In Uruguay wird jetzt legal Marihuana verkauft

Uruguay ist das erste Land weltweit, das den Anbau und Verkauf von Marihuana legalisiert hat. Vier Jahre nach Verabschiedung des Gesetzes startet am Mittwoch der Verkauf in Apotheken.

Kann sein Marihuana ab sofort legal kaufen: Ein Mann raucht in Uruguays Hauptstadt Montevideo einen Joint.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Kann sein Marihuana ab sofort legal kaufen: Ein Mann raucht in Uruguays Hauptstadt Montevideo einen Joint.

(Bild: Keystone)

Es ist der letzte Schritt zur vollständigen Legalisierung von Cannabis und wird weltweit aufmerksam verfolgt. Uruguay startet am Mittwoch mit dem Verkauf von Marihuana in Apotheken. Fünf Gramm sollen 187 Pesos, umgerechnet 5,60 Euro (6 Franken) kosten, teilte die nationale Cannabis-Kontrollbehörde IRCCA am Montag mit.

Registrierte Nutzer dürfen künftig zwei Sorten in Mengen von maximal 10 Gramm pro Woche erwerben. Knapp 5000 Nutzer vor allem aus der Hauptstadt Montevideo hatten sich bis Anfang der Woche registriert.

Legalisierung mit Verzögerung

2013 hatte Uruguay unter dem damaligen linksgerichteten Präsidenten und ehemaligen Guerillero José Mujica als weltweit erstes Land den Anbau und den Verkauf von Cannabis gesetzlich legalisiert. Ziel ist es, die Macht der Kartelle und die damit verbundene Drogenkriminalität einzudämmen.

Der Anbau wurde wenige Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes genehmigt. Die Legalisierung des Verkaufs zog sich allerdings mehrere Jahre hin. Mujicas Vorgänger, Nachfolger und Parteifreund Tabaré Vázquez trat später auf die Bremse.

Er ist ausgebildeter Krebsspezialist und hatte sich bereits während seiner ersten Amtszeit von 2005 bis 2010 gegen das Rauchen stark gemacht. Auch das Gesetz zur Legalisierung von Marihuana kritisierte er, hielt letztlich aber daran fest.

Pro Person 480 Gramm

Künftig gibt es drei Wege, Cannabis legal zu beziehen: der Verkauf in Apotheken, der private Anbau und der Zusammenschluss in sogenannten Clubs. Laut Kontrollbehörde sind aktuell knapp 7000 Privatleute registriert, die maximal sechs Pflanzen für den Eigenbedarf anbauen dürfen, und 63 Clubs, die maximal 99 Pflanzen ziehen dürfen. Die festgelegte Obergrenze des Marihuanakonsums pro Person liegt bei 480 Gramm jährlich.

Um einen Marihuanatourismus wie in den Niederlanden zu verhindern, ist der Anbau und Verkauf nur Bürgern mit Wohnsitz in Uruguay erlaubt. Minderjährigen bleibt der Konsum des Rauschmittels verboten. In Vorsorgekampagnen weist die Cannabis-Kontrollbehörde zudem auf die Gefahren des Marihuanakonsums unter anderem im Strassenverkehr hin.

Apotheken zögern noch

Bislang erfüllen 16 Apotheken die staatlichen Auflagen für den Verkauf. Das sind weitaus weniger als die geplanten 30. Vor allem im Inneren des Landes fehlten Verteilerstellen, sagen Kritiker. Ein Grund liegt in der Angst der Apotheker vor Überfällen und Attacken.

Für andere wie die Apothekenkette San Roque lohnt sich das Geschäftsmodell einfach nicht. Die Kontrollbehörde habe beim Verkaufsstart mit rund 60'000 registrierten Nutzern gerechnet, bisher seien aber erst knapp 5000 registriert, so der Geschäftsführer der Kette laut einem Bericht der Zeitung «El Observador». «Zehn bis 20 Kunden pro Monat lohnt sich keinesfalls», betont er.

Berner Zeitung

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