Audis Nonplusultra

Die Quattro GmbH in Neckarsulm trimmt das Audi-Flaggschiff A8 auf Höchstleistung. Zum RS 8mutiert die Oberklasse-Limousine aber nicht – als S8 plus bietet sie sogar mehr.

Verbindet den Komfort einer Luxuslimousine mit dem Charakter eines Sportautos: Der neue Audi S8 plus mit 605 PS. Foto: Audi

Verbindet den Komfort einer Luxuslimousine mit dem Charakter eines Sportautos: Der neue Audi S8 plus mit 605 PS. Foto: Audi

Nein, da bleibt Stephan Reil konsequent: Dem Flaggschiff von Audi, dem A8, gesteht der Chefentwickler der Quattro GmbH den Status RS auch weiterhin nicht zu. Dabei spricht das Datenblatt der neusten S-Version eigentlich Bände: 605 PS stark, 305 km/h schnell und mit einer Beschleunigung von 0 auf Tempo 100 in 3,8 Sekunden fast mit einem Porsche 911 Turbo vergleichbar. Mehr noch: Im direkten Vergleich der supersportlichen Oberklasse-Limousinen lässt der S8 die bisherige Nummer 1 hinter sich. Der S 63 aus der Mercedes-Edelschmiede AMG, dem Pendant zur Quattro GmbH, bringt es mit seinem ebenfalls aufgeladenen Achtzylinder nur auf 585 PS.

Dass sich der neue S8 trotzdem mit dem Zusatz «plus» bescheiden muss und nicht zum RS 8 wird, muss demnach mit etwas anderem als mit purer Leistung zu tun haben – und tut es auch. Für Reil, den Chefentwickler in Neckarsulm, wo RS-Modelle seit 1994 exklusiv gefertigt werden, ist klar: «Der A8 hat in seiner Klasse nicht ausschliesslich die fahrdynamischen Wunschträume seiner Kunden zu erfüllen, er soll auch gediegenen Fahrkomfort in luxuriösem Ambiente bieten können – von mir aus gerne bis Tempo 300.» Oder anders gesagt: Wenn Angela Merkel zur Abwechslung statt mit einem S-Klasse-Mercedes oder einem 7er-BMW mit dem entsprechenden Luxusmodell von Audi vor dem Kanzleramt vorfahren will, dann sollte sie es auch im neuen S8 plus tun können. Ohne dabei aus dem (gehobenen) Rahmen zu fallen.

Ohne RS-Attribute

Klar: Gerade dezent fällt der Auftritt der 5,15 langen Luxuslimousine nicht aus – so weit sind sie bei der Quattro GmbH dann doch nicht gegangen. Aber die Entwickler um Reil haben bewusst auf typische RS-Attribute wie grossflächige Lufteinlässe vorn, extrem verbreiterte Seitenschweller und auch auf den üppigen Heckdiffusor verzichtet. Zudem auf eine Tieferlegung um weitere 20 Millimeter. Nur die Spoilerlippe auf der Heckklappe ist geblieben. Sie ist laut Reil «schlicht unverzichtbar, weil wir sonst bei hohem Tempo nicht genügend Abtrieb generieren können». Immerhin ist besagte Spoilerlippe auf Wunsch statt in Carbon auch in der Wagenfarbe zu haben – so wie andere Anbauteile auch.

Audi-typisch: Das luxuriöse Cockpit des neuen Audi-Flaggschiffs. Bild: Audi

Reil ist überzeugt, damit gerade dem Wunsch vieler Schweizer Kunden nachzukommen, die sich High Performance zwar wünschen, diese aber nicht allzu offensichtlich zur Schau stellen wollen. Und sie sind wichtig für die Quattro GmbH, diese Schweizer Kunden. Während die exklusiv in Neckarsulm gefertigten Modelle im weltweiten Durchschnitt 3 bis 4 Prozent am Gesamtvolumen der jeweiligen Audi-Baureihe ausmachen, liegt es hierzulande weit höher. Wie Katja Cramer von Importeur Amag weiss, lag der Anteil von Januar bis September beim RS 4 und RS 7 bei je 7 Prozent, beim RS 6 bei 21 Prozent und beim RS 5 fast bei 30 Prozent. Und Reil erinnert sich: «Als wir die erste Generation des RS 3 auflegten, gingen von 5200 produzierten Autos 900 in die Schweiz.»

Dezente Sportlichkeit im Detail. Bild: Audi

Solche Stückzahlen werden mit dem auf Hochleistung getrimmten Flaggschiff natürlich nicht zu erreichen sein. Was aber kaum am fehlenden «R» liegen dürfte. Denn eigentlich ist der S8 plus im wörtlichsten Sinn das Nonplusultra, was die Quattro GmbH bieten kann: ein Auto, das die Ansprüche an eine Luxuslimousine gleichermassen erfüllt wie an ein High-Performance-Fahrzeug à la RS 6 oder RS 7.

Dezente Sportlichkeit im Detail. Bild: Audi

Gleicher Motor wie im RS

Zweifel? Unbegründet! Im S8 plus setzt Reil auf den gleichen Motor und den gleichen Antriebsstrang, mit dem er jetzt auch den RS 6 Avant und den RS 7 Sportback noch dynamischer macht; gleichzeitig stuft er beide zu Performance- Modellen hoch – so die neue Bezeichnung. Der 4,0 TFSI leistet 605 PS bei einem maximalen Drehmoment von 700 Newtonmeter, das sich per Overboost kurzfristig sogar auf 750 Newtonmeter steigern lässt. Somit sind alle Versionen über 300 km/h schnell.

Peter Hegetschweiler fuhr den neuen Audi S8 plus auf Einladung des Schweizer Importeurs Amag in Deutschland.

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