Das Tüpfelchen auf dem i

Vier Jahre nach dem Coupé bringt BMW seinen revolutionären Hybridsportwagen i8 auch als 2-sitzigen Roadster. Ist es der Höhepunkt – oder eher der Schlusspunkt?

Fahrgefühl der besonderen Art: Eine Tour mit einem BMW i8 Roadster. Foto: Wilfried Wulff

Fahrgefühl der besonderen Art: Eine Tour mit einem BMW i8 Roadster. Foto: Wilfried Wulff

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Zukunft hat der i8 eigentlich schon hinter sich. Oder besser: Er hat sie für BMW vorweggenommen. Zusammen mit dem City-Stromer i3 begründete der Plug-in-Hybrid-Sportwagen im Sommer 2014 die grüne Submarke i, als man in München noch davon ausging, Elektrofahrzeuge müssten von Grund auf für diese Antriebsform neu konzipiert werden. Mit eigener Fahrzeugarchitektur und in konsequenter Leichtbauweise mit Karbon. «Wenn wir die sprichwört­liche Fahrfreude künftig auch in einem Zero-Emission-BMW garantieren wollen, dann ist das unabdingbar», erklärte Cypselus von Frankenberg als Leiter Technologiekommunikation damals.

Trendwende in München

Vier Jahre ist das erst her, doch in dieser Zeit hat sich die automobile Elektrifizierung ebenso rasant wie eindrucksvoll weiterentwickelt – fast schon einem Quantensprung gleich. Und wenn man in München in der Lancierung des praktisch-kompakten i3 und des sportlich- luxuriösen i8 ursprünglich den Aufbau einer neuen, elektrifizierten Baureihe sah, so spricht heute selbst BMW-i-Chef Robert Irlinger nur mehr von «Technologieträgern». Von zwei Autos, die seiner Meinung nach «für unsere Marke beim Thema visionäre Mobilität nicht nur Trends gesetzt, sondern uns auch einen entscheidenden Schritt weitergebracht haben».

Das ist so. Allerdings zu einem hohen Preis: Rund zwei Milliarden Euro hat BMW in die Entwicklung dieser Technologieträger und den Aufbau eines eigenen Fertigungswerks in Leipzig gesteckt, wo vom i3 bisher über 110'000, vom i8 rund 15'000 Einheiten gefertigt worden sind – 292 der edlen Coupés gingen ­bisher in die Schweiz. Zusätzlich hat BMW für die Herstellung von Karbon 700 Millionen Euro in ein Werk in den USA investiert.

Künftig ab Stammwerk

Mit den teuren, geklebten Karbonkarossen wird künftig aber wohl Schluss sein, mit eigenständiger Produktion ebenfalls, auch wenn man sich bei BMW da noch bedeckt hält. Klar aber ist: In Grossserie gefertigt werden neue Elek­tromodelle wie zunächst der ix3 (auf Basis des kompakten x3), der i4 (wohl als 4er-Coupé) oder der bereits für 2019 angekündigte Elektro-Mini in ihren jeweiligen Stammwerken. Mit Bezug auf den i4 hat Produktionsvorstand Oliver Zipse gegenüber dem deutschen «Handelsblatt» unlängst erklärt: «Das Auto wird vom gleichen Band laufen wie der 3er und der 3er Touring.»

Wie sich unter dieser Prämisse der i3 und der i8 weiterentwickeln werden, bleibt offen. Dem i3 gönnten die Münchner nach knapp vier Jahren Laufzeit zu­mindest ein Facelift. Gerade viel in­vestiert haben sie dabei aber nicht. Warum auch? Eine zweite Generation des bay­rischen Trendsetters, der in­klusive Range Extender aktuell mit 46'900 Franken in der Preisliste steht, dürfte es in der bisherigen Form wohl kaum mehr geben.

Da sieht die Sache beim i8 doch etwas anders aus. Erstens bewegt er sich von jeher in einem Segment, das aus Sicht der anvisierten Kundschaft die aufwendige Produktion ebenso rechtfertigt wie die exklusive Fertigung in Kleinstserie: Das Coupé gibt es ab 159'900 Franken, der Roadster kostet mindestens 177'900 Franken. Dazu kommt, dass die offene Version vor allem in den USA, dem Hautabsatzgebiet des Super-Hybriden, höhere Absatzzahlen verspricht.

Flügeltüren sind geblieben

Und die Entwickler um Robert Irlinger haben sich beim neuen Roadster einiges einfallen lassen, obwohl es am Konzept grundsätzlich nichts zu verändern gab. Den Anspruch, mit dem i8 lokal emissionsfreie Mobilität (elektronische Reichweite laut Werk 51 Kilometer) mit höchster Performance zu garantieren, haben die Bayern ja bereits erfüllt. Doch weil es ihr Ehrgeiz war, die spektaku­lären Flügeltüren des Coupés beim Aufbau des Roadsters nicht stutzen zu müssen, wurde deren Konstruktion zur besonderen Herausforderung.

Und die Münchner haben sie angenommen. Weil die Türen nicht wie ­üblich an der Dachsäule angeschlagen werden konnten, wurden sie an der ­A-Säule befestigt – eine mutige Kon­struktion. Eine Premiere ist auch, dass das Sofftop, das sich bis Tempo 50 in 15 Sekunden öffnen oder schliessen lässt, im Heck vertikal verstaut wird, und zwar dreifach gefaltet. Das schafft hinter den beiden Sitzen rund 100 Liter zusätzliches Stauvolumen und ist sozusagen das letzte Tüpfelchen auf dem i des neuen Roadsters. Beim 2+2-Sitzer-Coupé bleibt es beim Minikofferraum von 88 Litern.

Peter Hegetschweiler fuhr den i8 Roadster auf Einladung von BMW Schweiz im April in Spanien. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.05.2018, 17:34 Uhr

Artikel zum Thema

Englische Angriffslust

Aston Martins neuer Vantage ist ein auf Rennwagen getrimmter DB 11. Das Ziel, dem Konkurrenten Porsche 911er-Kunden abzujagen, wird trotzdem nicht einfach zu erreichen sein. Mehr...

BMW i8 Roadster

Frischluft-Fahrspass pur

Modell: Zweisitziger Roadster.

Masse: Länge 4689 mm, Breite 1942 mm, Höhe 1291 mm, Radstand 2800 mm.

Kofferraum: 88 Liter plus 100 Liter im Fond.

Motor:
3-Zylinder-Twin-Power-Turbo mit 179 kW (231 PS). Elektromotor mit 105 kW (143 PS). Maximale Systemleistung 275 kW (374 PS).

Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 4,6 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit 250 km/h.

Verbrauch: 2,0 Liter auf 100 Kilometer (Werksangabe).

CO2-Ausstoss: 46 Gramm pro Kilometer.

Markteinführung: Mai.

Preis: 177'900 Franken.

Infos: www.bmw.ch


Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitag um 16 Uhr Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Prinzessin auf der Rose: Während des jährlichen Seerosenfestes in Taipeh posiert ein Mädchen auf einem der gigantischen Exemplare für ein Foto. (16.August 2018)
(Bild: Tyrone Siu) Mehr...