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Verschärfung der AuflagenApp soll Personenkontrolle in Berner Clubs erleichtern

Handynummer angeben, Ausweis zeigen: Der Kanton Bern nimmt Bars und Clubs ab sofort strenger in die Pflicht. In der Stadt kommt eine neue App zum Einsatz.

Ab heute Freitag muss jede Handynummer am Eingang eines Clubs oder einer Bar im Kanton Bern verifiziert werden (Archivbild).
Ab heute Freitag muss jede Handynummer am Eingang eines Clubs oder einer Bar im Kanton Bern verifiziert werden (Archivbild).
Foto: Reto Oeschger

Die Berner Regierung hat die genauen Modalitäten der Registrierungspflicht festgelegt, welche sie vergangene Woche für Bars und Clubs im Kanton Bern ankündigte. Die Lokalbetreiber erhalten zahlreiche Aufgaben.

Wie die Kantonsregierung am Freitag mitteilte, müssen erstens Bar- und Clubbetreiber dem Kantonsarztamt den Namen und die Adresse ihres Betriebs sowie ihre vollständigen persönlichen Kontaktangaben melden. Zusätzlich müssen sie höchstens drei zusätzliche Kontaktpersonen definieren, die das Kantonsarztamt bei Bedarf ebenfalls kontaktieren könnte.

Die für die Betriebe verantwortlichen Personen sorgen dafür, dass immer eine der Kontaktpersonen jeweils zwischen 7 Uhr und 22 Uhr erreichbar ist. Schliesslich müssen die Lokalbetreiber sicherstellen, dass dem Kantonsarztamt auf Anfrage eine elektronische Gästeliste innerhalb von höchstens zwei Stunden übermittelt wird.

Bei Widerhandlung Busse oder Schliessung

Die neuen Bestimmungen sollen dazu beitragen, dass beim Auftreten eines Infektionsfalls ein wirksames Contact Tracing gewährleistet ist. Diese effektive Rückverfolgbarkeit von Kontakten Infizierter sei in Club- und Barbetrieben sowie in Diskotheken und Tanzlokalen besonders wichtig, schreibt der Berner Regierungsrat.

Die Verhinderung der Ausbreitung des Coronavirus sei dort wegen der geschlossenen Räume, der hohen Gästezahlen, der freien Zirkulation der Gäste sowie wegen des engen Kontakts beim Tanzen und der Nähe bei Gesprächen eine grosse Herausforderung. Die neuen Regeln gelten ab (dem heutigen) Freitag.

Am 1. Juli hatte die Kantonsregierung angekündigt, dass sie eine Registrierpflicht für Berner Clubs, Discos und Bars einführen werde. Nun hat die Regierung die Verordnung verabschiedet, welche die Details enthält. Wer sich nicht an die Vorgaben hält, kann gebüsst werden. Am 1. Juli schrieb die Kantonsregierung, Betriebe, die sich nicht an die Registrierungspflicht hielten, müssten mit einer Schliessung rechnen.

Die neuen Regeln zielten beispielsweise auf Personen, welche zwar infiziert seien, aber nichts davon bemerkten und am Wochenende in den Ausgang zögen. Das sagte der Mediensprecher der bernischen Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion, Gundekar Giebel. Es sei dringend nötig, dass man solche Personen erfassen könne.

Buck-Geschäftsführer nicht überrascht

Max Reichen, der Geschäftsführer des Vereins Pro Nachtleben Bern (Buck), sagte am Freitag auf Anfrage, er sei nicht überrascht von der Verordnung. Auch der Kanton Zürich habe ähnliche Regeln eingeführt.

In der Tat beschloss die dortige Kantonsregierung Anfang Juli eine Ausweispflicht und dass Bar- und Clubbesucher ihre Handynummer registrieren lassen müssen. Die Zürcher Regierung reagierte damit auf zwei sogenannte Superspreader-Events, also auf Anlässe, an denen eine infizierte Person zahlreiche andere ansteckte. Danach zeigte sich, dass falsche Kontaktangaben auf der Besucherliste figurierten.

Reichen rechnet nicht damit, dass sich Vereinsmitglieder – zahlreiche Bar- und Clubbetreiber – gegen die Verordnung des Kantons auflehnen werden. Die Umsetzung der Pflichten werde etwa für Diskotheken einfach. Schwieriger werde es etwa für Bars unter freiem Himmel. Dort werde sich etwa die Frage stellen, wie weit die Sorgfaltspflicht für diese Betreiber gehe, also ob sie beispielsweise ihr Areal mit Gittern absperren müssten.

Buck-App ist bereit

Dass nun auf Bars und Klubs damit viel Arbeit zukomme, relativiert Reichen: «Ich verstehe die Kritik. Logisch ist das alles mühsam, aber wir alle sind uns bewusst, dass diese Situation einen Sondereffort braucht», sagt er. Dass die Betreiber von 7 bis 22 Uhr erreichbar sind, könne mit einem Schichtplan und Pikett gewährleistet werden.

Die Buck hat ihre eigene Applikation lanciert, die letzte Woche mit dem Update auch das Verifizieren der Personalien möglich macht. Mit der App lassen sich zudem auch die Aufenthaltszeiten der Gäste aufzeichnen, was ja ebenfalls gefordert wird. Bereits sei die App am vergangenen Wochenende beim Kulturzentrum Gaskessel und dem Club Kapitel am Bollwerk im Einsatz gewesen.

Reichen rechnet damit, dass weitere Klubs sich ihnen anschliessen werden. Die Daten können per Knopfdruck als Liste exportiert werden. Somit sind die zwei Stunden, in denen das Bundesamt für Gesundheit die Daten bei einem Notfall eingereicht haben möchte, ebenfalls gewährleistet. Damit ausserhalb der Betriebe die Nachverfolgbarkeit der Personen gewährleistet ist, empfiehlt er zusätzlich die SwissCovid-App.

Bei der Ausweispflicht gibt Reichen zu bedenken, dass dies bei einer Bevölkerungsgruppe nicht kontrolliert werden könne, diejenige der Sans-Papiers. «Wir können sie nicht bis auf weiteres vom sozialen Leben am Wochenende ausschliessen», sagt er. Dass auch sie Bedürfnisse haben und raus wollen, sei zu akzeptieren.

SDA

17 Kommentare
    Josef Hofstetter

    Brauchen wir Clubs und Bars, ich glaube kaum. Die Menschen können sich auch anders unterhalten als mit Alkohol und Drogen.