Range Rover zuckelt in die Zukunft

Mit dem PHEV als Plug-in-Hybrid drücken die Briten den CO2-Ausstoss auf dem Papier auf politisch korrekte 64 Gramm pro Kilometer.

Theoretisch kommt der PHEV nur elektrisch gefahren 51 Kilometer weit. Danach muss er für 2 ¾ Stunden an die Steckdose. Foto: Nick Dimbleby

Theoretisch kommt der PHEV nur elektrisch gefahren 51 Kilometer weit. Danach muss er für 2 ¾ Stunden an die Steckdose. Foto: Nick Dimbleby

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Als er vor über 40 Jahren auf den Markt kam, hat er noch den Trend gesetzt: Denn als Marken wie BMW oder Audi noch gar nicht wussten, wie man SUV überhaupt schreibt, geschweige denn wie man so ein Auto als Luxusgut vermarktet, war der Range Rover schon Oberklasse für den Landadel. Doch jetzt laufen die Briten plötzlich dem Trend hinterher. Denn während die Konkurrenz längst Plug-in-Hybride am Start hat und gerade die ersten rein elektrischen Geländewagen vorbereitet, beginnt die Elektrifizierung bei Land Rover erst jetzt: Ab dem Frühjahr gibt es Range Rover und Range Rover Sport deshalb zum ersten Mal mit Steckdosenanschluss.

Dafür kombinieren die Briten die im Achtgangautomaten integrierte E-Maschine mit dem Benziner, auf den sie aktuell am stolzesten sind. Nein, nicht mit dem famosen 5,0-Liter-Kompressor, der in seiner ganzen Dekadenz so gut zu dem Luxusliner passt, sondern mit dem Vierzylinder-Ingenium-Motor, den sie in ihrer neuen Fabrik bauen und in mittlerweile fast allen Modellen von Jaguar und Land Rover einsetzen. Schliesslich müssen die Briten – dem Brexit zum Trotz – irgendwie von ihrem verboten hohen CO2-Ausstoss auf «europäisches Niveau» herunterkommen.

404 PS Gesamtleistung

Und eine schlechte Wahl ist der 2,0-Liter ganz bestimmt nicht. Immerhin spendieren ihm die beiden Turbos stolze 300 PS, und zusammen mit der E-Maschine hat der Antrieb mit einer Systemleistung von 404 PS selbst mit dem immerhin 2,5 Tonnen schweren Prunkschiff buchstäblich leichtes Spiel. Kein Wunder: Zusammen stellen die beiden Motoren bis zu 640 Nm bereit. Selbst der Stromer allein kommt gut mit dem Schwergewicht zurecht: Solange man bei den Fahrprogrammen den E-Modus vorwählt oder das breite Fahrpedal nur ganz sanft streichelt, surrt der Range mit einer majestätischen Ruhe durch die Stadt, die perfekt zum luxuriösen Auftritt und Ambiente des Wagens passt. «My car is my castle» – selten hat man sich in einem SUV derart der Welt entrückt gefühlt wie im elektrifizierten Range.

Und die elektrische Entrückung währt nicht nur im Stadtverkehr. Sondern selbst durch den Schlamm kann man sich ohne Sprit und nur mit Strom wühlen. Und wer die in der Theorie versprochenen 51 Kilometer Reichweite möglichst schnell reduzieren und danach mit dem im Kofferraum verbauten 13-kWh-Akku für 2 ¾ Stunden an die Steckdose will, der versucht sein Glück am besten auf der Autobahn, wo der ­E-Motor immerhin noch bis weit jenseits von 100 km/h mitspielt.

Flüsterleise, politisch korrekt, mit 64 g/km CO2-Ausstoss ein Segen für die Flottenstatistik und mit einem rechnerischen Verbrauch von 2,8 Litern sparsamer als ein Mini Countryman mit Dieselmotor – also alles richtig gemacht beim elektrifizierten Range?

Jein. Denn die gewählte Kombination mag zwar die vernünftigste sein, aber nicht die vergnüglichste: Die 6,8 Sekunden von 0 auf 100 sind zwar okay, und den Alltag meistert der Range locker. Doch Vernunft ist ein Argument, das bei Range-Rover-Kunden vermutlich am wenigsten verfängt. Denn wie sollte man sonst den Kauf eines schweren und überdimensionierten Luxus-SUV erklären, der in allem und überall so viel besser ist als jeder seiner Fahrer und auf jedem Terrain weiterkommt? Das Einzige, was da noch ziehen könnte, ist der Preis. Denn der ist mit 140'200 Franken so unsittlich, wie man es bei diesem Auto erwartet. Nur der V8-Kompressor ist teurer. Immerhin: Wer es ein bisschen kleiner mag, wird mit dem Range Rover Sport mit dem gleichen Antrieb glücklich – der passt besser in die Parklücke und kostet 38'100 Franken weniger.

Konkurrenz eilt davon

So mögen die Briten beim Range Rover PHEV zwar dem Gebot der Stunde gefolgt sein und haben sich einen vernünftigen Anstrich verpasst. Doch in Zeiten, in denen Porsche beim Panamera und demnächst auch beim Cayenne gleich zwei Hybriden anbietet und einen davon statt mit sechs mit acht Zylindern aufrüstet, hätte möglicherweise auch Land Rover den so beliebten Achtzylinder mit Kompressor als Partner wählen sollen. Das hätte zur Idee von Überfluss und Luxus gepasst, aber trotzdem den Willen zur Vernunft bestätigt.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Schliesslich haben die Briten gerade versprochen, dass in den nächsten Jahren alle Baureihen elektrifiziert werden und somit weitere Plug-in-Hybriden kommen. Und auch ein rein elektrischer Geländewagen ist in Planung. Während der bei der Schwestermarke mit dem Jaguar I-Pace allerdings schon in den Startlöchern steht und am Genfer Salon im März als Serienauto enthüllt wird, fährt Land Rover auch da hinterher – und die Kundschaft muss noch zwei, drei Jahre warten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.01.2018, 17:47 Uhr

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