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Hat Kim überhaupt ein Flugzeug für das Treffen mit Trump?

Nordkoreas veraltete Flotte könnte für den Machthaber peinlich werden. Und dann ist da noch die Sache mit der Flugangst.

Die nordkoreanischen Flugzeuge sind laut Experten veraltet: Machthaber Kim Jong-un posiert mit zwei Pilotinnen (November, 2014).
Die nordkoreanischen Flugzeuge sind laut Experten veraltet: Machthaber Kim Jong-un posiert mit zwei Pilotinnen (November, 2014).
Reuters

An einem «schönen, neutralen Ort» werde das historische Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un stattfinden. Das sagte Rex Tillerson, bevor ihn Trump als amerikanischen Aussenminister entliess. Seither wird über den möglichen Austragungsort der Gespräche spekuliert, die den Konflikt um das nordkoreanische Atomwaffen- und Raketenprogramm lösen sollen.

Überraschende Einladung: Kim Jong-un will sich mit Donald Trump treffen. (Video: Tamedia/AP/AFP)

Infrage kommen die demilitarisierte Zone zwischen Süd- und Nordkorea, China und auch Russland. Ob die USA diese Länder als neutral betrachtet, ist allerdings fraglich. Laut Analysten bevorzugt Trump ein Treffen ausserhalb der Region, etwa in der Schweiz oder in Schweden, das seit den 1970er-Jahren die Interessen der USA in Pyongyang vertritt.

«Sie haben kein Flugzeug, das den Pazifik überqueren kann.»

Joseph Bermudez, Nordkorea-Experte

Die Frage ist einfach, wie Kim dorthin reisen würde. Denn verschiedene Experten glauben nicht, dass er über ein Flugzeug verfügt, das eine transkontinentale Reise nonstop bewältigen könnte. «Wir machten uns immer lustig über ihre alten Sowjet-Maschinen», sagte Sue Mi Terry, ein früherer CIA-Analyst für Korea, der «Washington Post». Nordkorea-Experte Joseph Bermudez bestätigte: «Sie haben kein Flugzeug, das den Pazifik überqueren kann – die meisten sind ziemlich alt.»

Für Kim bringt das gleich mehrere Probleme mit sich: zum Auftanken zwischenlanden? Für den Diktator, der dem Ausland unentwegt die Modernität seiner Armee demonstrieren will, ein Gesichtsverlust. Zudem wäre es kompliziert, einen Ort zu finden, der keine Sanktionen gegen Nordkorea verhängt hat.

Ein Flugzeug des Gastgeberlandes oder des Verbündeten China ausleihen? «Auch das wäre für ihn peinlich», sagte Victor Cha vom Center for Strategic and International Studies der «Washington Post». Kim will vor seinen Landsleuten nicht als einer dastehen, der auf die Hilfe des Auslands angewiesen ist. Abgesehen davon würde ein fremdes Flugzeug für den als paranoid geltenden Machthaber ein Sicherheitsrisiko darstellen. Die Maschine könnte ja verwanzt sein.

Flugangst liegt in der Familie

Und dann ist da noch die Sache mit der Flugangst. Staatsgründer Kim Il-sung, der Grossvater des heutigen Machthabers, litt darunter. Dasselbe gilt für Vater Kim Jong-il, der alle Reisen ausschliesslich im Zug zurücklegte.

Der junge Kim Jong-un liess sich in den letzten Jahren immer wieder in Posen ablichten, die widerlegen sollen, dass auch er Angst vor dem Fliegen haben könnte. Im Dezember 2014 veröffentlichten die nordkoreanischen Staatsmedien ein Video, das ihn sogar als Piloten des Mittelstreckenflugzeugs An-148 zeigt. Auch Bilder, die ihn an Bord seiner persönlichen Maschine zeigen sollen, tauchten auf.

Laut staatlicher Nachrichtenagentur KNCA an Bord seiner persönlichen Maschine: Kim Jong-un bespricht sich mit Militärs.
Laut staatlicher Nachrichtenagentur KNCA an Bord seiner persönlichen Maschine: Kim Jong-un bespricht sich mit Militärs.
Reuters
Verlässt in North Pyongyang ein nordkoreanisches Flugzeug: Machthaber Kim.
Verlässt in North Pyongyang ein nordkoreanisches Flugzeug: Machthaber Kim.
Reuters
Soll seine Begeisterung fürs Fliegen zeigen: Kim lässt sich einen Kampfjet erklären.
Soll seine Begeisterung fürs Fliegen zeigen: Kim lässt sich einen Kampfjet erklären.
Reuters
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Es ist also unklar, ob Kim Jong-un ebenfalls Angst vor dem Fliegen hat oder sich vielmehr dafür begeistert, wie die Fotos vermitteln sollen. Bekannt ist: Zwei Jahre seiner Jugend verbrachte Kim in der Schweiz, in die er per Flugzeug kam. Fakt ist aber auch, dass Kim erst einmal seit seiner Machtübernahme 2011 ins Ausland gereist ist. Das war vergangenen Monat nach China – per Zug. Eine Fahrt von Pyongyang nach Peking dauert über 25 Stunden.

In der chinesischen Hauptstadt schüttelten sich Gastgeber Xi Jingpin und Kim die Hand. Es war das erste Mal überhaupt, dass Nordkoreas Machthaber persönlich ein fremdes Staatsoberhaupt traf. Die zweite Person wird wohl Donald Trump sein. Nach Angaben der südkoreanischen Regierung soll die Begegnung bis Ende Mai stattfinden. Wie Kim anreisen wird, ist alles andere als klar.

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