Viele Pferde führen nach Rom

Nach dem Facelift des Dauerbrenners Octavia bringen die Tschechen nun eine neue Topversion: den Octavia RS 245. Die Nummer steht für die Anzahl PS – und für viel Fahrspass.

Hierzulande wird vor allem der Kombi gekauft. Das neue Spitzenmodell Skoda Octavia RS 245 wird aber auch als flotte Stufenhecklimousine angeboten.

Hierzulande wird vor allem der Kombi gekauft. Das neue Spitzenmodell Skoda Octavia RS 245 wird aber auch als flotte Stufenhecklimousine angeboten. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Für wie viel PS würden Sie nach Rom fliegen? Komische Frage, wissen wir. Und wenn Sie jetzt sagen: «Da führen mich keine 10 Pferde hin», nun, uns auch nicht, aber für 5 mehr unternahmen wir die Reise dann doch. Skoda lud uns nämlich auf die Rennstrecke Vallelunga in der Nähe der italienischen Hauptstadt, um dort den neuen Octavia RS 245 zu erkunden, und dieser leistet 15 PS mehr als der herkömmliche RS.

Doch lohnte sich dafür die zweitägige Reise, oder hätte man sich den nicht sehr üppigen Leistungsunterschied nicht einfach denken können? Nein, der Ausflug lohnte sich tatsächlich, schliesslich ist das stärkste Serienmodell der Markengeschichte nicht nur etwas stärker und schneller geworden, es bietet auch erstmals ein Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe und ausserdem ein mechanisches Sperrdifferenzial an der Vorderachse, genannt VAQ.

Dieses aus dem Motorsport stammende System funktioniert auf Basis einer elektronisch geregelten Lamellenkupplung, die zwischen dem Differenzial und der rechten Radaufhängung platziert ist. Diese öffnet und schliesst sich blitzartig und bedarfsgerecht, sodass bis 100 Prozent der Kraft auf ein einzelnes Vorderrad geleitet werden können.

Das VAQ leitet also in der Kurve bei Bedarf mehr Antriebskraft auf das kurvenäussere Vorderrad, reduziert dadurch das Untersteuern und sorgt für ein schnelleres Herausbeschleunigen aus dem Scheitelpunkt. Auf der Rennstrecke hauen wir bei ausgeschaltetem (aber leider dennoch nicht komplett deaktiviertem) ESP mitten in der Kurve bewusst grobmotorisch den rechten Fuss aufs Bodenblech, und wir sind verblüfft, wie leichtfüssig und linientreu der Skoda dennoch aus dem Radius herausbeschleunigt. Da schiebt nichts, da scharrt nichts, die Elektronik regelt feinfühlig und die Diffsperre hilft dem Auto um die Kurve. Sehr gut!

Diese 245 PS übrigens, sie mögen heute am Stammtisch keinen mehr beeindrucken – doch vor noch gar nicht langer Zeit war das ein enormer Wert, zumal für einen Fronttriebler. Der scharfe Octavia wandelt diese Power in eine Beschleunigung von null auf hundert in 6,6 Sekunden um (Kombi: 6,7 Sekunden) – das lässt sich sehen. Gefallen hat uns ausserdem das freudige Ansprechverhalten und das lange neutrale, einfache und spurstabile Handling.

Natürlich haben wir den neuen Octavia RS 245 nicht nur auf der Rennstrecke, sondern auch auf der Strasse bewegt. Die teilweise sehr holperigen Pisten rund um den wunderschönen Lago di Bracciano zeigten gnadenlos die Schattenseiten eines straff abgestimmten Sportfahrwerks auf; wer viele Zahnfüllungen hat, verschliesst vorsorglich spontan die Lippen. Hartgesottene RS-Fans mögen das geniessen, alle anderen wünschen sich ein bandscheibenfreundlicheres Set-up; selbst im Komfortmodus ist der RS 245 zu straff abgestimmt.

Auf nicht so holperigen Strassen, wie man sie hierzulande oft vorfindet, fällt das weniger ins Gewicht, und so zeichnet auch den neuen Top-Octavia aus, was alle Modelle dieser Baureihe für sich beanspruchen dürfen: eine hohe Alltagstauglichkeit, eine gute Variabilität, clevere Detaillösungen und ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis. Der neue Octavia RS 245 kostet ab 42'450 Franken – da kann man nicht meckern. (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.08.2017, 18:56 Uhr

Artikel zum Thema

VW schickt Elektro-Hippiebus in Serie

Mit günstigeren Stromern will VW dem Elektroauto-Pionier Tesla den Rang ablaufen. Der E-Bulli ID Buzz soll ab 2022 zu kaufen sein. Mehr...

Der verkannte Luxusliner

CT6 heisst Cadillacs neues Topmodell, das in der Oberklasse gegen Mercedes, BMW und Konsorten antritt. Ein Auto wie ein Pauschalurlaub im Fünfsternhaus mit einem Antrieb, der alte Klischees Lügen straft. Mehr...

Auch der Winter kann kommen

Keine Frage: Der Mazda MX-5 RF sieht mit seinem Hardtop noch einen Zacken besser aus als sein Stoff­kappen-Bruder. Und er rettet den Fahrspass erst noch in die Wintersaison. Das Metalldach begeistert nicht restlos. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Polizei in Rosa: Demonstranten bewarfen die Ordnungshüter in Nantes (Frankreich) mit Farbe. (16. November 2017)
(Bild: Stephane Mahe) Mehr...