Eleganz aus dem Windkanal

Ein grosser Sportler ist der neue Opel Insignia nicht, auch wenn er den Beisatz Grand Sport trägt, aber ein famoser Reisewagen. Und noch nie war ein Opel in der jüngeren Geschichte annähernd so elegant.

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Man sieht dem neuen Insignia förmlich an, dass ihm der Wind wenig anhaben kann. Die Dach­linie hebt und senkt sich so harmonisch, als hätte Opel den Archetyp eines Grand Coupés bauen wollen. Und in gewisser Weise ist das genau, was die Rüsselsheimer gemacht haben. Nur der Name will nicht recht ins Bild passen. Insignia Grand Sport – dabei ist nicht Sport das Thema dieses Autos, sondern Eleganz.

Aber der Reihe nach. Wir ­fahren während unserer zwei Testwochen die Topversion, knappe 4,9 Meter lang, mit 20-Zoll-Leichtmetallfelgen und OPC-Applikationen aufgehübscht, tatsächlich ein stattliches Auto. Und doch sind wir überrascht, wie viele Blicke dem Insignia zufliegen. Einen so schicken Opel hat in der jüngeren ­Geschichte der Marke offenkundig niemand gesehen.

Neue Achtgangautomatik

Stattlich ist auch die Ausrüstung: Ein 2-Liter-Turbobenziner mit 260 PS verrichtet seine Dienste – zumeist leise und nur unter Last etwas knurrig. Gekoppelt ist er an eine brandneue Achtgangautomatik. Dazu gibts einen Allradantrieb, der bis zu 60 Prozent der Kraft ans Heck überträgt und bei Bedarf jedes Rad einzeln ansteuert. So ist auch Torque-Vectoring möglich, also die Lenkunterstützung über die Verteilung des Antriebsmoments.

Richtig sportlich fährt sich der Insignia Grand Sport dennoch nicht. 7,6 Sekunden benötigt er für den Standardsprint auf Tempo 100. Die Lenkung und das adaptive Fahrwerk sind nicht besonders straff, das Handling insgesamt eher auf flüssiges Gleiten und auf die Autobahn ausgelegt. Immerhin der Topspeed kann sich sehen lassen: 250 km/h.

Den Verbrauch gibt Opel nach NEFZ mit 8,6 Litern an, die Motorengeneration ist aber schon für den neuen, realistischeren Zyklus WLTP optimiert. So erklären wir uns die 8,3 Liter Testverbrauch – kein guter, aber ein vertretbarer Wert, der sich mit viel Zurückhaltung auch unterbieten liesse.

Innen ist der Insignia zwar nicht ganz so elegant wie aussen, aber gut aufgeräumt. Zum mittig platzierten Touchscreen gibt es einen teildigitalen Tacho und optional ein grossformatiges Head-up-Display. Die Smartphone-Integration unterstützt die Standards für Apple und Android. Handys neuerer Generation können zudem induktiv geladen werden.

Und dann ist da Opel One­Star, der Concierge-Service, über den man mit einem echten Menschen verbunden wird und sich zum Beispiel Zieldaten direkt ins Navigationssystem laden lässt oder – das ist in der Schweiz neu – ein Hotelzimmer buchen kann. Opel ist dafür eine Kooperation mit dem Internet-Hotelvermittler Booking.com eingegangen.

Wer die Differenz zu den grossen deutschen Namen in der Mittelklasse sucht, wird im Insignia nicht schnell fündig. Das Bündel an Assistenzsystemen ist praktisch komplett: Totwinkelwarner, Notbremssystem mit Fussgängererkennung, Querverkehrswarner etc. Auch eine simulierte Kameraaufsicht für schwierige Parkmanöver ist bestellbar. Nur autonomes Folgen im Stau und ein virtuelles Cockpit fehlen auf der Optionenliste – es gibt Schlimmeres.

Gutes Raumangebot

Das Raumangebot ist gut, man sitzt vorne wie hinten luftig bis feudal. Die vorderen Sitze haben eine verlängerbare Oberschenkelauflage, stützen seitlich und im Kreuz gut und sind vielfach einstellbar. Im Falle des Testwagens sind sie zudem beheizt und belüftet und massieren einem den Rücken. Wenn das Interieur etwas vermissen lässt, dann eine freudvollere Gesamtanmutung. Der Innenraum ist wohnlich, aber etwas dröge und farblos und die Navigationsgrafik nicht so filigran wie bei der teureren Konkurrenz.

Dass sich Opel mit dem Insignia nach oben orientiert, ist deutlich spürbar. Letztlich auch beim Preis. Zwar gibt es den Grand Sport aktuell ab 27'800 Franken. Unsere Topversion aber steht mit 49'100 Franken in der Preisliste und bringt es, auskonfiguriert, auf über 63'000 Franken – eine Preissphäre, in der sich interessante Alternativen anbieten.

Auch wer nicht ganz so viel ausgibt, bekommt einen ausgereiften, geräumigen und komfortablen Reisewagen, der mit 490 bis 1450 Litern erst noch genügend Platz fürs Familiengepäck hat. Die meisten Schweizer werden freilich dem Insignia Sports Tourer den Vorzug geben. Ihnen entgeht nicht nur die schöne Dachlinie, sondern auch die erwähnte Windschnittigkeit. Der cw-Wert liegt bei niedrigen 0,26. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.10.2017, 12:04 Uhr

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