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Alterszentrum in NiederbippBereit für die Babyboomer

Im Jurablick steht der Neubau kurz vor dem Abschluss. Mit ihm wollen die Verantwortlichen auch den kommenden Generationen gerecht werden.

Gemeindeverbandspräsident Beat Kellerhals (links) und Geschäftsführer Beat Hirschi sind froh, dass der Bau trotz Corona-Krise realisiert werden konnte.
Gemeindeverbandspräsident Beat Kellerhals (links) und Geschäftsführer Beat Hirschi sind froh, dass der Bau trotz Corona-Krise realisiert werden konnte.
Fotos: Beat Mathys

Es ist laut an diesem Nachmittag an der Deckergasse in Niederbipp. Noch ist er nämlich nicht ganz fertig – der Erweiterungsbau im Alterszentrum Jurablick. Geschäftsführer Beat Hirschi und Namensvetter Beat Kellerhals, Präsident des zuständigen Gemeindeverbandes, müssen öfter mit ihren Stimmen gegen den Bohrlärm ankämpfen, als sie durch die neuen Räumlichkeiten der Einrichtung führen.

Im April letzten Jahres fand der Spatenstich zum «Neubau Deckergasse 10» statt, nun sollen die neuen Räume in wenigen Wochen fertiggestellt sein. Sie umfassen einen Dienstleistungsbereich im Untergeschoss, einen Pflegebereich mit 23 Zimmern im ersten und zweiten Stock sowie sieben Alterswohnungen im dritten Stock. Ausserdem gehört eine Passerelle dazu, die Hauptgebäude und Neubau verbindet.

«Wir hatten grosse Angst, dass wir unterbrechen müssen.»

Beat Kellerhals

Beat Kellerhals zeigt sich erleichtert darüber, dass der Zeitrahmen für das Projekt eingehalten werden konnte. Nicht selbstverständlich, wenn die Bauarbeiten zum Teil mitten in einer Pandemie und an einem Ort stattfinden, an dem lauter Risikopatientinnen und Risikopatienten wohnen. «Wir hatten grosse Angst, dass wir unterbrechen müssen», sagt Kellerhals, der auch die Baukommission präsidiert.

Der Neubau des Alterszentrums Jurablick in Niederbipp.
Der Neubau des Alterszentrums Jurablick in Niederbipp.

Es ist nicht das erste Mal, dass im Jurablick gebaut wurde. 20 Millionen Franken seien in den vergangenen fünf Jahren in die Einrichtung investiert worden, sagt Beat Hirschi. Mit dem Neubau Deckergasse, der mit 8,5 Millionen Franken zu Buche schlägt, soll das Zentrum nun für die Zukunft gewappnet sein. Und diese Zukunft heisst: Babyboomer.

Attraktiv bleiben

Die Babyboomer wurden in den kinderreichen Jahren zwischen 1946 und 1964 geboren. Sie kommen so allmählich ins hohe Alter. Sie sind nicht nur viele, sie sind sich auch einen höheren Standard gewöhnt als ihre Eltern und haben andere Ansprüche an ihren Lebensabend. Diesen müssten die Alters- und Pflegezentren gerecht werden, sagt Beat Hirschi.

Anders als man denken könnte, steht mit der Babyboomer-Generation nämlich nicht zwangsweise ein Ansturm auf diese Zentren an. «Viele suchen sich schon früh eine altersgerechte Wohnung und greifen, wenn nötig, auf externe Betreuungsangebote zurück», sagt Kellerhals. Ein Platz in einem Alters- und Pflegezentrum ist für sie somit nicht nötig, um als Seniorinnen und Senioren gut versorgt zu sein. «Wir müssen uns überlegen, wie wir attraktiv bleiben», sagt Hirschi. Das heisse konkret: rechtzeitig planen und auf die veränderten Bedürfnisse eingehen.

Sie wollen nicht in einem Altersghetto leben, sondern mit anderen Generationen in Berührung bleiben.»

Beat Hirschi

Zu diesen gehöre, dass alles, was es zum Leben braucht, in nächster Nähe zu finden ist. Also etwa: die Arztpraxis, der Coiffeursalon, Freizeitangebote und Anschluss an den öffentlichen Verkehr. Ausserdem wollen die Babyboomer am Puls der Zeit bleiben, sagt Beat Hirschi, der schon mehrere Vorträge zum Thema gehalten hat. «Sie wollen nicht in einem Altersghetto leben, sondern mit anderen Generationen in Berührung bleiben.»

Eine solche Möglichkeit bietet im Jurablick das neue Fitness- und Physiocenter, das im Erdgeschoss des Neubaus eingerichtet wurde. Da das Studio privat ist, kann sich hier Jung und Alt beim Sport begegnen. Auf dieses ist Beat Hirschi ein bisschen stolz, das ist ihm anzumerken, als er durch die langen Gänge führt.

Im «Physiofit» können Menschen bis ins sehr hohe Alter trainieren. «Diese Modelle kommen aus Amerika und sind speziell für Personen im Alter 80+ konzipiert», sagt Beat Hirschi und zeigt auf drei Geräte, mit denen die Rücken- oder Oberschenkelmuskulatur trainiert werden kann. Sie sind besonders bedienerfreundlich und unfallsicher.

An den drei Geräten auf der linken Seite können Hochbetagte ihre Rücken- oder Oberschenkelmuskulatur trainieren. Im Fitnessstudio soll sich Jung und Alt begegnen.
An den drei Geräten auf der linken Seite können Hochbetagte ihre Rücken- oder Oberschenkelmuskulatur trainieren. Im Fitnessstudio soll sich Jung und Alt begegnen.

Als Nächstes führen Hirschi und Kellerhals in die Passerrelle, die das alte und das neue Gebäude verbindet. Die Holzkonstruktion befindet sich noch im Bau und ist erst über die Gerüste an der Fassade betretbar. «Sie wird nach einem Modell von Studierenden der Holzfachschule Biel gebaut», sagt Beat Hirschi. Über die Brücke sollen künftig das Pflegepersonal sowie die Bewohnerinnen und Bewohner stets trockenen Fusses in die anderen Gebäude gelangen. Der Weg solle gleichzeitig ein attraktiver Spaziergang für die Senioren sein, sagt Beat Hirschi und zeigt auf die grossen Fenster, von denen sich eine tolle Aussicht bietet.

Noch im Bau: Die neue Passarelle verbindet die Häuser.
Noch im Bau: Die neue Passarelle verbindet die Häuser.

Am anderen Ende erreicht man Aufenthaltsräume und Pflegezimmer. Diese konnten teilweise bereits bezogen werden. Ein wenig erinnern die langen Gänge an ein Spital. So werde der Bau auch klassifiziert, sagt Beat Kellerhals. Auffallend ist auch ein grosses, beleuchtetes Wandbild am Ende des Ganges. Die Idee dahinter sei, dass die Bewohner einen Blick in die Weite haben, sagt Kellerhals.

Das Wandbild soll den Blick in die Ferne bieten.
Das Wandbild soll den Blick in die Ferne bieten.

Die letzte Station der Führung sind die Alterswohnungen im obersten Stock. «Was fällt Ihnen auf?», fragt Beat Hirschi, in einer Dreieinhalbzimmerwohnung. Es sind die grossen Fenster, die einem sofort ins Auge stechen. Licht durchströmt die moderne Wohnung. Die Küche ist ins Wohnzimmer integriert, der Balkon gross mit der Aussicht über das Dorf oder den nahen Jura.

Auch hier haben sich die Verantwortlichen genau überlegt, was die Bewohner von morgen wollen. «Das ist eine typische Babyboomer-Wohnung», sagt Hirschi. Neben den hohen Fenstern gehörten dazu etwa der integrierte Geschirrspüler, das Reduit für die Waschmaschine oder die grossen Tiefkühler. «Wenn schon in eine Alterswohnung, dann soll sie auch alles bieten», fasst Hirschi das Konzept zusammen.

1730 Franken kostet eine solche Dreieinhalbzimmerwohnung, inklusive Nebenkosten. Dienstleistungsangebote wie pflegerische Leistungen, Haushaltshilfen oder einen Mahlzeitendienst können dazugemietet werden. «So ist es möglich, dass die Menschen bis ans Lebensende in dieser Wohnung bleiben können», sagt Hirschi. In Niederbipp scheint die Strategie aufzugehen. Nicht nur alle neuen Pflegezimmer werden in den kommenden Wochen belegt sein, auch jede der sieben Alterswohnungen ist per 1. September vermietet.

Sie haben andere Ansprüche an ihren Aufenthalt in Alters- und Pflegeheimen: Die Babyboomer.
Sie haben andere Ansprüche an ihren Aufenthalt in Alters- und Pflegeheimen: Die Babyboomer.