Wie auf Wolke sieben

In der vierten Generation könnte der Audi A8 sogar selbstständig fahren. Freigeschaltet ist die Option aber noch nicht. Doch es gibt noch deutlich meht Stoff, um vom Audi-Technologieträger zu berichten.

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Seit 1994 gilt die Oberklasse­limousine von Audi als Technologieträger der Marke, und sie war die erste ihrer Art mit Allradantrieb, was heute praktisch als Standard gilt. Nun präsentiert sich die vierte, im Vergleich zum Vorgänger nochmals um vier Zentimeter gewachsene A8-Generation. 5,17 Meter lang und 1,95 Meter breit, eine mächtige Limousine mit Quattro-Antrieb also, und man fragt sich, wer sich etwas Derartiges noch kaufen soll.

Familienväter tendieren heutzutage, selbst wenn sie Bankdirektoren sind, eher zu einem Q7. Der ist immerhin zehn Zentimeter kürzer und bietet mehr Stauraum. Autos à la Audi A8, BMW 7er, Cadillac CT6, Mercedes S-Klasse oder Jaguar XJ werden zumindest in Mitteleuropa fast nur noch als Chauffeurlimousinen eingesetzt und sorgen vor den Pforten der EU-Zentrale in Brüssel regelmässig für das gewünschte Image-Doping.

Da setzt unsere eigentliche Kritik am grossen Audi an: Der Fussraum im Fond ist zwar generös, in der Version Lang (+13 Zentimeter) geradezu fürstlich, aber die für Langbeiner wesentliche Sitztiefe ist zu knapp. Sämtliche elektrischen Verstellmöglichkeiten vermögen dies nicht zu kaschieren, sogar manche Mittelklasse-Limousinen (beziehungsweise -Kombis) bieten eine bessere Oberschenkelunterstützung.

Ansonsten erfüllt das neue ­Audi-Flaggschiff die gesetzten Erwartungen, bietet bei der Einstiegsmotorisierung 3.0 V6 TDI 23 PS mehr (286 PS), verbraucht rund sieben Prozent weniger als Generation drei und kostet ab 111 800 Franken. Neu gibt es als Otto-Einstieg einen gleich grosser V6-Benziner mit 340 PS, einem theoretischen Gesamtverbrauch von 8,1 Liter auf 100 Kilometer und einem Verkaufspreis ab 114 400 Franken.

Wenn man die beiden Motorisierungen kurz nacheinander fährt, sind praktisch keine Unterschiede auszumachen. Zumindest innen ist der Diesel nicht mehr als solcher zu erkennen, im rechten Fuss schon gar nicht. Etwas später folgt ein stärkerer Dreiliterbenziner mit 449 PS sowie ein W12 mit 585 PS. Für 2019 ist schliesslich ein 4-Liter mit 460 PS angesagt, dessen Sinn sich eigentlich nur über den V8-Prestigefaktor erschliesst. Interessanter ist der angekündigte V8-Plug-in-Hybrid mit 50 Kilometer elektrischer Reichweite.

Unterwegs kommt man sich bereits mit den Basisversionen wie auf Wolke sieben vor; der Abrollkomfort wurde spürbar verbessert. Wem das nicht genügt, kann künftig ein Aktivfahrwerk mit elektromechanischen Aktuatoren an allen Rädern ordern, was die Federungscharakteristik ins Himmlische steigern soll. Über die luxuriöse Basisausstattung hinaus lässt sich ohnehin viel ordern, was das Fahren noch angenehmer macht.

Zum Beispiel eine Vierradlenkung, die den Wendekreis auf A4-Niveau reduziert und Schweissausbrüche im Parkhaus unterbindet. Oder beheizbare Armauflagen in den Türen, der Mittelarmlehne vorn und hinten sowie ein beheizbares Lenkrad. Und – wichtig für eine Chauffeurlimousine – der vielseitig verstellbare Ruhesitz im Fond. Vermisst haben wir lediglich automatisch ausfahrende Sonnenblenden.

Es stehen über 40 Assistenzsysteme zur Verfügung, einige davon hat der Schweizer Importeur in die Serienausstattung inkludiert, etwa die Einparkhilfe mit Flankenschutz, die Umgebungskameras, die Servo-Schliessung der Türen oder die HD-Matrix-LED-Scheinwerfer mit dynamischem Blinklicht.

Nicht zu vergessen die Lederausstattung «Valetta». Serienmässig sind das digitale Display und die zwei Touchscreens. Nur ganz wenige Funktionen werden noch mit Knöpfen oder Drehreglern bedient. Und der haptische Overkill feiert Urständ; allein in den Türverkleidungen sind bis zu zehn verschiedene Materialien verarbeitet.

Autonom fahren nach Level 3 kann der neue A8 ja schon; es fehlt bloss noch die Freigabe für den «Audi A1-Staupilot», der auf Autobahnen oder mehrspurigen Strassen mit baulicher Trennung die Fahreraufgabe im Kolonnenverkehr bis 60 km/h übernehmen kann. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.11.2017, 14:16 Uhr

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