Mit dem Astra zurück aufs Treppchen

Mit der elften Generation des Astra will Opel im Herbst wieder Anschluss an den Bestseller VW Golf finden.

Tarnfahrt: Details zur Technik des neuen Astra gibt Opel schon jetzt preis, aber nicht das Design. Foto: Opel

Tarnfahrt: Details zur Technik des neuen Astra gibt Opel schon jetzt preis, aber nicht das Design. Foto: Opel

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Einst war es ein packendes Duell zwischen den beiden Kompaktwagen von Volkswagen und Opel: In den 70er- und 80er-Jahren hiessen die Gegner VW Golf und Opel Kadett, seit 1991 muss sich der Golf mit dem Astra messen – doch das Resultat ist fast immer das gleiche: VW gewinnt. So verkaufte VW in der Schweiz im vergangenen Jahr 14'366 Golf, Opel kam in der selben Zeitspanne mit allen verfügbaren Modellen auf 13'384 Verkäufe, davon 2291 Astra. Doch damit will man sich bei Opel nicht mehr abfinden. Wenn die Rüsselsheimer auf der IAA im September die elfte Generation des Astra enthüllen, geben sie sich deshalb betont kämpferisch und wollen wieder einen Platz auf dem Treppchen erobern.

Dafür haben sie anders als zuletzt beim Generationenwechsel des Corsa kaum ein Blech unberührt gelassen. Denn die noch stark getarnten Prototypen stehen alle auf einer komplett neuen Plattform, die ähnliche Vorteile bieten soll wie der modulare Querbaukasten der Konkurrenz aus Wolfsburg: mehr Platz und weniger Pfunde. So wird der neue Astra zwar ein paar Zentimeter kürzer und schrumpft als Fünftürer auf 4,37 Meter, doch weil die Achsen weiter auseinanderrücken und ergonomischere Sitze eingebaut wurden, wächst er im Innenraum spürbar: Nicht nur vorne, sondern auch hinten kann man jetzt auch als Erwachsener bequem sitzen. Und der Kofferraumbietet ebenfalls mehr Platz.

Das handlichere Format, dazu neue Bleche und eine strenge Diät lassen den Astra abspecken: «Wir sparen mindestens 120 und im besten Fall sogar mehr als 200 Kilogramm beim Generationswechsel », sagt Bernd Justen aus dem Projektteam und verspricht damit ein ebenso sparsames wie sportliches Fahrverhalten. Auf der einen Seite muss sich der Astra künftig vor den Sparvarianten der Konkurrenz nicht mehr verstecken, versprechen die Entwickler. Normwerte um 3,2 Liter für den besten Diesel und 4,6 Liter für den Benziner sind deshalb gesetzt. Aber auf der anderen Seite soll man mit dem Astra wieder fahren und nicht nur einfach ankommen wollen. Nicht umsonst hat Opel besonders viel Energie in den Leichtbau und das überarbeitete Fahrwerk gesteckt.

Auch mit 3-Zylinder agil

Das zahlt sich aus: Das Auto ist agiler, lässt sich leichter auf Kurs halten und macht einfach mehr Spass – selbst wenn man mit dem neuen 3-Zylinder-Benziner unterwegs ist, der mit 105 PS im unteren Drittel der bis zu 200 PS starken Motorenpalette angesiedelt ist. Dank dem Turbolader reichen dem Leichtgewicht ein Liter Hubraum, und mit seinen 170 Nm macht er einen munteren Eindruck: Sportlich, aber keinesfalls aufdringlich, bringt er den getarnten Prototypen flotter in Fahrt, als es den Entwicklern lieb sein dürfte. Denn so wirft er gleich drei Fragen auf, die Opel erst einmal nicht beantworten kann: Warum es für die kleinen Motoren nur fünf Gänge gibt? Warum man für den Astra noch immer keine Doppelkupplung im Programm hat? Und warum die verstellbaren Dämpfer des Vorgängers nicht übernommen wurden, sondern die Kunden bereits beim Kauf zur Entscheidung zwischen komfortabel und kompromisslos gezwungen werden?

Aber Opel will nicht ja nur mit neuer Hardware punkten. Auch bei der Software macht die GM-Tochter einen grossen Schritt nach vorne und lässt die Konkurrenz buchstäblich alt aussehen. Im Kleinen gilt das für Extras wie das neue LED-Matrixlicht, das es allerdings nur zu einem Aufpreis geben wird. Und im Grossen meint Opel damit die Online- Offensive OnStar. Denn der Astra wird das erste Auto aus Rüsselsheim, das mit dem neuen Telematik-Dienst startet. Damit nehmen die Hessen nicht nur den eCall vorweg, sondern über den automatischen Pannen- und Notruf hinaus bietet das Technologiepaket den direkten Draht in ein Callcenter, wo den Kunden rund um die Uhr individuell geholfen wird. Der nächste Italiener entlang der Route, ein Zimmer im Hotel am Zielort, eine Flugbuchung oder zur Not noch schnell ein Geburtstagsgeschenk? Den Onstar-Knopf am Spiegel drücken, schon hilft einem eine freundliche Stimme bei der Suche – und Sekunden später hat man das Ziel bereits im Navigationssystem. Und ein WLAN-Router mit LTE-Geschwindigkeit ist bei OnStar ebenfalls an Bord. Dagegen wirkt das Infotainment der meisten Konkurrenten wie Steinzeit.

Über solche Details und über die technischen Finessen unter dem Blech sprechen sie in Rüsselsheim schon vergleichsweise freimütig, und sogar einen ersten Fahreindruck gewähren die stolzen Entwickler ein halbes Jahr vor dem Start. Nur zum Design von Karosserie und Cockpit wollen sie partout noch nichts verraten. Denn ganz offenbar sind es doch nicht nur die inneren Werte, mit denen Opel Golf und Co. das Leben schwermachen will. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.05.2015, 17:05 Uhr

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