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Zuckerberg erleidet eine Schlappe

Das soziale Netzwerk Facebook steht wegen der Verbreitung von manipulierenden Anzeigen in der Kritik. Zudem scheitert Zuckerberg mit seinem Plan, Aktien zu verkaufen, ohne dabei an Einfluss zu verlieren.

Facebook in der Kritik: Dem Führungspersonal wird «systematisches Fehlen von Verantwortung» vorgeworfen.
Facebook in der Kritik: Dem Führungspersonal wird «systematisches Fehlen von Verantwortung» vorgeworfen.
Keystone

Grosse Macht geht mit grosser Verantwortung einher. Diese Erfahrung muss aktuell Facebook machen. In der vergangenen Woche hat das soziale Netzwerk einer Einigung im Rahmen einer Sammelklage zugestimmt. So wurde der Plan eines Aktiensplits verworfen, in dessen Folge Gründer Mark Zuckerberg seine Stimmenmehrheit auch bei einem Verkauf von Aktien behalten hätte. Die Entwicklung zeigt die Probleme auf, die das seit dreizehn Jahren bestehende Unternehmen dabei hat, seiner Verantwortung als einer der grössten US-Firmen nachzukommen.

Zuckerberg vermeidet Zeugenaussage

«Fehlen von Verantwortung ist systematisch», meint der Soziologe Zeynep Tufekci von der Universität North Carolina. «Das ist durch das übertriebene Selbstbewusstsein entstanden, alles besser zu wissen, sowie durch die Naivität über das Funktionieren der Welt und die extremen Bemühungen, jede Art von Kontrolle zu vermeiden.» Die niedrige Zahl an Mitarbeitern habe ebenfalls zu unzureichenden Kontrollmechanismen geführt, so Tufekci.

Am Freitag hatten Investoren vor Gericht erklärt, dass es keine ausreichenden Verhandlungen zwischen dem Verwaltungsrat und Zuckerberg wegen dessen Plänen für einen Aktiensplit gegeben habe. Durch die Einigung mit den Autoren der Sammelklage musste der Firmengründer nicht selbst als Zeuge auftreten. «Er hätte einige unbequeme Fragen beantworten müssen», sagte Stuart Grant, leitender Anwalt der Gegenseite. Zuckerberg selbst sagte, der Aktienkurs sei so stark gestiegen, dass er einerseits seine wohltätigen Projekte finanzieren könne und andererseits gleichzeitig die erforderliche Aktienmehrheit behalten könne.

Wallstreet ändert wegen ­Entwicklung die Regeln

Doch die Entwicklung zeigt, dass Firmen an der Wallstreet nicht weiterhin Einnahmen durch Aktienverkäufe realisieren können, ohne den Investoren auch Einfluss einzuräumen. Gerade im Silicon Valley sind Aktien, die nicht mit Stimmrechten verbunden sind, durchaus üblich. Google hatte den Trend 2004 gestartet. Doch immer mehr Indizes führen Grenzwerte für ein solches Vorgehen ein.

«Für Internetfirmen ist es eine neue Herausforderung, wenn Staaten versuchen, in Wahlen einzugreifen.»

Mark Zuckerberg

«Wenn man diese spezielle Art von Aktien einführt, die nicht die wirtschaftlichen Interessen der Investoren berücksichtigen, könnte man von schlechter Unternehmensführung sprechen», meint Portfoliomanager George Maris von Janus Capital.

Präsident Obama hat Facebook gewarnt

Auch in einem weiteren Fall wird Facebook vorgeworfen, seiner Verantwortung nicht gerecht zu werden. Das Unternehmen steht in der Kritik, da es eine russische Einmischung in den Wahlkampf 2016 ignoriert hat, die letztlich sogar den Ausschlag für den Wahlsieg von Donald Trump gegeben haben könnte. Dabei hatte sich zuvor noch Trumps Vorgänger Barack Obama gegenüber Zuckerberg dafür eingesetzt, politische Falschinformation ernst zu nehmen.

Kürzlich hat Facebook 3000 politische Anzeigen aus dem Wahlkampf an den Kongress überreicht, die von russischer Seite bezahlt worden waren. Und dabei versprochen, neue Methoden zur Verhinderung sogenannter Fake-News einzuführen, um eine Irreführung der Wähler zu verhindern. Mit den Anzeigen hatte Facebook 100 000 Dollar (97 000 Franken) eingenommen. Die Anzeigen richteten sich gezielt an bestimmte Facebook-Nutzer, die als Antisemiten wahrgenommen wurden.

Facebook gab zwar zu, Fehler gemacht zu haben. Dafür seien aber keine Mitarbeiter verantwortlich, sondern die automatisierte Bearbeitung. «Für Internetfirmen ist es eine neue Herausforderung, wenn Staaten versuchen, in Wahlen einzugreifen», sagte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. «Aber wenn wir uns dem stellen müssen, dann werden wir der Situation gewachsen sein.»

Doch der Vorfall hat zu Kritik geführt, auch bei der als technologiefreundlich geltenden «New York Times». Das Führungspersonal von Firmen wie Facebook, Twitter und Google wolle nicht anerkennen, dass deren Produkte dazu genutzt werden können, Schaden zu verursachen, moniert das Blatt.

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