Auch der Winter kann kommen

Keine Frage: Der Mazda MX-5 RF sieht mit seinem Hardtop noch einen Zacken besser aus als sein Stoff­kappen-Bruder. Und er rettet den Fahrspass erst noch in die Wintersaison. Das Metalldach begeistert nicht restlos.

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Die B-Säule bleibt stehen, die Dachlinie dahinter fällt wie bei einem Fastback dynamisch zum Heck ab – diese Formensprache funktioniert beim Porsche 911 Targa, und sie tut es auch beim Mazda MX-5 RF. So heisst der Bruder des Japan-Roadsters mit Stoffdach, und er ist fraglos der schönere von beiden.

Und nicht nur das: Die Dachkonstruktion macht ihn auch robuster, um nicht zu sagen winterhart. Aus dem typischen Zweitauto MX-5 wird damit zumindest vordergründig ein Fahrzeug, das die ganze Runde der Erde um die Sonne mitmacht – doch dazu kommen wir noch.

Technisch sind beide identisch. Der Motor steckt vorne unter der gewellten Haube, angeschoben wird der MX-5, ganz Sportwagen, über die Hinterachse. Nach wie vor ist ein metallisch röchelnder Sauger am Werk. Ein Purismus, der sich seit über einem Vierteljahrhundert bestens bewährt.

Man dirigiert

Im Testwagen steckt der stärkere Zweiliter-Vierzylinder mit 160 PS. Daneben gibt es noch die Version mit 131 PS. Ein bescheidenes Gestüt zwar, das es aber auch nur mit wenig über 1,1 Tonnen zu tun hat. Ohne Umschweife: Der Vortrieb ist da und spürbar. 7,3 Sekunden geht es, bis aus dem Stand Tempo 100 erreicht ist.

Das ist mittelprächtig, aber das Gefühl dabei, das taugt. Der Gasfuss kommt per Direktwahl zum Motor durch. Den Rest des Zaubers kennt man vom Charakter des MX-5. Der Schaltknauf vibriert im Handballen, die Karosserie ist schön steif, alles fühlt sich kompakt und wendig an. Man fährt nicht, man dirigiert.

Dass die Dachkonstruktion mit ihrer Elektrik aufweniger ist als das manuell bediente Stoffdach, schlägt sich im Preis nieder. Das ist der unvermeidbare Nachteil des schönen RF. Die Stoffdachversion gibt es schon ab konkurrenzlosen 24 700 Franken, den RF erst ab 31 300 Franken, immerhin aber besser ausgestattet.

Unser Testwagen in der Topversion Revolution kostet 37'700 Franken Basis, dazu kommt der Metalliclack für 800 Franken, mehr aber auch nicht. Ein zeitgemässes Navigations- und Multimediasystem, die gängigen Assistenten wie Totwinkel- und Querverkehrswarner und Spurhalter sowie eine Soundanlage von Bose sind dann bereits an Bord. Der Clou: Von neun Boxen befinden sich zwei in den Kopfstützen, so bleibt das Klangvergnügen auch unter offenem Himmel gewahrt.

Nicht nur ästhetische Frage

Apropos offener Himmel: 13 Sekunden Zeit lässt sich der Faltmechanismus. Das ist eigentlich ganz zügig, geht aber nur bis Fahrtempo 10, warum auch immer. An einer kurz getakteten Ampel wird man so schon mal zum Verkehrshindernis. Da wünscht man sich das Stoffverdeck herbei – lösen, drehen und schwups, ist das Ding offen.

Soft- oder Hardtop, das ist nicht nur eine ästhetische Frage, sondern auch eine des Gebrauchs. Im Sommer ist der MX-5 mit Textilmütze klar im Vorteil. Im Winter der RF, doch ein echtes Erstauto ist auch er nicht.

Platz ist für zwei Personen (bis 1,80 Meter Gardemass) und für 127 Liter Gepäck – das Handschuhfach, wenig ergonomisch hinter dem Mitteltunnel platziert, muss schon bei einer kleinen Damenhandtasche Forfait geben. Wer so ein Auto fährt, hat ohnehin noch ein zweites.

Zwei Dinge seien potenziellen Käufern noch auf den Weg gegeben. Erstens: Die knackige Sechsgang-Handschaltung ist alternativlos. Wer dieses Auto mit Automatik ordert, kann genauso gut Socken zu Sandalen tragen.

Sehr zu empfehlen ist das Sport-Paket für 3000 Franken. Dafür gibt es Bilstein-Stossdämpfer, vor allem aber anschmiegsame Recaro-Sitze in Alcantara. Die Basisbestuhlung, wenn auch in Leder, drückt einen gefühlt aus dem Roadster hinaus – dabei will man instinktiv sitzen bleiben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.08.2017, 17:16 Uhr

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