Quattro à la Ford

17 Modellreihen hat Ford Europa im Angebot, die Hälfte davon wird es künftig mit Allradantrieb geben. Das dürfte selbst die etablierte Konkurrenz beeindrucken.

Zuschaltbarer Allradantrieb mit Untersetzung für den Ford Ranger. Foto: Barry Hayden (Ford)

Zuschaltbarer Allradantrieb mit Untersetzung für den Ford Ranger. Foto: Barry Hayden (Ford)

Quattro – Audi hat dieses simple Wort, das heute weltweit als Synonym für Allradantrieb gilt, zum Begriff gemacht. Vor 25 Jahren. BMW und Mercedes taten sich danach schwer, für ihre 4×4-Versionen ein ebenso griffiges Kürzel zu kreieren. Die Münchner entschieden sich für xDrive, die Stuttgarter wählten 4Matic. Und verkaufen ihre Allradautos heute genauso gut wie die Ingolstädter. Auch oder gerade in der Schweiz, wo der derzeitige Anteil an Autos mit Allradantrieb mit 38 Prozent fast so hoch liegt wie bei Rekordhalter Island (44 Prozent). Dass die Schweiz von Audi werbetechnisch als «Land of Quattro» annektiert worden ist, muss die beiden Mitkonkurrenten ebenfalls nicht länger stören.

Anteil mehr als verdoppeln

Und Ford? Die Kölner haben sich um das Thema 4×4 in Europa bis jetzt überhaupt nicht gross gekümmert. Bis jetzt – denn das soll sich im kommenden Jahr ändern: Ford plant für 2016 auf dem Alten Kontinent eine Allradoffensive, die es in sich hat. Rund 140'000 Fahrzeuge mit permanentem oder zuschaltbarem Allradantrieb wollen die Kölner allein 2016 absetzen, was im Vergleich zu 2014 einer Steigerung um 120 Prozent gleichkommt. Was Ford noch fehlt, ist ein gängiges Kürzel: Denn bei der Bezeichnung Intelligent All-Wheel Drive wird es kaum bleiben. Um dieses hochgesteckte Ziel zu erreichen, will Ford bis im kommenden Frühjahr 9 seiner 17 europäischen Baureihen mit der neusten 4×4-Technik anbieten – vom Kompaktsportler Focus RS über die beiden SUV Kuga und Edge, das Flaggschiff Mondeo, den S-Max und die Galaxy-Familie bis hin zum Ranger Pick-up und zum Kleintransporter Transit. Noch 2012 hatten die Kölner lediglich drei solche Modelle im Angebot.

Offensive statt Überlebensmodus

Woher rührt diese Dynamik, worauf basiert der Anspruch, es mit «Quattro à la Ford» auch auf diesem Gebiet mit der etablierten Konkurrenz aufzunehmen? Es gibt drei Gründe. «Zum einen», so sagte es Chefentwickler Matthias Tonn bei der Präsentation der neusten Allradversionen auf dem werkseigenen Testgelände im belgischen Lommel, «haben wir uns aus dem Überlebensmodus, in welchem Ford Europa gezwungenermassen lange verharrte, definitiv verabschiedet. Wir agieren nun wieder offensiv. » «Zweitens», so Tonn weiter, «setzen wir darauf, dass wir unsere SUV- und Crossover-Reihen, die wir bis 2018 um fünf Modelle erweitern wollen, dank Allradantrieb noch besser verkaufen können. Drittens spielt uns die aktuelle One-World-Strategie des Konzerns zusätzlich in die Hände. Denn dass Mondeo, S-Max, Galaxy und der aufs neue Jahr angesagte Edge auf der gleichen, universalen Plattform aufbauen, macht es uns bei deren Weiterentwicklung – beispielsweise zu Allradmodellen – erheblich einfacher.

4x4-Performance beim Focus RS

Das Ford spezifische 4×4-System debütierte 2007 mit der ersten Generation des Kuga und ist seither Schritt für Schritt optimiert worden. Aktuell gipfelt es in einem Performance-Allradsystem mit Dynamic Torque Vectoring, das eigens für den Focus RS entwickelt worden ist. Es basiert im 350 PS starken Kompaktsportler mit dem gleichen 2,3-Liter-Vierzylinder-Turbo wie im Ford Mustang auf zwei elektronisch geregelten Hinterachsdifferenzialen, welche den Kraftfluss regeln (bis zu 70 Prozent auf die Hinterachse). In extremis kann das Drehmoment aber auch auf ein einzelnes Hinterrad gelenkt werden, was dem neuen Focus RS selbst im Driftmodus zu einem «perfekten Handling» verhelfen soll – so jedenfalls lautet die Ansage von Ford. Der kompakte Super-Focus soll in der Schweiz im Sommer 2016 erhältlich sein. Den zivilen All-Wheel Drive ohne Performance- Attribute bietet Ford – immer optional – neben dem Kuga neu auch im Flaggschiff Mondeo, im S-Max und im Galaxy an. Das System für diese vier Baureihen verteilt die Motorenleistung nach Bedarf stufenlos vom reinen Front- bis zum Allradantrieb. In Intervallen von 16 Millisekunden messen Sensoren dabei, ob zwischen den Rädern und der Fahrbahn Schlupf entsteht. Beim Ranger wiederum setzt Ford auf einen zuschaltbaren Allradantrieb mit Getriebeuntersetzung – wie bisher.

Peter Hegetschweiler fuhr die neuen Allradmodelle von Ford auf Einladung von Ford Schweiz am 9. Dezember in Belgien.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt