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Nordkorea feuert Rakete über Japan hinweg

Zum ersten Mal hat das Regime in Pyongyang völlig ohne Vorankündigung eine Rakete über das japanische Festland abgeschossen. Die Regierung in Tokio spricht von «einer noch nie dagewesenen, schwerwiegenden und ernsten Bedrohung».

Erneute Provokation: Nordkoreanische Rakete fliegt über Japan. (Video: Tamedia/AFP).

Um kurz nach 6 Uhr morgens gingen im Norden Japans die Sirenen los. «Dies ist eine Warnung der Regierung. Raketenabschuss. Nordkorea hat eine Rakete abgefeuert. Suchen sie Schutz im Keller oder in einem stabilen Gebäude», meldeten ausserdem tausende Mobiltelefone ihren Besitzern.

Das staatliche Frühwarnsystem J-Alert legte dutzende Züge für eine gute halbe Stunde lahm. «Der Zug hielt plötzlich auf freier Strecke. Dann kam die Durchsage, dass Nordkorea eine Rakete abgefeuert hat. Wir hatten alle Angst», berichtet ein Fahrgast.

Hokkaido überflogen

Zu Schaden gekommen ist niemand. 14 Minuten nach dem Abschuss in der Nähe der nordkoreanischen Hauptstadt Pyongyang landete die Rakete etwa 1180 Kilometer östlich von Hokkaido im Pazifik - ausserhalb der japanischen Wirtschaftszone. Zuvor sei das Geschoss in drei Teile zerbrochen, meldeten japanische Medien unter Berufung auf Verteidigungskreise.

Das japanische Warnsystem hat reagiert: Passanten in Südkorea sehen Nachrichten über den nordkoreanischen Raketenstart. (29. August 2017)
Das japanische Warnsystem hat reagiert: Passanten in Südkorea sehen Nachrichten über den nordkoreanischen Raketenstart. (29. August 2017)
Ahn Young-joon, Keystone
Teile der Rakete sind östlich der japanischen Hauptinsel Hokkaido niedergegangen: Südkoreanische Nachrichten. (29. August 2017)
Teile der Rakete sind östlich der japanischen Hauptinsel Hokkaido niedergegangen: Südkoreanische Nachrichten. (29. August 2017)
Ahn Young-joon, Keystone
Nordkorea setzt sich immer wieder über UNO-Resolutionen hinweg, welche Tests mit ballistischen Raketen verbieten. (Archivbild)
Nordkorea setzt sich immer wieder über UNO-Resolutionen hinweg, welche Tests mit ballistischen Raketen verbieten. (Archivbild)
KCNA, Keystone
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Die Rakete legte 2700 Kilometern zurück und erreichte eine Maximalhöhe von 550 Kilometern. Wahrscheinlich habe es sich um eine ballistische Mittelstreckenrakete gehandelt, erklärte Japans Verteidigungsminister Itsunori. Möglicherweise war es eine Rakete von dem neuen Typ Hwasong-12, berichtete der öffentliche Sender NHK unter Berufung auf Militärkreise.

Kein «Respekt» vor Trump

Erst Anfang August hatte Pyongyang gedroht, vier Hwasong-12 Raketen über Japan hinweg in Richtung der amerikanischen Pazifikinsel Guam abzufeuern. Daraufhin hatte US-Präsident Donald Trump Machthaber Kim Jong-un ein Vergeltungsszenario aus «Feuer und Wut» angedroht.

Anschliessend schien sich die Lage wieder zu entspannen, nachdem Pyongyang beinahe einen Monat lang auf Raketentests verzichtet hatte und Trump sogar seine verhaltene Hoffnung äusserte, Kim beginne «uns zu respektieren».

Doch am vergangenen Samstag liess Kim wieder drei Kurzstreckenraketen testen, die allesamt im Japanische Meer landeten. Trotz der erneuten Provokation liess US-Aussenminister Rex Tillerson die Tür für Gespräche mit dem Norden offen.

Shinzo Abe empört

Zuletzt hatte Nordkorea vor acht Jahren ein Geschoss über japanisches Staatsgebiet abgefeuert. Damals hatte Pyongyang allerdings vorab einen «Satellitenstart» angekündigt. Diesmal gab es keinerlei Vorwarnung. Japan habe die Rakete vom Beginn an verfolgt, versicherte die Regierung. Zwar aktivierte die Regierung das Frühwarnsystem J-Alert, doch einen Befehl zum Abschuss habe es nicht gegeben, meldete NHK.

Japans Premier Shinzo Abe reagierte empört. «Das Überfliegen unseres Territoriums ist eine noch nie dagewesene, ernste Bedrohung», sagte Abe am Morgen auf dem Weg zu einer Krisensitzung der Regierung. In einem Telefongespräch mit Abe versicherte Trump seinem Bündnispartner seine hundertprozentige Unterstützung.

Südkorea zeigt eigene Raketen

Südkorea reagierte mit einer Demonstration von Stärke. Nur wenige Stunden nach dem Raketenstart veröffentlichte die südkoreanische Behörde für Rüstungsentwicklung (ADD) bislang geheim gehaltene Bilder ihrer jüngsten Raketentests aus der vergangenen Woche, auf denen zu sehen ist, wie die Raketen akkurat ihre Ziele an Land und auf dem Wasser zerstörten. «Unser Militär verfügt über Raketen mit höchster Präzision und der Fähigkeit, jeden Ort in Nordkorea zu treffen, falls dies nötig sein sollte», erklärte die ADD.

Beobachter gehen davon aus, dass Pyongyang angesichts der anstehenden nationalen Feiertage weitere Eskalationen plant. Laut südkoreanischem Geheimdienst hat der Norden Vorbereitungen für einen weiteren Atomtest abgeschlossen. Kim hatte 2016 zum Staatsgründungstag am 9. September einen Atomtest durchgeführt.

Das Regime ist auch verärgert über das laufende amerikanisch-südkoreanische Militärmanöver, welches Pyongyang als Übung für eine Invasion in den Norden interpretiert.

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