So sparsam ist der neue Wundermotor

Der neue Mazda 3 ist das erste auto mit einem selbstzündenden Benziner. Hält der «Diesotto» in der Praxis, was er verspricht?

Als Limousine gibt sich der Mazda 3 mit einer Front im Raubkatzenstil und keilförmiger Seitenpartie eher sportlich, und so fährt er sich auch. Foto: PD

Als Limousine gibt sich der Mazda 3 mit einer Front im Raubkatzenstil und keilförmiger Seitenpartie eher sportlich, und so fährt er sich auch. Foto: PD

Ob er nun eine Sensation ist oder nicht, eines können Mazda selbst die ärgsten Zweifler nicht absprechen: Mit dem ersten selbstzündenden Benziner (siehe Kasten) haben die Japaner zumindest ein ziemlich doofes Kofferwort populär gemacht: Diesotto, zusammengesetzt aus Diesel und Otto (für Ottomotor).

Als erstes Serienauto der Welt ist der neue Mazda 3 mit einem solchen Diesotto unterwegs – oder Skyactiv-X-Motor, wie er beim Hersteller heisst. Den Kompaktwagen gibt es als fünftürigen Hatchback und als viertürigen Sedan in identischer Länge. Wir fahren zwei Wochen lang den Viertürer. Und die Aufgabe, die sich uns stellt, ist klar: Wir wollen die Gleichung nach X auflösen, also den realen Verbrauch ermitteln.

Mazda verspricht durchaus viel mit seinem X-Motor: geringere Emissionen, bessere Abgaswerte, mehr Drehmoment, eine hohe Laufruhe. Mit 180 PS aus zwei Liter Hubraum soll der Motor in der sparsamsten Variante mit 4,5 Litern auskommen. Zumindest gemäss dem älteren Verbrauchszyklus NEFZ. Für das Testfahrzeug gibt Mazda einen Verbrauch gemäss WLTP-Zyklus von 6,2 Litern an. Das klingt schon weniger spektakulär.

Auf den Mix kommt es an

Wir ziehen eine erste Bilanz: Viel Kurzstrecke und keine besondere Achtsamkeit resultieren in durchschnittlich 6,5 Litern. Das ist respektabel für eine ziemlich ausgewachsene Limousine, aber keinesfalls mehr. Wir probieren es also erneut, fahren gezielt defensiv und streuen längere Strecken ein. Und siehe da, plötzlich verzeichnen wir einen Verbrauch von 4,9 bis 5,1 Litern, sind also in Sphären, in denen zum Beispiel Toyota mit seinen Vollhybridfahrzeugen unterwegs ist.

Wenn man den Wundermotor mal aussen vor lässt, ist der neue Mazda 3 nicht betont innovativ, sondern eher ein wohltuendes Konglomerat an Bewährtem. Fast hat man das Gefühl, die Japaner hätten sich überall inspirieren lassen. So erinnert das fahrerzentrierte Cockpit an BMW, die Bedienung auf der Mittelkonsole an Audi, und der Schlüssel mit den seitlichen Knöpfen an Volvo – nur dass er bei Mazda nicht mit Leder überzogen wurde.

Allrad nur beim Hatchback

Statt des heute üblichen virtuellen Cockpits gibts analoge Rundinstrumente, das aber in Kombination mit einem grossformatigen Head-up-Display. Etwas Pragmatismus muss eben sein, denn zum Preis von 39'290 Franken bieten die Japaner ihre Limousine quasi in Komplettausstattung an, mit Infotainmentsystem, Bose-Sound­anlage, LED-Scheinwerfern, Assistenzpaket, feinen Ledersitzen und dergleichen mehr. Extra kosten am Testwagen nur die Metallic-Lackierung und die Teppicheinlagen.

Verpackt ist das alles eher sportlich, mit einer Front im Raubkatzenstil und einer keilförmigen Seitenpartie. Und so fährt sich der Mazda 3 durchaus auch.

Den Sprint auf Tempo 100 erledigt er in anständigen 8,9 Sekunden. Die Kraftentwicklung erfolgt, ohne Turbo, recht linear. Direkt am Gas hängt der X-Motor dabei nicht. Aber das muss einem egal sein. Wer den Mazda andauernd tritt, hat nichts vom Wundermotor.

Die Limousine, auch das fällt auf, ist gut ausbalanciert, fährt sauber und griffig durch Kurven. Schade, dass diese Karosserie­variante in der Schweiz kaum eine Rolle spielt. Die Japaner verstärken den Effekt noch, indem sie den Sedan einzig mit Frontantrieb und Automatikgetriebe anbieten. Den Hatchback aber gibt es auch mit Allradantrieb. Und es gibt ihn mit X-Motor und Handschaltung. In dieser Konfiguration sollte der tiefste Verbrauch möglich sein.

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