Skodas Zukunft hinter Klostermauern

Ungetarnt gibt es den neuen Superb erst Mitte Februar in Prag zu sehen. Doch Skoda zelebriert sein Erscheinen schon jetzt.

Skoda-Chef Winfried Vahland präsentierte in Portugal den neuen Superb – allerdings als getarnten Prototyp. Foto: Skoda

Skoda-Chef Winfried Vahland präsentierte in Portugal den neuen Superb – allerdings als getarnten Prototyp. Foto: Skoda

Es geht für Winfried Vahland in diesen vorweihnachtlichen Tagen, «um Grosses », wie er selbst sagt. Der Vorstandsvorsitzende von Skoda meint damit zum einen den 17. Dezember, wenn erstmals in der Geschichte des tschechischen Traditionsunternehmens die magische Grenze von einer Million Fahrzeuge – produziert und ausgeliefert innert Jahresfrist – erreicht wird. Für den aus diesem Grund im Stammwerk Mlada Boleslav geplanten Showdown wird am kommenden Mittwoch allerdings nicht das neue Flaggschiff der VW-Konzerntochter vomBand laufen, sondern «nur» der Fabia. Immerhin: Der Kleinwagen, eben erst in dritter Generation neu lanciert, hat sich bereits zur Nummer 2 hinter dem absoluten Topseller Octavia etabliert. Und der steht in der Hierarchie von Skoda genauso felsenfest zuoberst, wie das bei Volkswagen der Golf tut.

Fotografieren verboten

Den Grossauftritt des Flaggschiffs, von dem sich Vahland für die Zukunft von Skoda ebenfalls Grosses erhofft, spart sich Skoda noch auf. Macht in der Zwischenzeit auf geheimnisvoll, inszeniert ihn Schritt für Schritt. Und damit über die dritte Superb-Generation seit 2001 nichts zu früh und auch nicht zu viel an die Öffentlichkeit dringt, präsentierten die Tschechen das Auto diese Woche in Form von drei getarnten Prototypen in der Abgeschiedenheit eines portugiesischen Provinzstädtchens namens Alentejo, rund 200 Kilometer von Lissabon entfernt. Mehr noch: Wirklich authentisch war das Auto nur hinter jenen dicken Mauern zu sehen, die einst zu einem von den Maltesern gegründeten Kloster gehörten, das heute, immerhin, kulturträchtiger Hotelpalast ist. Fotografieren des in Silber glänzenden Einzelstücks war selbstverständlich strikt verboten.

Mit dem, was Chefdesigner Joszef Kaban geschaffen hat, stösst Skoda tatsächlich emotional in eine neue Ära vor. Waren bisher in erster Linie Praktikabilität, Raumangebot und ein von allen direkten Konkurrenten nicht zu überbietendes Preis-Leistungs-Verhältnis die stärksten Verkaufsargumente der VW Konzerntochter, die zudem von den modularen Baukästen der Wolfsburger profitieren kann, so machen die Tschechen jetzt zusätzlich modernes, attraktives Design zu ihrem Thema. Kam einem die am Genfer Autosalon von Skoda gezeigte Studie «Vision C» doch ziemlich verwegen vor, so muss man sich jetzt nach einem Blick hinter die Klostermauern in Alentejo eingestehen: Chefdesigner Kaban setzt die neue, dynamische Formensprache tatsächlich schon beeindruckend gut um – tief platzierter, schmaler Kühlergrill, flache Motorhaube, muskulös ausgestellte Radhäuser und – das vor allem – eine coupéhaft abfallende Dachlinie, die in eine Heckklappe mit riesiger Fensterfläche mündet. Da sieht der ebenfalls neue VW Passat, der auf der gleichen Plattform steht wie der Superb, fast schon ein bisschen bieder aus. Und der A5 Sportback von Audi liegt zumindest formal in Reichweite.

Kofferraum fasst bis 1760 Liter

Dass der Superb in seinen neuen, dynamischen Proportionen so stimmig wirkt, ist nicht selbstverständlich. Denn Kaban wurden nicht die geringsten Konzessionen gemacht, was etwa Raumangebot, Ladevolumen oder auch Komfort anbelangt. Da gab es für den früheren VW-Designer auch beim Skoda-Flaggschiff rein gar nichts zu rütteln: In dieser Beziehung hat auch ein Superb wie der Octavia, der Fabia oder auch der Yeti schlicht der Beste seiner Klasse zu sein. Mit einem Kofferraumvolumen von 625 Litern (bei umgeklappter Rückbank 1760 Liter) tut er das dann auch, besser denn je sogar. Und mit seiner Kopf- und Kniefreiheit im Fond ebenfalls. Dazu fanden 29 Simply-clever- Lösungen im Innenraum, wie Skoda sie nennt, ebenfalls wieder Platz. Und statt eines kleinen Regenschirms in der seitlichen Ablage wie etwa bei Rolls-Royce, führt der Superb künftig sogar zwei mit – einen auch für die Beifahrerin.

Schlüsse zu Fahrdynamik und den Motoren lassen sich nach den ersten, kurzen Fahrten im portugiesischen Niemandsland nahe der spanischen Grenze mit den bis in die Fensterflächen getarnten Prototypen keine ziehen. Bis zum Marktstart im kommenden Frühsommer soll die Palette acht Aggregate – fünf Benziner und drei Selbstzünder – umfassen. Topversion wird der 280 PS starke 4-Zylinder-Turbo mit Doppelkupplung und (optional) Allradantrieb sein. Erstmals in der langen Geschichte der tschechischen Autobauer knackt damit ein Skoda die 250-km/h-Marke. Gegenstück dazu bildet der 1,4-Liter-Diesel, der bei dem angestrebten Normverbrauch von 3,7 Liter einen CO2 von weniger als 100 Gramm pro Kilometer haben soll.

Plug-in-Hybrid kommt 2016

Aber es soll noch besser kommen. Als ersten Plug-in-Hybriden im gesamten Angebot will Skoda 2016 den Superb ins Rennen schicken. Das hat primär zwei Gründe: Erstens braucht Vahland künftig auch beim Flaggschiff grösstmögliche Stückzahlen, um die Vorgabe von VW-Konzernchef Martin Winterkorn zu erfüllen, bis 2018 den Absatz auf 1,6 bis 1,8 Millionen zu steigern. Zweitens ist man sich in Mlada Boleslav bewusst, dass man diese wesentlich teurere Technologie bei allem Fortschritt auch bei den Kompaktmodellen wohl nur in der Mittelklasse an die (Flotten-)Kunden bringen kann.

Peter Hegetschweiler fuhr den getarnten Superb auf Einladung von Skoda-Importeur Amag am 8./9. Dezember in Portugal.

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