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Was bei den US-Wahlen alles schiefgehen könnte

Die Kandidaten hoffen auf ein eindeutiges Ergebnis. Durch die Eigenheiten des Wahlsystems ist aber auch ein komplizierter Ausgang möglich. Theoretisch könnte sogar Biden Vize von Romney werden.

mw
Hetzen von Auftritt zu Auftritt: US-Präsident Barack Obama...
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Reuters
Flugreisen sind dabei unerlässlich, ...
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Reuters
...ebenso die Hilfe von prominenten Unterstützern: Nascar-Legende Richard Petty hört mit Anne Romney dem republikanischen Kandidaten zu.
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AFP
Obama kann auf die Tochter von John F. Kennedy zählen: Caroline Kennedy spricht zu ehrenamtlichen Wahlkampfhelfern.
Obama kann auf die Tochter von John F. Kennedy zählen: Caroline Kennedy spricht zu ehrenamtlichen Wahlkampfhelfern.
Reuters
Glanz und Schutz: Ein Leibwächter poliert den Wagen, mit dem Barack Obama zu einem Auftritt an einer Highschool in Ohio fahren wird.
Glanz und Schutz: Ein Leibwächter poliert den Wagen, mit dem Barack Obama zu einem Auftritt an einer Highschool in Ohio fahren wird.
Reuters
Während Obama gerne an Hochschulen spricht, ...
Während Obama gerne an Hochschulen spricht, ...
AFP
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Mitt Romney würde einen Wahlausgang wie 1980 begrüssen, als die Republikaner in 44 der 50 US-Staaten siegten. Präsident Barack Obama wäre ein ähnliches Ergebnis wie 2008 lieber, als er sich mit fast 100 Wahlmännerstimmen Vorsprung gegen seinen Konkurrenten John McCain durchsetzte. Was beide fürchten, ist eine Situation wie 2000, als der Wahlsieger erst nach mehr als einem Monat und einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs feststand. Hier ein Blick auf einige Szenarien, die Obama und Romney Kopfschmerzen bereiten könnten.

Direkte Stimmen gegen Wahlmännerstimmen

Einige Male ist es bereits passiert, zuletzt im Jahr 2000: Der Kandidat, der insgesamt die meisten Stimmen erhalten hat, bekommt trotzdem weniger Wahlmännerstimmen – also die, die für den Wahlausgang entscheidend sind – und verliert damit die Wahl.

Die Gründerväter der USA entwickelten dieses inzwischen umstrittene System als Kompromiss zwischen einer Direktwahl des Präsidenten durch das Volk und einer Wahl durch den Kongress. Bemühungen, das Wahlmännergremium abzuschaffen, reichen mehr als ein halbes Jahrhundert zurück und tauchen praktisch bei jeder Wahl neu auf. Befürworter des althergebrachten Systems sagen, andernfalls erhielten Regionen mit der höchsten Bevölkerungsdichte zu viel Einfluss auf den Wahlausgang.

Und wie stehen die Chancen in diesem Jahr, dass der Kandidat mit den meisten Stimmen die Wahl dennoch verlieren könnte? «Es ist nicht wahrscheinlich, aber auf jeden Fall möglich», sagt Peter Brown, Meinungsforscher an der Quinnipiac-Universität im US-Staat Connecticut. Denn Romney hat in einigen Umfragen einen hauchdünnen Vorsprung, sodass er landesweit die meisten Stimmen bekommen könnte. Viele der am stärksten umkämpften Staaten, in denen die Wahl entschieden wird, scheinen aber Obama zugeneigt. Dies bedeutet, dass der Amtsinhaber zwar insgesamt weniger Stimmen als Romney bekommen, aber dennoch mehr Wahlmännerstimmen auf sich vereinen und damit die Wahl gewinnen könnte.

Probleme bei der Stimmabgabe

Warteschlangen, Probleme mit Wahlautomaten und Zweifel an der Teilnahmeberechtigung potenzieller Wähler könnten für Probleme sorgen. Die Folgen des Sturms Sandy, der an der Ostküste für Verwüstungen und Stromausfälle sorgte, könnten eine weitere Herausforderung darstellen.

Die Republikaner hatten sich jüngst in zahlreichen US-Staaten für schärfere Zugangsbedingungen zur Wahl eingesetzt. So sollen Wähler beispielsweise einen Lichtbildausweis vorlegen, um sich zu legitimieren. Dies könnte zu einer hohen Zahl provisorischer Stimmzettel führen, die Wähler nutzen müssen, wenn ihre Wahlberechtigung nicht ausser Zweifel steht. Diese Stimmzettel werden nur ausgezählt, wenn die Wahlbehörde feststellt, dass der jeweilige Wähler das Recht zur Teilnahme hatte. Und die Regeln für die Wahlberechtigung unterscheiden sich von Staat zu Staat. Dies alles könnte dazu beitragen, dass es nach Schliessung der Wahllokale zunächst keinen klaren Sieger gibt.

Sowohl Obama als auch Romney haben eine Vielzahl von Anwälten bereitstehen, die nötigenfalls sofort aktiv werden könnten. Experten halten dies am ehesten in Florida oder Ohio für möglich, den Staaten, in denen beide Kandidaten am engagiertesten Wahlkampf getrieben haben.

Ein Unentschieden

Für den Wahlsieg sind 270 Wahlmännerstimmen nötig. Doch was passiert, wenn beide Kandidaten jeweils 269 Stimmen erhalten?

Das ist bislang nie vorgekommen. In einem solchen Fall würde das neu gewählte Repräsentantenhaus den Präsidenten wählen. Derzeit sind dort Romneys Republikaner die stärkste Kraft und vermutlich behalten sie ihre Mehrheit. Darüber hinaus hätten nicht alle 435 Abgeordneten eine Stimme, sondern jeder Staat hätte als Ganzes eine Stimme. Da die Republikaner viele der kleineren Staaten mit weniger Abgeordneten kontrollieren, wären sie in diesem Fall im Vorteil.

Der Senat aber würde den Vizepräsidenten wählen. Dort wiederum haben Obamas Demokraten die Mehrheit und das dürfte so bleiben. Würden demnach die Senatoren Joe Biden zum Vizepräsidenten Romneys küren? Würde Biden diese Wahl annehmen? Man darf wohl annehmen, dass beide Kandidaten hoffen, dass dies nie ein Thema sein wird.

(dapd)

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