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Sie war «Barrys» stille Heldin

Madelyn Dunham, Barack Obamas Grossmutter aus Kansas, ist am Tag vor der Präsidentenwahl verstorben. Sie war für Baracks Werdegang entscheidend.

Es war der Tag vor der Wahl und vor einem womöglich historischen Wahlsieg, Barack Obama aber begann den Montag still und verschlossen. «Es war klar, dass er bedrückt war», beschrieb seine Sprecherin Linda Douglass die Stimmung des demokratischen Präsidentschaftskandidaten. Wenig später gab Obama bekannt, dass seine geliebte Grossmutter in Hawaii im Alter von 86 Jahren ihrem Krebsleiden erlegen war. «Toot», wie er sie liebevoll nach einem hawaianischen Wort für Grossmutter genannt hatte, war mehr als die Mutter seiner Mutter: Einem Felsen glich die Grossmama in der unsteten Welt des jungen Obama, war sie es doch, die den Teenager aufzog, während seine Mutter Stanley Ann in Indonesien lebte.

In ihrem und Grossvater Stanleys bescheidenem Apartment in Honolulu wuchs Barack Obama unter den strengen Augen einer Grossmutter auf, der er eigenem Bekunden zufolge Pragmatismus wie Ausgeglichenheit verdankt. Noch einmal wollte er sie vor ihrem Tod sehen und unterbrach in der letzten Oktoberwoche den Wahlkampf, um nach Hawaii zu fliegen und kostbare Stunden mit ihr zu verbringen. Am Sonntag starb sie, «ein Eckstein unserer Familie und eine Frau mit aussergewöhnlichen Fähigkeiten, mit Stärke und Bescheidenheit», so Obama in einem Statement.

Madelyn Lee Payne stammte aus dem Präriestaat Kansas, wo sie im Zweiten Weltkrieg in einem Werk zur Herstellung von Bombern gearbeitet und sich mit Stanley Dunham verheiratet hatte – zum Schaudern ihrer Eltern, die den lauten und lustigen Mann aus der Unterschicht nicht mochten. Madelyn und Stanley wiederum waren gleichfalls nicht begeistert, als ihr einziges Kind Jahre später in Hawaii einen Afrikaner aus Kenia ehelichte. Zumal dessen Vater die Dunhams in einem wütenden Brief wissen liess, das weisse Blut beschmutze die Ehre der Familie Obama.

Die geliebte Grossmutter habe indes ihre eigenen Vorurteile gehabt, schrieb Barack Obama in seiner Autobiografie. So habe sie sich von einem schwarzen Bettler an ihrer Bushaltestelle belästigt gefühlt und deshalb den Grossvater gebeten, sie zur Arbeit zu fahren. Wie «ein Faustschlag in die Magengrube» habe ihn dies getroffen. Auch in seiner Rede zur Rassenproblematik im Anschluss an die Kontroverse um seinen Pastor Jeremiah Wright sprach der Demokrat über die Vorurteile einer Grossmutter, die ihm dennoch seinen Weg vorgezeichnet hatte - weshalb er ihr in seiner Rede beim Parteikonvent in Denver im August ein kleines Denkmal setzte: «Sie hat mir harte Arbeit beigebracht, und sie war es, die den Kauf eines neuen Autos oder eines neuen Kleids verschob, damit ich ein besseres Leben hatte».

Tatsächlich hatte sich die Grossmutter von einer Stelle als Sekretärin bis zur Vizepräsidentin einer grossen Bank auf Hawaii hochgearbeitet, eine strenge, aber gute Chefin sei sie gewesen, sagten ihre Untergebenen. Und nun verfolgte die Pensionärin, deren Gatte und Tochter bereits verstorben waren, den kometenhaften Aufstieg ihres «Barry» am Fernsehen. Sie riet ihm in einem ihrer zahlreichen Telefonate, mehr zu lächeln. Er hingegen weinte am Montag, als er auf einer Wahlkampfveranstaltung in North Carolina von «Toot» sprach. «Hart» sei es, über ihren Tod zu reden, sagte er, aber sie, diese «stille Heldin», sei nun «heimgekehrt», sagte er mit Tränen in den Augen. Es lässt sich nur erahnen, wie sehr ihm daran gelegen hätte, wenn sie den gestrigen Wahltag noch erlebt hätte.

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