Dynamik vor Digitalisierung

BMW setzt bei der neuen Dreierreihe auf Fahrspass. Und damit auf Technik nach alter Väter Sitte, ohne die elektronische Entwicklung zu vernachlässigen.

Beim neuen BMW-Dreier wird es weder beim Format noch bei der Form eine Revolution geben. Foto: PD

Beim neuen BMW-Dreier wird es weder beim Format noch bei der Form eine Revolution geben. Foto: PD

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Die Bayern sind die Gralshüter der Freude am Fahren: In keinem Auto kommt sie besser zum Ausdruck als im Dreier von BMW. Denn wo die C-Klasse von Mercedes den komfortablen Krösus gibt und mit Luxus der Oberklasse wirbt und der Audi A4 auf Perfektion setzt, definiert BMW seit mittlerweile sechs Generationen die sportliche Spitze in der Mittelklasse.

Zwar müssen auch die Bayern einräumen, dass vielen Kunden die Digitalisierung mittlerweile wichtiger ist als die Dynamik, und beim Dreier ist der Spagat zwischen Familienauto und Firmenwagen, Sportlimousine und Seniorenauto zudem besonders gross. Doch Männer wie Jos van As wollen nicht abrücken von der alten Ordnung und glauben fest daran, dass die Freude am Fahren in einer Welt immer gleicherer Autos mit immer synthetischeren Eigenschaften am Ende den Unterschied machen wird.

Ein Zentner Gewicht weniger

Deshalb ist der Leiter Applikation Fahrdynamik gerade mit einem halben Dutzend neuer Dreier um und auf dem Nürburgring unterwegs. Aussen und innen noch stark getarnt, aber unter dem Blech auf dem letzten Stand, soll die Limousine durch die Entwickler einmal mehr zum «Ultimate Sports Sedan» gemacht werden, bevor sie im März gegen die oben erwähnte Konkurrenz ins Rennen geht. Dabei setzte Van As zwar auch auf Software und digitale Technik. Nicht umsonst bekommt der Dreier wieder eine elektronische Charakterregelung sowie erstmals ein elektronisches Sperrdifferenzial an der Hinterachse. Aber vor allem arbeiten die Bayern nach alter Väter Sitte: Sie haben die Spur um drei Zentimeter verbreitert, den Schwerpunkt um einen Zentimeter abgesenkt und immerhin einen Zentner Gewicht aus dem Wagen geholt.

Und weil das neue, ganz und gar analoge Fahrwerk auf neuen Dämpfern sitzt, die einen zusätzlichen Kolben haben und so mehr Energie abbauen, ohne die Bandscheiben stärker zu belasten, bleibt der neue Dreier dort sanft, wo andere Autos Sportlichkeit mit übertriebener Härte übersetzen. Und trotzdem lässt er nichts an Bestimmtheit und Genauigkeit vermissen. Im Gegenteil: Selbst wenn man bei den Testfahrten auf der Rennstrecke mit Tempo 200 oder mehr weite Autobahnkurven nimmt, schafft sein Fahrwerk ein derart unerschütterliches Vertrauen, dass man fast versucht ist, die Hände vom Lenkrad zu nehmen. Und wenn man auf der Nordschleife durchs «Kesselchen» oder das «Karussell» fährt, fühlt sich die Limousine nicht wie ein Fremdkörper an, sondern wie ein Auto, das für nichts anderes als diese Strecke gebaut wurde – dabei wird der Dreier diesseits des M3 den Nürburgring wohl kein zweites Mal mehr sehen.

Während BMW schon sehr freizügig über die Fahrdynamik spricht und für ein paar Runden auf der Nordschleife sogar Gäste ans Steuer lässt, halten sich die Bayern bei den anderen Details zum Generationswechsel noch bedeckt. Doch dass es weder beim Format noch bei der Form eine grosse Revolution gibt, kann man den Prototypen trotz der Tarnung leicht ansehen. Die Platzverhältnisse im Innenraum sind weder besser noch schlechter als beim Vorgänger, und wenn man kurz die Tarnmatten anhebt, bietet auch das Cockpit keine Überraschungen. Natürlich prangt hinter dem Lenkrad jetzt ein grosses Digitaldisplay, der Navibildschirm reagiert auf Fingerzeig, und auf dem Mitteltunnel gibt es auch weiterhin den i-Drive-Controller mit Touchpad.

Auch unter der Haube wird sich nach bisherigen Informationen nur wenig tun. Es bleibt bei den bekannten Motoren, die alle ein bisschen sparsamer werden und trotzdem etwas mehr Bumms haben. Dabei verweist BMW auf «den stärksten, jemals in einem Serienmodell von BMW eingesetzten 4-Zylinder-Benziner», dessen Verbrauchswerte um rund 5 Prozent sinken und bei dem ein Partikelfilter dafür sorgt, dass er die neue Abgasnorm Euro 6d-Temp erfüllt.

Und statt die Dreier-Fahrer erstmals mit einem Dreizylinder zu nerven, locken die Bayern lieber mit dem ersten M-Performance-Diesel für die Baureihe.

Händler warten ungeduldig

Und alternative Antriebe? Mild-Hybriden stehen zur Diskussion, der Plug-in-Hybrid ist fest eingeplant, und irgendwann soll es den Dreier auch rein elektrisch geben, hört man aus München. Aber bis dahin drehen Van As und seine Mitstreiter lieber noch ein paar Runden auf der Nordschleife – schliesslich ist auch das Sportmodell M3 wieder fest eingeplant.

Premiere feiert die neue Mittelklasse von BMW im Oktober in Paris, an den Start rollt die siebte Generation im Frühjahr 2019. Darauf freuen sich BMW-Fans, aber auch die Händler, denn der Dreier hat den Anschluss verloren: Bis Ende Juli verkaufte BMW 1392 Fahrzeuge in der Schweiz, während Audi den A4 1930-mal an den Mann oder die Frau brachte. Spitzenreiter ist allerdings Mercedes-Benz mit 2441 immatrikulierten C-Klassen. Hätten die Münchner 2013 die Coupé-Varianten des Dreiers nicht zum Vierer umnummeriert, sähe die Bilanz freilich viel freundlicher aus.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.08.2018, 00:51 Uhr

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