Schöner reisen

Als Nach­folger des VW CC alias Passat CC lanciert Volkswagen den Arteon und stellt zeitgleich das neue Markengesicht der VW-Familie vor.

Ein Gesicht, das man sich merken muss: Der neue VW Arteon zeigt die künftige Designsprache der Wolfsburger.

Ein Gesicht, das man sich merken muss: Der neue VW Arteon zeigt die künftige Designsprache der Wolfsburger. Bild: zvg

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Der im Vergleich zum Passat neun Zentimeter längere und vier Zentimeter breitere Arteon ist zwar in erster Linie auf die Businessmodelle von BMW (5er) und Mercedes (E-Klasse) angesetzt und soll den Anspruch unterstreichen, die Marke VW näher an «Premium» heranzubringen, statt sich als schlichter Passat mit den preisgünstigeren Konkurrenten herumschlagen zu müssen.

Freilich werden die genannten Konkurrenten fast ausschliesslich als Kombi gekauft; einen Arteon Variant wird es aber nicht geben. Wer also soll noch eine grosse Limousine kaufen, wenn die Neuwagenkäufer in Mitteleuropa fast uneingeschränkt zu Kombis und SUV tendieren?

Der konzerneigene Konkurrent Audi hat es mit dem A5 Sportback vorgemacht; im Gegensatz zur A4-Basis verkauft sich der Fünftürer verblüffend gut, während A4 und A6 nur noch als Avant marktfähig sind. Wenn also ein Auto dieses Formats, dann bitte als coupéhafter Fünftürer statt bünzliartiger Limousine mit vier Türen und Rucksack.

Europa ist nicht primärer Absatzmarkt

Die Erfolgsaussichten werden hierzulande oder im Heimmarkt Deutschland dennoch bescheiden bleiben. Aber es gibt Länder wie China, Russland oder die USA, wo Sedans imagepolierend geblieben sind. So die Überlegungen des Konzerns, welcher dem Willen untergeordnet, die Nummer eins unter den Autoherstellern bleiben zu wollen, mit dem Arteon Nachhaltung verschafft.

In seiner Art macht der neue Top-Volkswagen mit einem Markengesicht, das künftig alle Modelle von VW prägen soll, einiges her, auch wenn er sich – den CO2-Gesetzen geschuldet – motorisch anders als der Vorgänger CC auf zwei Liter grosse Hubräume beschränkt.

Der stärkste Benziner, ein 2-Liter-TSI mit DSG und Allradantrieb, bringt es auf 280 PS und 7 Liter Verbrauch auf 100 km, der kräftigste Selbstzünder (2.0 TDI) auf 240 PS und 5,8 Liter, ebenfalls mit Doppelkupplungsgetriebe und 4×4. Diese Varianten imponieren auf der Strasse mit beachtlichem Drehmoment, können aber unter Last nicht verschweigen, über lediglich vier Zylinder alimentiert zu werden.

Die zu einem coupéhaften Aufbau gehörenden rahmenlosen Seitenfenster stören das Qualitätsgefühl nicht. Und dank dem fünf Zentimeter verlängerten Radstand im Vergleich zur Passat-Limousine resultiert ein geradezu fürstlicher Beinraum im Fond. Die eher mediokere Kopffreiheit auf den hinteren Plätzen dürfte für Familienväter kaum Thema sein, sich statt eines Passats den Arteon anzulachen.

Die stolzen Verkaufspreise hingegen fallen bei der Entscheidung ins Gewicht: Es geht dabei um immerhin 7000 Franken Mehrpreis zur Passat-Limousine, was allerdings nicht ausstattungsbereinigt ist.

Ein Arteon kostet mindestens 44'300 Franken, was selbst dann kein Günstigversprechen darstellt, wenn man in die Rechnung einbezieht, dass in die Arteon-Verkaufspreise Gratisservicepakete inkludiert sind, Verschleissteile eingeschlossen. Schliesslich weist Volkswagen Schweiz auf die gedehnten Servicekosten hin: Ölwechsel nach zwei Jahren oder 30'000 km, erste Inspektion nach drei Jahren oder 60'000 km.

Reisewagen für Arrivierte

Man hat es also mit einem Auto zu tun, welches sich zum Kilometerfressen empfiehlt. Oder, entsprechend seinem schönen Auftritt eleganter ausgedrückt, um einen prädestinierten Reisewagen für Arrivierte, die lieber dynamisch statt kommod fahren wollen und sich an den grossen Aussenmassen nicht stören. Und an den plumpen Federungseigenschaften, sofern statt den serienmässigen 17- die imposanten 20-Zöller montiert sind.

Abgesehen von den später nachgereichten Basisversionen 1.5 TSI und 2.0 TDI mit je 150 PS, kommt der Prestige-VW Anfang Juli zur Auslieferung. Schaltgetriebe sind ausschliesslich für die letztgenannten Varianten lieferbar, Letztere optional auch mit der Siebenstufenautomatik, nicht aber mit Allradantrieb.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 12.07.2017, 18:06 Uhr

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