Weltklimarat sucht neues Geld

Wegen des drohenden Rückzugs der USA aus dem Weltklimarat braucht dieser neue Einnahmequellen. Infrage kommen für den IPCC Crowdfunding oder unabhängige Stiftungen.

Rund 44 Prozent des Geldes steuerten bisher die USA bei: Andreas Fischlin, ETH-Systemökologe und Vizepräsident der Arbeitsgruppe II des Weltklimarates, in Genf. (11. April 2007)

Rund 44 Prozent des Geldes steuerten bisher die USA bei: Andreas Fischlin, ETH-Systemökologe und Vizepräsident der Arbeitsgruppe II des Weltklimarates, in Genf. (11. April 2007) Bild: Salvatore Di Nolfi/Keystone

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Wegen schlechter Zahlungsmoral seiner Mitglieder und einem allfälligen Rückzug der USA sucht der Weltklimarat (IPCC) nach neuen Einnahmequellen. Dies hat der Rat an seiner 46. Session in Montreal beschlossen.

Die finanzielle Lage des Weltklimarats habe sich in den letzten Jahren besorgniserregend verschlechtert, teilte Andreas Fischlin, Vizepräsident der Arbeitsgruppe II des Weltklimarats und ETH-Systemökologe, der Nachrichtenagentur SDA mit. Neue Finanzierungen dürften dem Beschluss zufolge aber unter keinen Umständen die Unabhängigkeit und Objektivität der Berichtserstellung gefährden.

Als mögliche neue Einnahmequellen bezeichnete Fischlin auf Anfrage in der Nacht auf Montag etwa Crowdfunding sowie gemeinnützige Stiftungen, die unabhängig seien. Daneben poche der Weltklimarat darauf, dass die Mitgliedstaaten ihren finanziellen Verpflichtungen künftig auch tatsächlich nachkommen.

Millionenbudget

Das jährliche Budget des IPCC beträgt Fischlin zufolge rund sechs Millionen Dollar, schwankt aber von Jahr zu Jahr. Rund 44 Prozent des Geldes steuerten bisher die USA bei, teils auch als Folge davon, dass andere Länder ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen waren. US-Präsident Donald Trump will den Beitrag der USA zusammenstreichen.

Weiter fällte der Weltklimarat an seinem fünftägigen Treffen in Montreal auch die wichtigsten Entscheidungen bezüglich der Struktur und dem Inhalt des nächsten IPCC-Berichts. Die sechste Ausgabe soll 2021 und 2022 erscheinen. Dafür werden nun gegen 1200 Autoren bestimmt. Dabei sollen auch mehrere schweizerische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zum Zug kommen.

Besserer Bericht geplant

Für den nächsten Klimabericht sollen die einzelnen Arbeitsgruppen, die sich etwa mit den physikalischen Zusammenhängen des Klimas, den Auswirkungen und der Vermeidung des Klimawandels befassen, enger zusammenarbeiten. Davon erhofft sich der Weltklimarat ein wirkungsvolleres Ergebnis zuhanden der Klimapolitik.

Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) arbeitet regelmässig Berichte über die aktuellen Kenntnisse im Zusammenhang mit dem Klimawandel und über die Möglichkeiten zu dessen Bewältigung aus. Der fünfte Bericht des IPCC erschien im November 2014.

Die Klimaexpertengruppe der UNO war 1988 ins Leben gerufen worden. Gemeinsam mit dem ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore wurde sie 2007 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. (foa/sda)

Erstellt: 11.09.2017, 05:23 Uhr

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