenniselite weilt unter sich. Und der Berner ist mittendrin.

Mit Dominic Thiem trainierte er am Montag, die ersten Bälle hatte er mit Stefanos Tsitsipas geschlagen, dem Sieger aus dem Vorjahr. Am meisten gegenüberstanden ist er bislang Andrej Rublew, dem hochbegabten Russen.

Der «Djoker» spielt UNO

Der Aufsteiger der Saison bestritt die Übungseinheiten vor seiner ersten Partie auch deswegen mit dem Schweizer, weil dieser Linkshänder ist – genauso wie Rafael Nadal, der Gegner am Sonntagnachmittag. Der der andern Gruppe zugeteilte Novak Djokovic griff noch nicht auf Stricker zurück, dürfte dies aber tun, sollte er beispielsweise im Halbfinal auf Nadal treffen. Begegnet ist der Berner der Weltnummer 1 einige Male im Restaurant; der Serbe spiele gerne und sehr oft UNO, erzählt der 18-Jährige.

Stricker imponiert, wie häufig und intensiv die Stars trainieren, er zeigt sich beeindruckt von deren Schlagkraft, sagt, er habe erwartet, dass sie ein sehr hohes Tempo erzeugen würden; womit er nun konfrontiert werde, sei aber schon faszinierend. Ein Feedback kriegt er, der Sparringspartner, zumeist nicht, aber ein höfliches, aufrichtiges Dankeschön.

Glückwünsche von Thiem

Überhaupt nimmt er die Stars als freundlich und offen wahr. Thiem etwa habe ihm gleich zum Sieg am French Open gratuliert. Einen wirklichen Draht zu den Szenegrössen hat die Weltnummer 3 der Junioren aber noch nicht, deren Handynummern etwa fehlten in seinem Adressbuch unverändert, sagt er schmunzelnd.

Der Teenager erhielt rund zwei Wochen nach seinem Sieg in Roland Garros eine Mail der ATP; die Leute des Tennisverbandes beglückwünschten ihm zum Erfolg und luden ihn nach London ein. Stricker zögerte ganz kurz, weil er sich bereits für Turniere eingetragen hatte, sagte aber nach Rücksprache mit seinem Berner Trainer Sven Swinnen rasch zu.

Dominic versus Dominic: Stricker trainiert mit Weltstar Thiem. Dieser gewinnt den Ballwechsel.
Video: PD

Das Talent sagt, sein Leben habe sich nach dem Titelgewinn in Roland Garros nicht wesentlich verändert, «ich bin noch immer der Domi». Freilich aber profitiere er von den Begleiterscheinungen des Triumphs.

Ab der nächsten Saison ist Stricker ausschliesslich auf der Profitour unterwegs. Er wird vorab an Future-Turnieren teilnehmen, Bewerben der dritthöchsten Kategorie. Er zeigt sich optimistisch, mit den Erwachsenen mithalten zu können. Und er sagt keck, möglichst bald wolle er Leuten wie Thiem wieder gegenüberstehen. Dann aber in einem Wettkampf.