In einem Jahr vom Coming-out zum General

Der Israeli Sharon Afek hat sich offen zu seiner Homosexualität bekannt und nun den Aufstieg in die höchsten Militärkreise geschafft.

Sieht sich als Vorbild für schwule und lesbische Rekruten: Der 47-jährige Sharon Afek. Foto: PD

Sieht sich als Vorbild für schwule und lesbische Rekruten: Der 47-jährige Sharon Afek. Foto: PD

Sein Vater auf der einen, Generalstabschef Gadi Eizenkot auf der anderen Seite – gemeinsam brachten sie die neuen Rangabzeichen auf den Schulterklappen von Sharon Afek an. Der hagere Brillenträger wurde gerade zum ersten General der israelischen Armee befördert, der sich zu seiner Homosexualität bekennt. Sein Coming-out hatte er vor einem Jahr, sein Aufstieg in die höchsten Militärkreise wurde von der in Israel sehr aktiven Homosexuellenbewegung als historischer Schritt gefeiert.

Der 47-jährige Jurist sieht sich als Vorbild. Schwule und lesbische Rekruten und Rekrutinnen «sollten wissen, dass es in der Armee keine Glasdecke gibt». Seine Befürchtungen am Anfang seiner Militärkarriere hätten sich als unbegründet herausgestellt. Obwohl Schwule und Lesben in der Gesellschaft immer noch häufig mit Unwissenheit und Hass konfrontiert seien, könne im Militär jeder «an die Spitze der Pyramide gelangen».

Afek schloss sein Rechtsstudium an der Tel-Aviv-Universität mit höchster Auszeichnung ab. Er trat in eine Spezialeinheit der israelischen Verteidigungskräfte ein und spezialisierte sich auf internationales Recht. Sowohl bei der ersten und zweiten Intifada, dem Libanonkrieg als auch 2014 am Gazakrieg war Afek beteiligt.

Entscheide kontrovers diskutiert

Die Auseinandersetzungen an der Grenze zum Gazastreifen, die seit 30. März andauern, beschäftigen Afek momentan stark. Seit Oktober 2015 ist er oberster Militäranwalt, er klärt das Vorgehen von Soldaten rechtlich ab und vertritt Israel auch bei Verfahren etwa vor dem Internationalen Strafgerichtshof. Dort liegen Anzeigen vor, die sich gegen das Vorgehen der israelischen Armee rund um den Gazastreifen richten.

Zwei Entscheide Afeks wurden kontrovers diskutiert. In einem Fall ging es darum, dass die Anklage gegen einen General wegen Vergewaltigung zugelassen wurde. Internationales Aufsehen erregte das Gerichtsverfahren gegen den Soldaten Elor Azaria. Afek liess es nicht bei einem Disziplinarverfahren bewenden, sondern gab grünes Licht für eine Anklage. Azaria hatte 2016 einen wehrlos auf dem Boden liegenden verletzten palästinensischen Attentäter in Hebron erschossen. Afek hat diese Entscheidung als «juristischen und moralischen Meilenstein in der Geschichte des militärischen Rechts» in Israel bezeichnet. Azaria wurde zu achtzehn Monaten Haft verurteilt. Es war ein Zufall, dass im Mai gleichzeitig die Nachricht von der bevorstehenden Beförderung Afeks und der vorzeitigen Entlassung Azarias aus dem Militärgefängnis bekannt wurden.

Bei seiner Beförderungszeremonie sprach Afek davon, dass ein Militäranwalt Schulter an Schulter mit den Kommandanten agiere, um sicherzustellen, dass die israelische Armee ihre Ziele durchsetze, ohne Recht und Gesetz aufzugeben. Nur so könne das Militär als Armee des Volkes in einem demokratischen Staat auftreten.

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