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Mit dem Elektro-Smart von Islington nach Soho

100 Elektro-Smarts sind seit Anfang 2007 in der City von London unterwegs, und die Benutzer sind begeistert. Der «Tages-Anzeiger» fuhr den ed in der britischen Metropole.

London steht unter Hochspannung. Denn nirgends in Europa werden mehr Elektro- und Hybridfahrzeuge verkauft als in der Themse-Metropole. Denn seit die britische Hauptstadt 2003 die sogenannte Congestion Charge eingeführt hat und von jedem Autofahrer mit einem konventionellen Benzin- oder Dieselmotor acht Pfund (rund 16 Franken) kassiert, wenn er werktags ins Stadtzentrum möchte, stehen alternative Antriebe bei den Briten hoch im Kurs. Der Star zwischen Buckingham Palace und Picadilly Circus ist der Smart ed (electric drive), den Daimler für einen Flottenversuch in einer limitierten Auflage von 100 Exemplaren zum Stromer umrüsten liess.

Fahrspass dank Elektromotor

Zwar basiert der Smart ed noch auf der ersten Modellgeneration, doch sind die Kunden begeistert: Denn obwohl der Elektro-Smart nur 41 PS hat, kann er vieles besser als der alte Benziner. Weil bei Stromern das maximale Drehmoment quasi am Start zur Verfügung steht, beschleunigt der Zweisitzer zumindest im Stadtverkehr vehement: In 5,7 Sekunden auf Tempo 60 – das macht richtig Spass. Und weil das Originalgetriebe einfach im zweiten Gang blockiert wurde, entfällt im Stromer auch das nervtötende Rucken bei den Schaltvorgängen, mit dem die erste Smart-Generation geärgert hat.

Dass der Zweisitzer mit der Steckdose hinter der Tankklappe auf 112 km/h limitiert wurde, stört in der Stadt keinen. Ausserhalb der City könnte das vielleicht zum Problem werden. Aber dort fährt mit dem Stromer ohnehin keiner hin. «Für Überlandfahrten und die Autobahn ist dieses Auto nicht gedacht», erklärte Entwicklungschef Tilo Schweers mit einem Blick auf die 100 Kilo schwere Batterie im Wagenboden. Auf der Autobahn wäre sie nach 60 Kilometern leer. Doch im Stadtbetrieb reicht ihr Strom immerhin für mehr als 100 Kilometer. Erst dann muss der Smart an die Steckdose: Die ersten 80 Prozent des Akkus sind nach 3,5 Stunden geladen, für den Rest braucht der Wagen weitere vier Stunden.

Daran scheitert das Konzept nicht. Zwar geht kaum jemand so lange Essen oder Einkaufen. «Doch muss in London auch niemand weiterfahren», sagt Chris Rutherford, der zu den ersten Besitzern zählt. Der Flottenmanager der Gemeindeverwaltung des Stadtteils Islington ist immer mit seinem Smart ed unterwegs und musste erst einmal nachtanken. «Normalerweise reicht es, wenn ich ihn abends an die Steckdose hänge.» Danach muss er nicht weit suchen: Vor seinem Büro gibt es einen Parkplatz für Elektro-Autos, an dem er kostenlos tanken kann.

So smart der ed auch ist, völlig sauber fährt er nicht. Denn auch sein Strom muss irgendwie hergestellt werden. Und nicht jeder hat wie Mercedes in London ein Windkraftwerk im Hof. «Auch wenn wir den Wagen mit dem ganz normalen Strom-Mix betanken, sparen wir CO2 ein», sagt Schweers. Und vor Ort gibt es weder Emissionen noch Lärm.

Volltanken kostet zwei Euro

Dennoch hat die Sache einen Haken: den Preis. Zwar ist die Umrüstung kostenbewusst erfolgt, doch würde sich den Strom-Smart unter normalen Umständen kein Kunde leisten wollen. «In London ist das anders», sagt Projektleiter Tom Morrison-Johnes. Obwohl die Leasingrate fast viermal so hoch ist wie für einen normalen Smart, geht die Rechnung für die Kunden auf. «Denn sie sparen nicht nur acht Pfund Congestion Charge pro Tag», sagt der Mercedes-Manager. «Sondern in vielen Stadtvierteln sind Elektroautos auch von den Parkgebühren befreit. Bei vier Pfund pro Stunde ist das ein sehr wichtiges Argument.» Zudem haben Elektro-Autos zwar hohe Anschaffungs-, aber dafür geringe Betriebskosten: «Volltanken kostet nur zwei Euro», rechnet ein Entwickler vor: Selbst wenn man mit einer Tankfüllung nicht wie beim Diesel 1000 sondern nur gut 100 Kilometer schafft, sinkt der Kilometerpreis mit dem Smart ed so auf unschlagbare zwei Cent.

Davon sollen in den nächsten Monaten auch Kunden in Berlin profitieren: Im Rahmen des Projekts e-mobility Berlin stellt Daimler mehr als 100 Elektro-Autos der Marken Smart (neue Generation mit Lithium-Ionen-Batterie) und Mercedes zur Verfügung. Daimler-Chef Dieter Zetsche: «Wir haben das Automobil erfunden, jetzt erfinden wir es neu.»

Und wenn alles klappt, läuft der smarte Stromer ab 2012 serienmässig vom Band.

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