Ab aufs Treppchen

Mit dem Scala verabschiedet sich Skoda vom Low-Budget-Image früherer Jahre. Der Kompaktwagen bietet die ganze Technikpalette des VW-Konzerns – aber Vorsicht, Stufe!

Auf Kundenwunsch mit französisch weicher Federung: Der Skoda Scala. Foto: PD

Auf Kundenwunsch mit französisch weicher Federung: Der Skoda Scala. Foto: PD

Zumindest seinem Namen ist der Skoda Rapid gerecht geworden: Er war schnell wieder weg. Das 2012 lancierte Modell besetzte zwischen Fabia und Octavia eine Nische, die nur wenige Kunden zu schätzen wussten. Darum wählte die tschechische VW-Tochter letztes Jahr die Flucht nach vorn – mit einem neuen Namen und neuem Konzept.

Scala heisst der Nachfolger, und das passt gut zu diesem Auto, das wie fast alles im VW-Konzern in unzähligen Stufen konfigurierbar ist. Apropos Stufe: Im Gegensatz zum Rapid gibt es jetzt kein Stufenheck mehr, sondern nur noch den Fünftürer mit Steilheck. Erhalten blieb hingegen die verlängerte Heck­klappe. Das Designmerkmal gibt es beim Scala wie so vieles als Option.

Mit 4,36 Metern Länge ist der Scala definitiv der Kompaktklasse zuzurechnen. Das ist eine Erwähnung wert, denn gebaut wird er im Stammwerk in Mlada Boleslav auf der Kleinwagenplattform, die man vom A1, vom Ibiza oder vom Polo kennt. Die tschechische VW-Tochter hatte bekanntlich schon immer eine Schwäche für Geräumigkeit und setzt ihre Kompetenzen gut in die Praxis um. Im Scala kommen besonders die Fondpassagiere gut weg, und auch das Fassungsvermögen des Kofferraums ist mit 467 Litern üppig für die Kompaktklasse.

Der bessere Golf?

Über das Design braucht man nicht viele Worte zu verlieren. Aussen ist die Marken-DNA ohne Mätzchen umgesetzt, auffällig sind allenfalls die dynamischen LED-Blinker. Innen gibt es ein konzerntypisches Cockpit: schwarz-graue Kunststofflandschaften und digitale Instrumente. Der mittige Touchscreen ist in der Topversion 9,2 Zoll gross und nahtlos in einen glänzenden schwarzen Rahmen eingelassen. Im virtuellen Cockpit hinter dem Lenkrad wählt man seine Lieblingsansicht aus etwas grob gezeichneten Grafiken. Bei den Assistenten gibt es unter anderem eine aktive Spurhilfe und einen Abstandstempomaten. Alles wie man es kennt vom VW-Konzern.

Eine Eigenheit des Scala ist die französisch weiche Federung, mit der Skoda auf Kundenrückmeldungen zum Vorgänger reagiert hat. Sportlich fühlt sich das nicht an, mit seinem tiefen Schwerpunkt geht der Scala aber immer besser ums Eck als mancher SUV.

Der Scala ist schicker als der Vorgänger, das zeigt sich auch beim Preis von 28'730 Franken.

Der im Testwagen verbaute Vierzylinder mit 150 PS ist derzeit die wohl beste Wahl. Er ist mit einer Zylinderabschaltung ausgerüstet – das motiviert zum Sparfahren und ermöglicht im Alltag Verbräuche von 4,9 bis 6 Litern. Ob das die alternativ angebotenen, schwächeren Dreizylindermotoren unterbieten, ist fraglich. Kommt hinzu: Der Vierzylinder ist schön laufruhig und hat wenn nötig ein ordentliches Ansprechverhalten – wobei man das DSG vorgängig aus dem Bummelmodus holen oder selber via Lenkradwippen runterschalten muss.

Ohne Zweifel ist der Scala schicker und wertiger als der Vorgänger. Die Treppe hoch klettert er aber auch beim Preis. Ab 28'730 Franken gibt es das Testmodell, wobei das virtuelle Cockpit und die erwähnten Assistenten mit weiteren 2000 Franken, das grossformatige Panoramaglasdach und die Heckscheibenverlängerung mit 1600 Franken zu Buche schlagen. Damit rückt der Tscheche preislich nah an den Octavia heran.

Ob sich hier die gesuchte Nische findet oder der Scala sogar dem Golf Konkurrenz macht, wie einige Kommentatoren vermuten? Das wäre was: der Scala auf dem Treppchen!

Der Autor testete auf Einladung des Herstellers.

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