Weichkäse mit Frische-Effekt

Der neue Citroën C3 reiht sich mit seinem bunten, aufsässigen Style ganz vorne bei den frechsten Klein­wagen ein. Unerreicht ist auch die Federung des witzigen Franzosen.

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Es sieht aus, als hätten die Citroën-Designer alle ihre Ideen der letzten Jahre in ein einziges Fahrzeug gepackt: den neuen C3. Die Front, Kugelfisch mit Schlitzaugen, hat er vom C4 Picasso, die (optionalen) Airbumps, diese modischen Türschoner, vom Cactus. Und die bäckchenartigen Nebelleuchten im Stile japanischer Zeichentrickfiguren vom C1.

Eine solche Kombinationswut hätte auch gründlich in die Hosen gehen können. Das ist sie aber nicht. Der knapp unter vier Meter lange C3 sieht frisch und frech aus wie kaum ein anderer aktueller Kleinwagen. Mit seinem kunterbunten, mannigfach variierbaren Styling (3 Dach- und 9 Body-Farben, 36 Kombinationen) kann man ihn selbst zwischen zweiMini abstellen, und er fällt noch auf. Das «schwebende», durch schwarze Säulen abgesetzte Dach hat er ohnehin mit dem britischen Konkurrenten gemein.

Flucht nach vorn

Erfrischend ist nicht nur die Optik, sondern auch die Offenheit, mit der die Franzosen die dritte Generation ihres seit 2002 rund 3,5 Millionen Mal verkauften Kleinwagens vermarkten. Nehmen wir die Verbräuche: Auf dem Datenblatt, das sich am aktuellen Normzyklus (NEFZ) orientiert, weisen die beiden stärkeren Dreizylinderbenziner mit 82 und 110 PS Verbräuche von 4,7 und 4,6 Litern aus. Der Dreizylinderdiesel mit 75 PS gar nur 3,9.

Statt diese theoretischen Werte zu verklären, reicht Citroën an der Weltpremiere in Barcelona die tatsächlichen Verbräuche nach, erhoben von einem unabhängigen Institut. Demnach langt der mittlere Benziner mit 6,0, der grössere mit Automatik mit 6,8 und der erwähnte Diesel mit 4,9 Litern zu. Statt abzuwarten, bis ein neuer Normzyklus die Hersteller zu mehr Ehrlichkeit verpflichtet, ergreift Citroën die Flucht nach vorn.

Einen Mangel an Ideen kann man den Franzosen wahrlich nicht anlasten. Auch technisch nicht. So gibt es im C3 nebst Assistenten – für den toten Winkel, das Anfahren am Berg, die Verkehrszeichenerkennung oder das Einhalten des Tempolimits – auch etwas, das so kein anderes Auto hat. Eine Kamera, die mit dem Fahrer auf die Strasse blickt. Wer will, drückt einen Knopf im Rückspiegel und macht so ein Foto oder ein Video vom Windschutzscheibenpanorama, das via App direkt der Partnerin zugestellt wird oder auf der Facebook-Seite landet. Es geht darum, einmalige Erlebnisse im Auto zu teilen.

Doch Citroën wäre nicht Citroën, würde diese schöne Idee nicht ironisch gebrochen. Im neuen Werbespot zum Feature rennt einem C3 eine Herde Golden Retriever vor der Windschutzscheibe durch. Getrieben von einem einzelnen Schaf. Erst als dieses allein auf der Strasse steht, drückt der ungläubige Fahrer den Knopf.

Bei allem Witz hat die neue Funktion auch einen ernsten Zusatznutzen. Weil die Kamera immer aufzeichnet, speichert sie bei einem Unfall die letzten Bilder als Video und trägt damit zur Aufklärung bei – allenfalls auch zum Nachteil des Fahrers.

Verpackt sind diese Spielereien in ein hübsches Interieur mit Wohnzimmercharakter. Bequeme Sitze, Farbapplikationen, einladende Stoffe, genügend Stauraum, ein modernes Multimediasystem – im C3 fühlt man sich spontan wohl. Die Praktikabilität ist indes nicht über alle Zweifel erhaben.

Die Sitzposition ist so hoch, dass Fahrer mit über 1,8 Meter Gardemass vorne gegen die Decke stossen. Und hinten ist der Kopfraum erst recht eng. Die Halteschlaufen an den Türen sehen originell aus, bieten aber weniger Halt als konventionelle Griffe. Und das frech gestaltete Heck bringt eine hohe Ladekante mit sich – ein Nachteil, den allerdings auch vieler Mitbewerber haben.

Butterweich

Von der Fahrcharakteristik her ist der C3 für Stadt und Autobahn entworfen. Die Federung ist butterweich, nicht einmal Querfugen schlagen durch. Der Franzose schaukelt alles weg. Auf Slalompisten kann man aber seekrank werden. Die schönen Kurven im Hinterland von Barcelona, wo wir unsere ersten Testkilometer abspulen, sind jedenfalls nicht das ideale Terrain. Das Lenkgefühl ist indirekt und vor Kurven nimmt sich der C3 eine halbe Sekunde, bevor er eindreht. Dabei wäre gerade der 110 PS starke Dreizylinderbenziner durchaus für eine flottere Gangart zu haben.

Unter dem Strich gefällt uns die federnde manuelle Fünfgangschaltung besser als der gemütliche Sechsstufenautomat. Störend ist einzig, dass der Rückwärtsgang nicht gesperrt wurde. Wer von einem Sechsganghandschalter in den C3 steigt, muss aufpassen.

Wer über solche Kleinigkeiten hinwegsieht, findet im C3 ein Auto, das sich erfrischend von der Masse abhebt. Der kleine Citroën steht seit November in den Showräumen. Den Einstiegsbenziner mit 68 PS gibt es zu Preisen ab 13'590 Franken. Die in der Schweiz gefragteren Versionen mit 82 und 110 PS ab 16'690 und 18'340 Franken. Der Top-Diesel wird in der höchsten Ausstattungslinie ab 22'640 Franken angeboten. Kleiner Tipp zum Schluss: Wer bis Dezember bestellt, kann davon eine 1500-Franken-Prämie abziehen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.12.2016, 15:34 Uhr

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