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Rohkost für jeden Tag

Klein, praktisch, einfach und günstig – der neue Suzuki Celerio deckt den täglichen Bedarf an Auto. Doch er hinterlässt auch einen etwas bitteren Geschmack.

Sicher, in der Geschichte des Automobils hat es schon problematischere Modellnamen gegeben. Solche, die in manchen Sprachen übersetzt – nun ja, man dürfte es in einer seriösen Zeitung sowieso nicht ausformulieren. Und zugegeben, nur ein Bruchteil der Weltbevölkerung versteht die Weltsprache Esperanto. Doch in ebendieser bedeutet Celerio Sellerie. Nicht Trüffel, nicht Kaviar, nicht Himbeere. Nein, schlicht und einfach Sellerie, und das wirft natürlich Fragen auf. Warum wurde das neuste Suzuki-Modell nach einer essbaren Pflanze benannt? Wie viel Sellerie steckt in dem Auto? Hat man damit den Salat? Kann man es auch mögen, wenn man die faserigen Stängel und zähen Knollen auf Verderb nicht ausstehen kann? Und so wird die Reise nach Portugal – einem Land übrigens, indem der Sellerie keine bedeutende Rolle spielt – zur Suche nach Antworten.

Schlicht, aber praktisch

Die erste findet sich beim Betrachten des Designs. Normalerweise sehen sie ja zum Reinbeissen aus, die Vertreter des Kleinstwagensegments – als hätten sich Maîtres Chocolatiers um den süssen Blech-Überzug gekümmert. Dagegen ist der Celerio sozusagen ein Naturprodukt aus vier Rädern, Stahlkarosserie, Front- und Heckleuchten: einfach, roh, aber gesund für die Finanzen. Frisch vom Markt ist der in Thailand produzierte 5-Türer ab 10'990 Franken erhältlich.

Dafür gibt es allerdings auch ein fades Interieur. Die Kunststoffe sind hart, die Armaturen schmucklos, die Displays rustikal. Fröhliche Farben? Smartphone- Integration? Schiebedach? Fehlanzeige. Blau-graue Tupfen in der Türverkleidung sind alles, was an Würze geboten wird. Doch so schnell sich das Auge daran sattgesehen hat, so spät setzt das Völlegefühl beim Beladen ein: 254 bis 1053 Ladeliter sind weit mehr als man von einem 3,6-Meter-Winzling erwarten kann, und wer nicht allzu wohlgenährt ist, fühlt sich sogar auf der Rückbank wohl.

Mehr Auto braucht es nicht

Unter der Haube steckt sozusagen Grünzeugs: ein 3-Zylinder, der im Schnitt mit 3,6 Litern auskommt und die 5er-Marke auch in der Praxis kaum überschreitet. Natürlich wirken 68 PS und 93 Newtonmeter keine Wunder, doch genau wie Sellerie lässt sich der Celerio als Blutdruck senkendes Mittel einsetzen. Das 1-Liter-Motörchen ist überraschend leise und mit dem 845-Kilo-Wagen keineswegs überfordert. Man kommt gut voran, das Fahrwerk federt einigermassen geschmeidig ab, in dem 5-Gang-Getriebe rührt es sich ähnlich leicht wie in einer sämigen Gemüsesuppe. Mehr Auto braucht es nicht – mit dem Celerio hat man eigentlich schon gegessen. Insofern erscheinen die Absatzerwartungen in der Schweiz gerechtfertigt: Bis Ende 2015 soll der Celerio auf 600 Käufer kommen. Darunter ältere Semester, denen Praktisches näherliegt als Poppiges. Familien, die einen Zweitwagen als Beilage wünschen. Singles, die sich das Auto vom Mund absparen müssen. Solche auch, die bislang einen Suzuki Splash oder Alto fuhren, denn diese Modelle werden somit ersetzt.

Mit Vorsicht zu geniessen

Den Sellerie-typisch bitteren Nachgeschmack gibt es allerdings auch beim Suzuki Celerio. Denn zur Auswahl steht kein stärkerer, etwa turbogeladener Motor, sondern lediglich ein automatisiertes Schaltgetriebe. Dieses ist allerdings an eine ältere Version des 3-Zylinders ohne 2-Ventil-Technik gekoppelt – mit entsprechend höherem Verbrauch. Die Basisausrüstung ist zudem mager. Elektrische Fensterheber, ein höhenverstellbarer Fahrersitz und geteilt umklappbare Rücksitze gibt es erst ab der zweiten Ausstattungsklasse ab 12'990 Franken.

Und dann wäre da noch die Sache mit den drei Sternen: Im Guide Michelin sind sie spitze, beim Euro-NCAP-Crashtest selbst für einen Kleinstwagen zu wenig. Bemängelt wurde nämlich nicht nur der Verzicht auf Assistenzsysteme wie ein Notbremsassistent, sondern trotz sechs serienmässiger Airbags auch der Fondinsassenschutz. Von einer ungesunden Wahl zu sprechen, wäre bei drei Sternen gewiss übertrieben, doch wie das allergene Gemüse ist wohl auch der Celerio mit Vorsicht zu geniessen. Bleibt also festzustellen, dass der Name passt – wenngleich Suzuki damit eigentlich eine Wortschöpfung aus dem Spanischen «Cielo» für Himmel und «Rio» für Fluss im Sinn hatte.

Nina Vetterli fuhr den Celerio am 10./11. Dezember auf Einladung der Suzuki Automobile Schweiz AG in Portugal.

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