Gediegen auch im Groben

Mit dem F-Pace, «Jaguars Sportwagen für alle Wetterlagen», steigen die Briten spät, aber erfolgversprechend ins SUV-Business ein: 10'000 Autos wurden bereits bestellt.

Schmuckes Erstlingswerk: Mit dem F-Pace beweist Jaguar, dass sie auch abseits geteerter Strassen glänzen können. Fotos: Jaguar

Schmuckes Erstlingswerk: Mit dem F-Pace beweist Jaguar, dass sie auch abseits geteerter Strassen glänzen können. Fotos: Jaguar

Eigentlich gibts nur eine Frage: Warum? Warum hat es so lange gedauert, bis sich Jaguar entschlossen hat, ins Big Business mit einem Premium-SUV einzusteigen? Einen Schritt, den beispielsweise der Sportwagenhersteller Porsche mit dem Cayenne schon vor 14 Jahren gemacht hat. Seit kurzem mischt auch Maserati mit dem Levante mit. Und selbst Bentley sucht mit dem Bentayga in jenem Segment zu punkten, dem Experte Ferdinand Dudenhöffer in den nächsten fünf Jahren einen weiteren Wachstumsschub von 50 Prozent prophezeit.

Das Vertrauen der Kunden

Auch wenn es auf die Frage nach dem «Warum so spät?» bei der Präsentation des F-Pace in Montenegro wenig Konkretes zu hören gab – Tausende müssen sich diese Frage ebenfalls gestellt haben, lange schon. Denn nur so ist es zu erklären, dass bereits 10'000 verbindliche Bestellungen vorliegen, obwohl es den ersten SUV der Briten bisher nicht auf der Strasse zu sehen gab.

Offenbar haben es diese vielen Interessenten in vollem Vertrauen darauf getan, dass es dem edlen Sportwagen-Hersteller zusammen mit der Allrad-Kompetenz von Land Rover tatsächlich gelungen ist, «einen Jaguar- Sportwagen für alle Wetterlagen» auf die Räder zu stellen. So jedenfalls kündigt Jaguar den F-Pace an, der ab 27. April zu den Händlern rollt.

Robust und souverän

Das Vertrauen scheint gerechtfertigt – im Edlen wie im Groben. Die Robustheit, die er optisch signalisiert, ohne sein Gesicht als Jaguar zu verlieren (wörtlich gemeint), hat der F-Pace bei ersten Probefahrten abseits gefestigter Strassen jedenfalls eindrücklich bewiesen. So selbstbewusst, wie der Hersteller diese Tests im gebirgigen, kaum mehr bewohnten Hinterland vom Montenegro ansetzte, so souverän zeigte sich der Neue auf kaum mehr befahrbaren Wegen, steinhart gepflastert oder vom Regen aufgeweicht.

Und wo die «Strecke» nicht steil genug war, bergauf und bergab, hatte der Hersteller eine stählerne Rampe erstellen lassen, um die Vorteile der von Land Rover übernommen Terrain-Response-Technologie zu demonstrieren. Per Tastendruck optimal eingestellt, schafft der F-Pace dabei auch solche, absolut grenzwertige Situationen völlig selbstständig.

War Montenegro die perfekte Destination, um die Geländegängigkeit des F-Pace zu beweisen, so war sie es bezüglich Sportlichkeit und Schnelligkeit des Premium-SUV gerade mal nicht. Tempo 80 ist selbst die Küste entlang das allgemein gültige Speedlimit, das ehemalige Ostblockland kennt keine Autobahnen. Dafür um so mehr Polizeikontrollen.

«Nicht für Rennstrecke gebaut»

Kein Problem für den Hersteller. Was man diesbezüglich von einem Jaguar erwarten kann, ist bekannt – und wird vom Neuling schon in der Beschleunigungsphase mit dem 380 PS starken V6- Benziner (0 bis 100 km/h in 5,8 Sekunden) oder mit dem Top-Diesel (300 PS), der mit einem Drehmoment von 700 Nm zusätzlich beeindruckt, eindrücklich demonstriert. Dazu kommt, dass es die Briten nicht darauf ausgelegt haben, in dieser Beziehung mit dem Porsche Macan mitzuhalten – obwohl Entwickler David Shaw zugibt, «dass der kleinere Bruder des Cayenne uns bei der Entwicklung des F-Pace durchaus beeinflusst hat». Aber: «Wir haben unseren SUV nicht für die Rennstrecke gebaut.»

Vom extremem Leichtbau – 80 Prozent sind laut Jaguar beimF-Pace Aluminium und damit ein Rekordwert im Segment – hat bezüglich Leistungsoptimierung die kleinste Motorisierung am meisten profitiert: Der Vierzylinder-Diesel leistet zwar nur 180 PS, gibt sich aber dennoch sportlich-agil und hat auch im groben Gelände kaum Probleme. Schwerer haben sich bei ihm wohl die Akustik- Spezialisten getan, um den markentypischen Sound auch bei der Basisversion hinzukriegen. Dafür gibt es den 2,0-Liter-Selbstzünder bereits ab 49'500 Franken. Bei den stärkeren Motorisierungen reicht die Preisspanne von 69'200 bis 97'600 Franken.

Nummer 1 beim Platzangebot

Keine Wünsche, auch im direkten Vergleich mit der Konkurrenz, lässt Jaguars erster SUV bezüglich seines Raumangebotes offen. Der neue F-Pace, der gleichzeitig den mit dem XF-Modellwechsel ausgemusterten Kombi Sportbrake zu ersetzen hat, ist sehr geräumig. Er liegt bei Länge (4,73 m) und bezüglich Radstand (2,87 m) gleichauf mit dem Mercedes GLC, mit seiner Breite von fast zwei Metern toppt er alle Mitkonkurrenten. Der Kofferraum fasst 650 Liter, bei umgeklappter Rückbank steigt das Ladevolumen auf 1740 Liter an.

Keine Frage: Der F-Pace wird schon Ende Jahr das meisterverkaufte Modell von Jaguar sein.

Peter Hegetschweiler fuhr den neuen F-Pace auf Einladung von Jaguar Land Rover Schweiz am 17. und 18. April in Montenegro.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt