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Altlasten in ReconvilierBelastete Gärten werden saniert

Das Erdreich in der Nachbarschaft der ehemaligen Boillat-Fabriken ist mit Kupfer und Zink belastet. Auch private Gärten sind betroffen, zeigt eine aktuelle Untersuchung des Kantons.

Belastete Böden: Rund um die Swismetal-Fabrik ist im Erdreich Kupfer und Zink zu finden.
Belastete Böden: Rund um die Swismetal-Fabrik ist im Erdreich Kupfer und Zink zu finden.
Stéphane Gerber

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts werden im Berner Jura Kupferlegierungen hergestellt. Eine aktuelle Untersuchung zeigt: Das Erdreich in der Nachbarschaft der ehemaligen Boillat-Fabriken von Reconvilier und Loveresse ist mit Kupfer und Zink belastet. Der Schadstoffeintrag stammt von Staubpartikeln, die sich aus den Fabrikkaminen über die Luft verbreitet und in der Umgebung niedergeschlagen haben.

Im vergangenen Jahr führte ein Umweltlabor im Auftrag des kantonalen Amtes für Wasser und Abfall Bodenuntersuchungen im fraglichen Gebiet durch. Nun ist das Ergebnis bekannt: Bei zehn Prozent der Proben wurden die Grenzwerte der eidgenössischen Altlasten-Verordnung derart überschritten, dass eine Bodensanierung notwendig ist. Die 54 betroffenen Parzellen werden ins Kataster der belasteten Standorte eingetragen. «Der Eintrag in dieses Verzeichnis erfolgt vorübergehend und wird nach der Sanierung gelöscht», versicherte Jacques Ganguin, Vorsteher des kantonalen Amtes für Wasser und Abfall, an einer Videokonferenz. Der Kanton will bei den Erdarbeiten mit Landschaftsgärtnereien zusammenarbeiten, den diese seien «am besten in der Lage, die Erwartungen der Hausbesitzer an die gewohnte Gartennutzung umzusetzen», so Ganguin.

Gemüse im Fokus

Der Plan zur Sanierung der hoch belasteten Grundstücke wird in den kommenden Monaten mit zehn Pilotprojekten an ausgewählten Objekten überprüft. Die landwirtschaftlich genutzten Parzellen werden nach eigenen Kriterien behandelt. Die meisten Flächen bestehen aus Weideland oder dienen der Futterproduktion. Nur auf einem dieser Grundstücke werden Nahrungsmittel erzeugt. «Wir werden die Massnahmen in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Umwelt von Fall zu Fall festlegen, je nach Beschaffenheit des Bodens, der Art seiner Nutzung und dem Belastungsgrad», erklärte die kantonale Projektleiterin Martine Docourt.

Unterhalb der Sanierungswerte besteht für Kinder, die in einem Haus- oder Familiengarten spielen, kein Risiko. Dennoch will der Kanton eine Studie durchführen, bei welcher rund 200 Gemüseproben entnommen und analysiert werden.

Verunsicherte Eigentümer

Diese Böden werden nicht ins Kataster der belasteten Standorte eingetragen. Bei Bodenabtragungen oder Aushubarbeiten muss das Material vorschriftsgemäss entsorgt werden. Eigentümer, die ihre Gärten sanieren möchten, obwohl die Schadstoffbelastung unterhalb der Sanierungswerte liegt, müssen die Kosten selbst tragen. Immerhin kann Jacques Ganguin die Bevölkerung beruhigen: «Die Wahrscheinlichkeit, dass Gemüse eine schädliche Schwermetall-Konzentration enthält, ist sehr klein.»

Ähnliche Proben wurden bereits in den 90er-Jahren in der Region entnommen. Allerdings standen damals beide Fabriken noch im vollen Betrieb. «Es ist gut, heute wieder eine Bilanz zu ziehen», bestätigt der Amtsvorsteher. Die in diesem Frühling geplante Kampagne wurde wegen der Corona-Pandemie auf nächstes Jahr verschoben.

Und wer bezahlt?

An der Videoübertragung nutzten Haus- und Grundstückseigentümer die Gelegenheit, Fragen zum Verteilungsschlüssel der Sanierungskosten zu stellen. Das kantonale Amt für Wasser und Abfall rechnet mit durchschnittlichen 50’000 Franken pro Parzelle. Die Eigentümer müssen mit einer Kostenbeteiligung von 0 bis 20 Prozent rechnen. Der Bund übernimmt etwa 40 Prozent, der Kanton den Rest. Bei der ehemaligen Boillat SA, die jedoch im Laufe der Zeit in unterschiedlichen Firmenzusammenschlüssen aufgegangen war, können aus rechtlichen Gründen keine Forderungen geltend gemacht werden.

Deshalb versichert Projektleiterin Martine Docourt: «Wir setzten uns mit aller Kraft dafür ein, dass die Parzellenbesitzer von einer Kostenbeteiligung befreit werden.» Das letzte Wort liegt aber natürlich beim Regierungsrat.