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Auf den Spuren von Anders Behring B.

Der mutmassliche Attentäter hat vor den Anschlägen in Oslo und Utøya Spuren im Internet hinterlassen. Der 32-Jährige, der gerne jagt und Videospiele mag, bezeichnet sich als konservativer Christ.

Der Attentäter hat ein über 1500-seitiges Manifest hinterlassen, das mehrere Bilder enhält: Ein Bild zeigt Anders Behring Breivik in einer Fantasie-Uniform. (23. Juli 2011)
Der Attentäter hat ein über 1500-seitiges Manifest hinterlassen, das mehrere Bilder enhält: Ein Bild zeigt Anders Behring Breivik in einer Fantasie-Uniform. (23. Juli 2011)
Keystone
...und im Schutzanzug mit Gasmaske. (23. Juli 2011)
...und im Schutzanzug mit Gasmaske. (23. Juli 2011)
Keystone
Der mutmassliche Täter wird mit rechtsextremistischen Kreisen in Verbingdng gebracht. Die Polizei hatte ihn gemäss eigener Aussage aber bisher nicht auf dem Radar gehabt. Wohnhaus von Anders Behring B. (22. Juli 2001)
Der mutmassliche Täter wird mit rechtsextremistischen Kreisen in Verbingdng gebracht. Die Polizei hatte ihn gemäss eigener Aussage aber bisher nicht auf dem Radar gehabt. Wohnhaus von Anders Behring B. (22. Juli 2001)
AFP
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«Ein Mensch mit einem Glauben hat die Kraft von 100'000, die nur Interessen haben»: Das ist der einzige Satz, der Anders Behring B. twitterte. Datiert ist er auf den 17. Juli 2011. Nur fünf Tage später soll der 32-jährige Norweger mehr als 80 Jugendliche in einem Ferienlager kaltblütig ermordet und eine Bombe im Osloer Regierungsviertel gezündet haben. Insgesamt verloren mindestens 91 Menschen ihr Leben.

Auf einem Bauernhof gewohnt

Anders Behring B. stammt aus Norwegens Hauptstadt und wird der rechts-nationalistischen Szene zugeordnet. Der Facebook-Seite zufolge, die wie andere Internetquellen von der Netzgemeinde noch in der Nacht zum Samstag aufgespürt und gesichert wurde, ist er christlich und konservativ, geht gerne jagen und spielt «World of Warcraft». Er soll mindestens zwei registrierte Waffen besitzen.

Nach Angaben des TV-Senders NRK bewohnte der unverheiratete und kinderlose Mann bisher eine Wohnung am östlichen Stadtrand von Oslo. Vor einem Monat habe er sich bei den Behörden umgemeldet auf einen kleinen ländlichen Hof nahe der Hauptstadt. Fernsehbilder zeigen einen Bauernhof in Rena nördlich von Oslo. Im Handelsregister steht, er baue dort Gemüse, Melonen und Rüben an - der Kunstdünger, den er kaufte, könne als Sprengstoff benutzt werden, wird in den Medien spekuliert.

Nationalistische Einträge

Als Idole von Anders Behring B. sind auf der Facebook-Seite der britische Premierminister Winston Churchill (1874-1965) genannt und Max Manus (1914-96) - Widerstandskämpfer während der Zeit der deutschen Besetzung Norwegens. Die einzigen Einträge unter seinem Namen sind Links auf Musikvideos: Vorwiegend Trance, dabei outet ihn das Profil zugleich als Liebhaber klassischer Musik, Kants «Kritik der reinen Vernunft» und Adam Smiths «Der Wohlstand der Nationen».

Auf der islamkritischen Internetseite document.no sind unter dem Namen des mutmasslichen Täters Dutzende islamkritische und nationalistische Einträge zu finden - alle wortgewandt.

Zweiteilung der Welt

Demnach teilt Anders Behring B. die Welt in Multikulturalisten und kulturkonservative Menschen. In den schon älteren Einträgen wird Multikulturalismus als «kultureller Marxismus» und eine «anti-europäische Hassideologie» bezeichnet, deren Ziel es sei, die europäische Kultur, die Nationalstaaten und das Christentum zu zerstören. Kulturkonservative, zu denen sich der Autor selbst zählt, würden dagegen als Rassisten abgestempelt - was genauso schlimm sei wie Judenverfolgung und Inquisition.

Ein Eintrag wendet sich gegen norwegische Alternative und Antifa-Gruppen, die die politisch Konservativen bewusst terrorisierten. Genannt werden sie - in Anspielung auf die Hitler-Jugend - die «Stoltenberg-Jugend».

«Seltsam, dass er sich nicht selbst getötet hat»

Die Polizei vernahm Anders Behring B. zuerst auf der Insel Utoya und später auf einem Revier in Oslo. «Es ist seltsam, dass er sich nicht selbst getötet hat, wie die Kerle, die diese Schulmassaker angerichtet haben», sagte der Polizist. «Es ist gut, dass er es nicht getan hat. So können wir vielleicht ein paar Antworten über seine Motivation erhalten.»

Nach Ansicht der Ermittler ist der festgenommene Mann sowohl für die Explosion in Oslo, als auch für das Massaker im Jugendlager der regierenden sozialdemokratischen Partei verantwortlich. Allerdings schlossen sie nicht aus, dass weitere Personen beteiligt waren. Der Polizei sagte, es sei für eine Person nicht unmöglich die Angriffe alleine durchzuführen. «Er ist offensichtlich eiskalt. Aber so nah an die Regierung heranzukommen ist einfach. Die Strassen sind in dieser Gegend offen.»

dapd/afp/vin/mrs/ami

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