Der Reichweiten-Champion

Der Opel Ampera-e soll die Elektromobilität auf ein neues Level heben – zumindest im Klein- und Kompaktwagen­bereich. Die erste Kontakt­nahme ging allerdings fast im Schneesturm unter.

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An den Pressevorstellungen von neuen Automodellen schicken uns die Hersteller an allerlei Orte; zu McDonald’s allerdings bisher noch nie. Wieso wir im garstigen Schneetreiben von einem gelben M zum nächsten geschickt wurden und was das alles mit Nachhaltigkeit zu tun hat, bedarf einer Erklärung. Doch zuerst eine kurze Rückblende.

2012 lancierte die Marke mit dem Blitz den Ampera, ein Elektrofahrzeug mit Range Extender, also einem eingebauten Verbrennungsmotor als Reichweiten­verlängerer. Der Ampera basierte auf dem Chevrolet Volt und war durchaus ein spannendes Fahrzeug, das wir aber nicht dringend zum Kauf empfohlen haben.

Nun also folgt der neue Ampera, dem ein «-e» hinten angehängt wurde, das verdeutlichen soll: Dies ist ein reines Elektromobil, einen Reichweitenverlängerer braucht der nicht. Oder dann eben in Form eines Fast-Food-Restaurants, doch dazu später mehr. Der Elektro-Opel basiert wiederum auf einem GM-Produkt, dem Chevrolet Bolt. Dass die Rüsselsheimer dieses Modell nach dem Verkauf an den französischen PSA-Konzern noch ins Modellprogramm aufnehmen dürfen, ist sicherlich ein glücklicher Umstand.

Alles drin, was man braucht

Der Ampera-e bietet alles, was ein Kompaktwagen für den Alltag braucht: fünf Türen, bequem Platz für fünf Erwachsene, einen grossen Kofferraum (381 bis 1274 Liter), eine gute Sicherheitsausstattung mit zahlreichen Assistenten, viele Komfortfeatures und ansprechende Fahrleistungen. Was die noch spärliche Konkurrenz dabei ins Grübeln bringen dürfte: Der Elektro-Opel leistet 150 kW, generiert 360 Newtonmeter und weist eine NEFZ-Reichweite von 520 Kilometern aus. Letzteres ist Makulatur, freilich, doch gemäss dem etwas realistischeren WLTP-Prüfverfahren sind es 380 Kilometer, bei unserer ersten Testfahrt zeigte die Anzeige 296 Kilometer an. Weiter kommt in seinem Segment keiner.

In einem eher flachen Land wie Norwegen, wo die Fahrveranstaltung stattfand, ergibt das einen erstaunlich grossen Aktionsradius. Und wenn man unterwegs doch einmal «Moscht» – pardon: «Pfuus» – braucht, gibt es da ja immer noch die Restaurants mit dem gelben M: Dort nämlich sind in Norwegen immer Ladestationen zu finden, wo mit einer Schnellladung die Ampera-Batterie in 30 Minuten für weitere 150 Kilometer aufgeladen werden kann. Die Lithium-Ionen-Batterie mit 288 Zellen hat eine Kapazität von 60 Kilowattstunden und ist flach im Fahrzeugboden integriert; das sorgt für grosszügige Platzverhältnisse im Innenraum und senkt ausserdem den Schwerpunkt des Fahrzeugs.

Doch nicht nur bei McDonald’s, sondern fast an jeder Ecke, so scheint es, sind in Norwegen Ladestationen anzutreffen, und das ist nun einmal elementar für die Verbreitung von Elektrofahrzeugen. Kein Wunder, gefühlt jedes dritte Auto in Oslo ist elektrisch unterwegs, und so falsch ist der Eindruck nicht: Derzeit sind in Norwegen 35 Prozent der verkauften Neuwagen elektrisch angetrieben – der grosszügigen staatlichen Förderung sei Dank.

Hierzulande, wo die Elektroautos bei einem Marktanteil von 1 Prozent herumdümpeln, ist die Ladeinfrastruktur noch nicht so breit aufgestellt. Mit der Reichweite des Ampera-e wird man aber jederzeit eine Ladestation finden – dass die immer auf dem direkten Weg liegt, ist allerdings nicht gewährleistet.

Es braucht staatliche Anreize

Zurück nach Norwegen, wo wir wegen Schneesturm, Flugverspätungen und Sommerreifen an den Testfahrzeugen leider nur wenige Fahreindrücke sammeln konnten und daher eigentlich gar keine Ladestation gebraucht hätten. Was wir sagen können: Der Ampera-e fährt sich angenehm, ist dank Elektropower ungemein beschleunigungsstark und bietet für eine Aussenlänge von 4,16 Metern erstaunlich viel Platz im Innern. Nicht anfreunden konnten wir uns mit dem Umstand, dass das Infotainmentsystem ausschliesslich via Handy (Google Auto und Apple Carplay) funktioniert; daran muss man sich wohl oder übel gewöhnen.

Der Preis ab 41 900 Franken schliesslich macht den Opel Ampera-e zu einem äusserst interessanten Player im noch kleinen Stromermarkt; bestellbar ist er ab Mai, auf den Markt kommt er im Herbst. Ob er die Schweizer Verkaufszahlen massgeblich nach oben zu treiben vermag, bezweifeln wir allerdings; hierzu bräuchte es staatliche Anreize.

Norwegen zeigt, wie es funktionieren kann: Dort sollen bis 2025 nur noch Neuwagen mit emissionsfreiem Antrieb verkauft werden dürfen. Die Restaurants mit dem gelben M wird das sicherlich freuen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.07.2017, 16:28 Uhr

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