BMW drosselt die Leistung

Ausgerechnet der Gralshüter der «Freude am Fahren» macht beim aktuellen Powerplay der Premium-Stromer nicht mit.

Der erste vollelektrische SUV aus München wird nicht gleich viel Leistung haben wie vergleichbare Modelle der Konkurrenz. Foto: PD

Der erste vollelektrische SUV aus München wird nicht gleich viel Leistung haben wie vergleichbare Modelle der Konkurrenz. Foto: PD

400 – das scheint die neue Glückszahl der auf den Strom ­gekommenen Premium-Automarken zu sein. 400 PS oder noch besser 400 kW und eine Reichweite von 400 Kilometern oder mehr. Wer beim elektrischen Autoquartett punkten will, muss solche Eckwerte anbieten.

Doch die Zeiten des Autoquartetts sind längst vorbei, und langsam, aber sicher denken auch die Hersteller um. Zwar lancierte BMW in den vergangenen Monaten einen Sportler – SUV, Limousine oder Coupé – nach dem anderen, und viele Präsentationen fanden auf Rennstrecken statt. Doch zumindest beim für kommendes Jahr angekündigten Elektro-SUV iX3 steht BMW auf die Bremse.

Mit über 400 Kilometern soll der Stromer zwar auch mit einer imposanten Reichweite aufwarten, wenn er Ende 2020 auf die Strasse kommt. Weniger spektakulär sind dafür die Leistungsdaten des neuen iX3, zumal der 200 kW (270 PS) starke X3-Ableger aus Effizienzgründen ohne Allradantrieb auskommen muss. Die Kraft von 400 Nm wird exklusiv an die Hinterräder geleitet.

Zwei Drittel weniger Kobalt

«Im BMW iX3 erreicht Efficient-Dynamics ein neues Niveau», entgegnen die Münchner. «Seine eDrive-Technologie der fünften Generation umfasst eine Antriebs­ein­heit, bei der Elektromotor, Leistungselektronik und Getriebe in einem zentralen Gehäuse verbaut sind.» So werde die Antriebseinheit nicht nur kompakter, auch die Leistungsdichte verbessere sich ge­ge­nüber dem bisherigen BMW-Elektroantrieb um rund 30 Prozent.

Der Akku verwendet NMC-811-Zellen in Form von Prismen. Das Kürzel steht für eine Lithium-Ionen-Batterie, bei der die eine Elektrode aus Nickel, Mangan und Kobalt im Verhältnis 8:1:1 besteht. Damit wird besonders viel Nickel, aber weniger Mangan und Kobalt eingesetzt als in gängigen 622-Zellen. «Im Vergleich zur letzten Batterie-Generation konnte der Kobaltanteil um zwei Drittel reduziert werden», heisst es. Ausserdem beschafft BMW die Rohstoffe ­Kobalt und Lithium nun erstmals selbst und gibt sie an die Zellproduzenten weiter. Danach werden die Zellen in BMW-Werken zu fertigen Akkus zusammengebaut. Die Batterie wird im Fahrzeugboden untergebracht, sodass es keine Einbussen beim Platzangebot gibt. Dank der eher gedrosselten Leistung verspricht BMW auch einen besonders niedrigen Stromverbrauch von unter 20 kWh/100 km im WLTP-Zyklus.

China im Fokus

In Sachen CO2-Bilanz betont BMW, dass der iX3 im gesamten Produktzyklus (samt Rohstoffbeschaffung, Lieferkette, Produktion, Nutzungsphase, Recycling) einem konventionellen X3 deutlich überlegen ist. Mit europäischem Durchschnittsstrom werden 30 Prozent CO2 eingespart, bei Verwendung von grünem Strom sind es rund 60 Prozent, so BMW. Darüber hinaus kann der Akku wie beim i3 nach seiner Verwendung im Auto als Stationärspeicher weiterverwendet werden. Das verbessert die CO2-Bilanz weiter.

Die fehlenden kW, aber vor allem der fehlende Allradantrieb im Vergleich zu Audi e-tron, Jaguar i-Pace und Mercedes-Benz EQC wird den Erfolg des Stromers in der Schweiz wohl beeinträchtigen, denn hierzulande fuhren von Januar bis Ende November mehr als 50 Prozent der Neuwagen mit Allradantrieb vor. Doch für BMW ist das kein allzu grosses Problem, denn Hauptmarkt für den Neuling ist China, wo das Auto auch vom Joint Venture BMW Brilliance Automotive in Shenyang gebaut werden wird. Und dass weniger auch mehr sein kann, wird sich wohl auch in der Automobilindustrie rumsprechen.

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