Die Japaner lassen es krachen

Die neue Generation des Honda Civic Type R ist der schnellste Fronttriebler der Welt. Ein paar Runden auf der Rennstrecke haben uns von seinen Qualitäten überzeugt.

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Type R. Da stellt es fahraffinen Menschen die Härchen auf. Unter diesem Label bringt Honda seit 1992 Sportvarianten auf den Markt, und die Japaner machen dies voller Inbrunst und auf eine konsequente Weise. Seit 1997 gibt es den Kompaktwagen Civic als Type R, und er war immer schon etwas spezieller als seine Mit­bewerber: Hondas Leitsatz «Man maximum, machine minimum» kommt hier voll zum Zuge.

Der Fahrer soll also im Mittelpunkt stehen, nicht irgendwelche Systeme. Guter Vorsatz. Dass Hondas neuer Supersportwagen NSX das pure Gegenteil dieser Philosophie verkörpert, klammern wir elegant aus. Wir wollen den neuen Type R fahren, ihn ungefiltert erleben und daher möglichst alle Hilfssysteme deaktivieren. Und das geht am besten auf einer feinen Rennstrecke wie dem Lausitzring bei Dresden.

(Fast) kein Firlefanz

Zuerst betrachten wir den neuen Civic Type R eingehend und befinden ihn als stimmig gemäss dem Motto «Form follows func­tion»; alle Anbauteile haben einen aerodynamischen Sinn, erklärt uns Chefentwickler Hideki Kakinuma, der Type R entwickelt tatsächlich Abtrieb, als Einziger in seinem Segment. Den Sinn der plumpen Auslass-Andeutungen aus schwarzem Kunststoff konnte uns dann doch keiner erklären – schade, solchen Firlefanz hätte dieses Auto nicht nötig.

Als solchen könnte man auch die drei mittig platzieren End­rohre einstufen, doch die sind nicht nur reine Show: Das kleinere, mittlere Rohr erzeugt einen Unterdruck und sorgt so anstelle einer Klappe für eine Variation des Motorensounds. So viel können wir dazu sagen: Uns gefällt die Abgasanlage optisch nicht, und den Motorensound hätten wir üppiger erwartet.

Doch nun rein ins Auto und los, raus aus der Boxengasse. Wir kennen die Strecke, wir kennen den letzten Type R, wir kennen den aktuellen Honda Civic – da werden wohl keine grossen Überraschungen auf uns zukommen. Während der Aufwärmrunde stellen wir fest: Die Sportsitze sind so, wie sie sein müssen, das Lenkrad und der Schaltknauf ebenfalls, die Sitzposition ist tief, das von Vorgängermodellen bekannte Type-R-Feeling ist in dieser neuesten Auflage intensiver, konzentrierter.

Wir haben einen Honda-Werksfahrer als Köder vor uns, und nach dem schnappen wir, so gut es eben geht. Unser Vorteil: Er sitzt im Vorgängermodell, wir haben also 10 PS mehr, ein noch ausgeklügelteres Fahrwerk und eine bessere Aerodynamik. Daher muss der Vorfahrer alles herausquetschen, um uns hinter sich zu lassen: In den schnellen Kurven kommt er weg, weil er einfach der deutlich bessere Fahrer ist, doch in den engen Kehren hängen wir ihm nah am Heck, weil der neue Type R eine deutlich höhere Kurvengeschwindigkeit zulässt, und auf den langen Geraden könnten wir dank höherem Topspeed und Windschatten sogar fast am Vordermann vorbeiziehen. Als wir nach fünf schnellen Runden in die Boxengasse zurückrollen, haben alle ein dickes Grinsen imGesicht – dieses Auto vermittelt einen unglaublichen Fahrspass.

Unheimlich gut

Was den Civic Type R so speziell macht? Er ist mehr oder weniger kompromisslos auf schnelle Rundenzeiten konstruiert, und dennoch ist er völlig alltagstauglich. Er ist der schnellste Fronttriebler der Welt, zumindest sagt das sein Rundenrekord auf der Nordschleife des Nürburgrings. Keiner in seinem Segment beschleunigt schneller auf Tempo 100 (5,7 Sekunden), keiner erreicht einen höheren Topspeed (275 km/h). Möglich machen das 320 PS und 400 Newtonmeter aus einem hochdrehenden 2-Liter-VTEC-Turbobenziner.

Auf der Rennstrecke erleben wir, dass sich der neue Type R wunderbar einfach fahren lässt, dass er auf der Bremse weniger nervös ist als der Vorgänger, dass die Lenkung, die Schaltung, ja einfach alles fantastisch abgestimmt ist. Trotz der enormen Leistung zerrt nichts an der Lenkung, die Räder haben guten Grip, der Kurvenausgang gelingt mit erstaunlicher Leichtigkeit.

Erstaunlich komfortabel

Freilich unternehmen wir im neuen auch einen Ausflug auf der Strasse. Dort sind wir überrascht, wie deutlich spürbar die unterschiedlichen Setups sind: Im komfortabelsten Modus bügelt der Japaner Schläge und Unebenheiten erstaunlich gut weg, während er im aggressivsten Modus +R messerscharf abgestimmt ist. Der Type R ist genauso alltagstauglich wie die Basisversion.

Nach diesem Tag auf und neben der Rennstrecke sind wir beeindruckt, obschon wir das bereits von den Qualitäten des Vorgängers waren. Mit der neuesten Modellgeneration ist dem Team um Kakinuma-San ein echtes Meisterwerk gelungen. Ob man den Civic Type R mag oder nicht, hängt von subjektiven Faktoren ab. Äusserlich erfordert er einen besonderen Geschmack, doch wer einen echten Kompaktsportler will, wird um den scharfen Japaner nicht herumkommen: Er ist schlicht der beste in seinem Segment. Die Markteinführung beginnt im September zu Preisen ab 37'300 Franken. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.07.2017, 14:25 Uhr

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