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Der Yugo ist tot

Er war das billige Fortbewegungsmittel für die Massen im sozialistischen Jugoslawien. Nun lief der letzte «Yugo» vom Band.

Trauriges Ende einer jugoslawischen Auto-Ikone: Der Yugo ist Geschichte.
Trauriges Ende einer jugoslawischen Auto-Ikone: Der Yugo ist Geschichte.
Keystone
In der Zastava-Fabrik in der serbischen Industriestadt Kragujevac stehen die Bänder still.
In der Zastava-Fabrik in der serbischen Industriestadt Kragujevac stehen die Bänder still.
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Noch ist im Zastava-Werk in Kragujevac allerdings nicht aller Tage Abend: Fiat hat die Fabrik übernommen und baut künftig Kleinwagen vom Typ Punto.
Noch ist im Zastava-Werk in Kragujevac allerdings nicht aller Tage Abend: Fiat hat die Fabrik übernommen und baut künftig Kleinwagen vom Typ Punto.
Keystone
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Die Ära der kommunistischen Ingenieurskunst in der Autobranche neigt sich 19 Jahre nach dem Fall der Mauer endgültig dem Ende zu. Wochen, nachdem in Russland die letzte Wolga-Limousine vom Band lief, wurde auch der letzte Yugo produziert.

Seit 1953 wurden bei der Zastava-Fabrik im zentralserbischen Kragujevac über vier Millionen Fahrzeuge hergestellt. Seit 27 Jahren stellt der Typ Yugo 45 das Rückgrat der Marke dar. Basierend auf dem Fiat 127 bot das Auto 45 PS und vier enge Sitze. Generationen von Bürgern von Titos Vielvölkerstaat und dessen Nachfolgerepubliken wurden mit dem «jugoslawischen Volkswagens» motorisiert. Mancher sagt, mit dem Wagen sei es wie mit der ersten Liebe – man vergesse sie nie.

Kultstatus in den USA

Dabei erfreute sich der Yugo nicht nur im Balkan grosser Popularität. Während der achtziger Jahre, als in Jugoslawien die Inflation galoppierte und das Land dringend auf Devisen angewiesen war, verkaufte man den Yugo sogar in den Vereinigten Staaten. Händler von grossen Autos brachten oft auch den Kleinstwagen an den Mann bzw. deren Ehefrauen – als Zugabe beim Kauf eines teuren Modells. Bei einem Listenpreis von 3990 Dollar war der Yugo der billigste Neuwagen auf dem Markt.

Respektiert wurde der Yugo im Land der langen Ami-Schlitten und grosshubigen Trucks allerdings nie. Die «New York Times» kürte das Modell 1985 zum schlechtesten Auto des Landes; und in Hollywood-Filmen fiel ihm der Part des stets kaputten, unzuverlässigen Autos zu. In «Die Hard with a Vengeance» etwa machten sich Bruce Willis und Samuel L. Jackson im viel zu kleinen Auto zum Gespött.

Lang ist dafür die Liste der Witze, wie dem vom Mann, der in der Garage einen Benzindeckel für seinen Yugo will – «sounds like a fair deal», antwortet der Mechaniker. Oder: «Wie nennt man einen Yugo auf einem Hügel - ein Wunder!»

Noch nicht endgültig tot

Auch wenn die Arbeiter in Kragujevac vorerst nach Hause gegangen sind und das letzte Exemplar der Versteigerung harrt (Gebote von über 50'000 Euro werden kolportiert), scheint die serbische Automobiltradition noch nicht ganz am Ende zu sein.

Unmittelbar nach der Wahl einer pro-europäischen Regierung in Serbien hat der Fiat-Konzern die Kaufverträge für das Werk in Kragujevac unterzeichnet. Der Fiat Punto soll künftig in der modernisierten Zastava-Fabrik produziert werden. Und: Es gibt Pläne, in Algerien oder dem Kongo Autos auf der Basis der kostengünstigen Zastava-Modelle zu bauen. Auf, dass dank Zastavas Auslaufmodell nach Titos Massen auch die Afrikaner auf ein Vierrad umsteigen können.

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