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Was Trumps chaotische Diplomatie in Asien auslöst

Mit der Absage des Gipfels führt Trump nicht nur Kim, sondern auch die Verbündeten in Asien vor.

Demonstranten fordern nach der Annullierung des Gipfels vor der US-Botschaft in Seoul die Fortsetzung der Friedensbemühungen. Foto: Chung Sung-Jun (Getty Images)
Demonstranten fordern nach der Annullierung des Gipfels vor der US-Botschaft in Seoul die Fortsetzung der Friedensbemühungen. Foto: Chung Sung-Jun (Getty Images)

Donald Trump lässt den geplanten Gipfel mit Machthaber Kim Jong-un platzen. Und Nordkorea? Will den Friedensprozess fortsetzen. Pyongyang nahm die Meldung, von der es, wie ganz Ostasien, am Donnerstag kurz vor Mitternacht überrumpelt wurde, besonnen auf. Es reagierte aber ungewöhnlich schnell. Früh am Freitagmorgen publizierte das Regime eine differenzierte Erklärung, mit der es Trump einen Dialog anbot, «wo, wie und wann auch immer».

Kim Jong-un hat die starren Positionen seines Regimes gelockert und Washington gegenüber Zugeständnisse gemacht. Er hat seine Autorität an politische Kurskorrekturen geknüpft. US-Aussenminister Mike Pompeo nimmt ihm das offenbar ab. Dennoch wird in Trumps Washington geredet, als gehe es um eine Kapitulation Nordkoreas. Doch das stimmt nicht. Trumps Leute haben nicht kapiert, dass für Verhandlungen in Asien erst mit kleinen Gesten Vertrauen geschaffen werden muss, wie Kim es versucht hat. Und dass keine Seite ihr Gesicht verlieren darf – Kims isoliertes Regime schon gar nicht.

Der vergessene Vermittler

Mit seiner Absage hat Trump auch Moon Jae-in vor den Kopf gestossen. Der südkoreanische Präsident erfuhr davon aus den Medien. Noch am Dienstag war er Gast im Weissen Haus. Moon spielt im Ausgleich mit Nordkorea die Rolle eines Vermittlers und Regisseurs; es ist sein wichtigstes politisches Anliegen.

Peking ist ebenfalls irritiert. Es setzt die UNO-Sanktionen gegen Nordkorea so konsequent um wie noch nie und hat den Gipfel, vielleicht mit Vorbehalten, aber eben doch unterstützt. Dennoch zettelt Trump ausgerechnet jetzt einen Handelskrieg gegen China an. Der US-Präsident verstösst gegen die elementarsten Regeln der Diplomatie. Er führt nicht nur Kim, sondern auch seine Partner und Verbündeten vor. Und das nicht zum ersten Mal. Damit beschädigt er die Position der USA in Asien. Nur Tokio hält weiter tapfer zu ihm. Man sei enttäuscht, respektiere und unterstütze aber seine Entscheidung, so Japans Aussenministerium. Dabei liess Trump niemanden öfter im Regen stehen als seinen «Freund» Premier Shinzo Abe – zuletzt mit den Stahlzöllen. Für Südkorea und die Europäer machte er eine Ausnahme, für Japan nicht.

Ostasien ist zerstritten

Donald Trump ist nicht der erste US-Präsident, der Amerika mit seiner Asienpolitik schadet. Schon George Bush patzte, Barack Obama ignorierte Nordkorea und bezeichnete das als «strategische Geduld». Er trieb den Pazifischen Freihandelspakt (TPP) voran, doch sein Verteidigungsminister verriet, das sei eine Strategie gegen China. In Seoul und Tokio werfen Linke und Nationalisten Washington vor, seine Asienpolitik würde vom Pentagon gemacht.

Ostasien ist wirtschaftlich eng integriert, politisch jedoch zerstritten, wenn es um seine Geschichte geht sogar verfeindet. Frühere Versuche Japans, Chinas und Südkoreas, näher zusammenzurücken, sind gescheitert oder versandet. In den vergangenen Monaten versuchten sie trotzdem, sachte aufeinander zuzugehen und eine Integration Südostasiens voranzutreiben. Sie verstehen, wie riskant es ist, sich auf Washington zu verlassen, nicht nur mit Trump im Weissen Haus, aber besonders mit ihm. Moon Chung-in, der streitbare aussenpolitische Berater von Präsident Moon, denkt bereits laut über eine Koreanische Halbinsel ohne US-Truppen nach.

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