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Die grössten ZusammenschlüsseViele Bankenfusionen sind zum Scheitern verurteilt

Was mit grossem Brimborium angekündigt wird, endet oftmals im Fiasko. Besonders schwer haben es Fusionen in Europa.

Bankgesellschaft und Bankverein: Der zweitgrösste Bankkonzern der Welt entsteht

Ein Handschlag für die Ewigkeit: Marcel Ospel (links) und Mathis Cabiallavetta formen 1997 mit der UBS den damals zweitgrössten Bankkonzern der Welt.
Ein Handschlag für die Ewigkeit: Marcel Ospel (links) und Mathis Cabiallavetta formen 1997 mit der UBS den damals zweitgrössten Bankkonzern der Welt.
Foto: Martin Ruetschi (Keystone)

1997 schlossen sich die Schweizerische Bankgesellschaft (SBG) und der Schweizerische Bankverein (SBV) zur UBS zusammen. Erste Gespräche zwischen den damaligen Chefs Mathis Cabiallavetta und Marcel Ospel begannen im April. Die SBG unterbreitete dem Basler Bankverein eine Fusionsofferte. Nur zwei Monate später stimmten die Verwaltungsräte beider Unternehmen der Fusion zu. Durch den Zusammenschluss entstand der damals zweitgrösste Bankenkonzern der Welt.

Ein Jahr vorher wäre es fast anders gekommen. 1996 war es Rainer E. Gut, der Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, der mit der SBG fusionieren wollte. Gut konnte sich nicht durchsetzen. Der damalige SBG-Präsident Robert Studer bezeichnete eine Fusion als «verantwortungslos» und meinte damit vor allem die horrende Zahl an Stellen, die der Fusion zum Opfer fallen würden. Damit war das Ansinnen vom Tisch. Gut reagierte zerknirscht. Bei der Fusion von Bankgesellschaft und Bankverein wurden dann 13’000 Stellen abgebaut. Das Arbeitsplatz-Argument war bei den Verwaltungsräten plötzlich kein Thema mehr.

Barclays und ABN Amro: Teuerste Fusion, die nie stattfand

Aufgeteilt, verstaatlicht und wieder unabhängig: ABN Amro ist nach einer turbulenten Phase die drittgrösste Bank der Niederlande.
Aufgeteilt, verstaatlicht und wieder unabhängig: ABN Amro ist nach einer turbulenten Phase die drittgrösste Bank der Niederlande.
Foto: Piroschka van de Wouw (Reuters) 

Kurz vor Ausbruch der Finanzkrise im Frühling 2007 kam es zum Big Bang in der europäischen Finanzbranche. Die britische Barclays legte für den niederländischen Bankkonzern ABN Amro die Rekordsumme von 110 Milliarden Euro auf den Tisch. Ein Koloss mit 220’000 Beschäftigten und 47 Millionen Kunden sollte entstehen. Die Briten wollten damit einen bereits Monate dauernden Übernahmekampf für sich entscheiden. Zuvor wollten die Royal Bank of Scotland, die spanische Santander und die britisch-niederländische Fortis ABN Amro übernehmen und aufteilen. Nach langen juristischen Streitereien zog Barclays den Kürzeren, und ANB Amro wurde wie geplant aufgeteilt. Teile der Bank wurden verstaatlicht. Seit 2015 ist die Nummer drei in den Niederlanden wieder an der Börse.

Deutsche Bank und Dresdner Bank: Ein Symbol für das Scheitern

Im Frühjahr 2000 bebt die Erde in Frankfurt. Die Deutsche Bank und die Dresdner Bank kündigten ihren Zusammenschluss an. Von 125’000 Stellen sollten 16’000 abgebaut werden. Doch nur wenige Wochen später wurde die Fusion abgeblasen. Die Investmentbanker waren gegen die Verschmelzung und setzten sich durch.

2008 stieg die Deutsche Bank bei der Postbank ein. Nach vielen Auf und Ab kam die Integration erst 2018 zum Abschluss. Die Dresdner Bank wiederum fusionierte 2009 mit der Commerzbank. Auf diese hat inzwischen die Deutsche Bank ein Auge geworfen.

Chase Manhattan und J. P. Morgan: Die Mutter aller Bankenfusionen

Wohl eine der erfolgreichsten Bankenfusionen überhaupt: Am 13. September 2000 geben die Chefs von J. P. Morgan, Douglas Warner (links), und Chase Manhattan Corporation, William Harrison, ihre Fusionsabsichten bekannt.
Wohl eine der erfolgreichsten Bankenfusionen überhaupt: Am 13. September 2000 geben die Chefs von J. P. Morgan, Douglas Warner (links), und Chase Manhattan Corporation, William Harrison, ihre Fusionsabsichten bekannt.
Foto: Reuters

J. P. Morgan Chase ist heute eine der erfolgreichsten und einflussreichsten Banken der Welt. Die Gruppe ist das Produkt von mehr als dreissig Bankenfusionen. Der wichtigste Zusammenschluss wurde im September 2000 in New York angekündigt. Chase Manhattan offerierte 36 Milliarden Dollar für J. P. Morgan. Beide Unternehmen verschmolzen am 10. November 2001 zu J. P. Morgan Chase & Co., die heute eine Bilanzsumme von 2600 Milliarden Dollar aufweist und 250’000 Mitarbeiter beschäftigt.

6 Kommentare
    Heinz Ryffel

    Ein Verliererfoto, beide haben versagt.