Rekonstruktion einer Legende

«The Alpine ist back», kündigte Renault­ Chef Carlos Ghosn diese Woche in Monte Carlo an. Den Nachfolger der französischen Sportwagen-Legende gibt es aber nur als Studie.

Renault-Nissan-CEO Carlos Ghosn: «Der Alpine soll den Technologietransfer zwischen Rennstrecke und Strasse beschleunigen.»

Renault-Nissan-CEO Carlos Ghosn: «Der Alpine soll den Technologietransfer zwischen Rennstrecke und Strasse beschleunigen.»

(Bild: Renault)

Monte Carlo? Klar doch – wo denn sonst hätte Renault seine «serienreife» Studie für den länger schon geplanten und noch viel, viel länger von seinen Fans vermissten Nachfolger des Alpine präsentieren sollen? Hier hat das Auto in seiner Blütezeit der frühen 70er­ und 80er ­Jahre neben den Triumphen in Le Mans einen seiner absoluten Höhepunkte erlebt, den Dreifachsieg beim Rallye Monte Carlo. 1971 wars, und der Erfolg zahlte sich zunächst auch wirtschaftlich aus: 40'000 Einheiten sind insgesamt produziert und weltweit abgesetzt worden. Doch mit dem Nachfolger der legendären Berlinette ging der Spirit, den Jean Rédélé dem A110, diesem spartanischen, 850 Kilo leichten Renner mit einer Karosserie aus Fiberglas, noch eingeimpft hatte, je länger, je mehr verloren. Die Konsequenz: 1995 stellte Renault die Serienproduktion des Alpine ein.

Ende 2017 auf der Strasse

Doch jetzt ist seine Auferstehung angesagt. Vom Chef persönlich: «The Alpine is back», kündigte Carlos Ghosn diese Woche in Monte Carlo an. Er tat es erstaunlich emotionslos, fast unterkühlt sogar, und die Präsentation an historischer Städte passte so ganz und gar nicht zur ursprünglichen Entstehungsgeschichte des Alpine, der vom Rennsport-Enthusiasten Rédélé in einer kleinen Werkstatt in Dieppe auf Basis eines getunten 4CV entwickelt worden war.

Dass von solchem Pioniergeist heute nicht mehr die Rede sein kann, ist verständlich. Renault versucht denn auch gar nicht erst zu kaschieren, dass man sich in Paris mit der «Rekonstruktion der Legende», wie es heisst, schwergetan hat. Die in Monte Carlo enthüllte «Vision», die Ghosn zu immerhin 80 Prozent als serienreif bezeichnet, ist bereits die dritte Studie seit 2012 – und vor Ende 2017 kommt der neue Alpine kaum auf die Strasse.

Mehr Strategie als Herz

Das Serienauto soll zwar noch in diesem Jahr vorgestellt werden, doch die Produktion soll frühestens im zweiten Quartal kommenden Jahres beginnen und wird zunächst auf Europa beschränkt bleiben Allerdings entspricht der Neue auch weit weniger einer Herzenssache als vielmehr einem strategische Entscheid von Renault. «Nachdem wir vor zwei Wochen unsere Rückkehr als Werksteam in die Formel 1 angekündigt haben, kündigen wir heute den Neustart von Alpine an», sagte Ghosn in Monte Carlo. Und sieht im Relaunch der Traditionsmarke denn auch «einen wichtigen Schritt in unserer Strategie, den Technologietransfer zwischen Rennstrecke und Strasse zu beschleunigen».

In diesem Sinne freut sich der Renault­-Chef heute schon darauf, «neue Kunden im Segment der Premium-­Sportwagen zu gewinnen». Ein Segment übrigens, das erstaunlich boomt: Verkaufsprognosen sagen – laut Renault – bis 2020 ein Wachstumspotenzial von bis zu 50 Prozent voraus. Und Ghosn hat sogar noch weiterreichende Pläne: Er will Alpine mittelfristig zu einer eigenständigen Marke machen.

Vierzylinder ­Turbo mit 300 PS?

Auf das neue, zweisitzige Coupé sollen weitere Modelle folgen, ein Cabrio beispielsweise oder auch ein sportlichkompakter SUV. Diese Aussagen des Renault-Chefs hören sich fast konkreter an als das, was er an der Côte d’Azure zum Auto, das nicht etwa im markentypischen Blau, sondern in «unschuldigem » Weiss auf der Showbühne stand, zu sagen hatte. Fragen zur künftigen Motorisierung, zum (Leistungs-) Gewicht, das die Legende so einmalig machte, und zur Preispolitik blieben unbeantwortet.

Fest steht: Den typischen Buckel wird der neue Mittelmotor ­Zweisitzer vom Klassiker übernehmen, ansonsten folgt er weitgehend aktuellen Designtrends. Nicht nur das Heck erinnert dabei stark an den Audi TT. Zu vermuten ist im Weiteren, dass der Alpine von einem von Renault Sport entwickelten Vierzylinder­ Turbo mit einer Leistung von 270 bis 300 PS angetrieben wird. Ghosns Vorstellungen entsprechend soll er in 4,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Immerhin in dieser Beziehung gab sich der Renault­-Chef dann doch noch überraschend konkret.

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