Dame, König, Korruption

Der spanische Alt-König Juan Carlos soll Steuern hinterzogen und Bestechungsgeld angenommen haben. Der Mitschnitt eines Telefonats belastet ihn schwer.

Juan Carlos und Corinna zu Sayn-Wittgenstein 2006. Foto: Keystone, DPA

Juan Carlos und Corinna zu Sayn-Wittgenstein 2006. Foto: Keystone, DPA

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Es sieht so aus, als werde es kein schöner Sommer für den 80-jährigen Langzeitmonarchen Juan Carlos: Neben all dem Malaise mit seinen maroden Knien und Hüften, die ihn zum Gehen am Stock verurteilen, neben den längst noch nicht erledigten Vaterschaftsklagen, neben der offenkundigen Distanzierung seiner Frau Sofía droht ihm nun die Demontage des Rests an Ansehen, das ihm bei seinen Landsleuten geblieben ist.

Es geht um Bestechungsgelder in zweistelliger Millionenhöhe. Quelle der Aufregung ist ein Telefonmitschnitt zwischen einer seiner enttäuschten Ex-Geliebten und einem rachsüchtigen hohen Polizeioffizier, der unter dem Vorwurf der Korruption in Untersuchungshaft sitzt.

«Er unterscheidet nicht zwischen legal und illegal» – diesen Satz über den einst sehr populären König sagte Corinna zu Sayn-Wittgenstein, die frühere «Amiga» (Freundin) des Königs, wie die spanischen Medien sie nennen. Dann beklagte sie sich, Juan Carlos habe ihr Bankkonto genutzt, um 80 Millionen Euro aus dem Königreich Saudiarabien vor dem Fiskus zu verstecken, ohne sie zuvor zu fragen.

Die «Amiga» reitet ihn nicht zum ersten Mal rein

Der Monarch hatte für spanische Firmen einen Grossauftrag für eine Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen den Pilgerstätten Mekka und Medina eingefädelt. Der Mitschnitt des Telefonats von 2015 wurde jetzt offenbar von Bekannten des Polizeioffiziers zwei Internetportalen zugespielt.

Es ist das zweite Mal, dass die deutsche Geschäftsfrau, deren Adelstitel einer Kurzzeitehe geschuldet ist, den Bourbonen, der seinen Thron dem Diktator Franco zu verdanken hatte, ungewollt in arge Bedrängnis bringt. Vor sechs Jahren, auf dem Höhepunkt der spanischen Wirtschaftskrise, hatte sich der damals noch amtierende König bei einer Elefantensafari in Botswana die Hüfte gebrochen; begleitet hatte ihn nicht seine strenge, aber bei den Spaniern beliebte Gattin Sofía von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, sondern die lebenslustige «deutsche Prinzessin».

Dass der König seinem Luxus­leben frönt, während Millionen seiner Landsleute in der Krise arbeitslos wurden, hat ihn enorm viel Popularität gekostet. Respektlos berichtete nun auch die seriöse Presse über seine ausserehelichen Eskapaden. Ein Biograf befand gar: «Er hat sich so benommen, als gehörten ihm alle Frauen Spaniens.» Da Juan Carlos sich offenbar auf seine alten Tage heftig in Corinna verliebt hatte und sich sogar scheiden lassen wollte, wurde er, so wollen es die Hofberichterstatter wissen, von seinen drei ehelichen Kindern 2014 zur Abdankung gedrängt.

Untersuchung der Finanzen gefordert

Doch nicht nur um anrüchige Geldgeschäfte geht es in dieser Affäre: Sayn-Wittgenstein beschwerte sich auch, der spanische Geheimdienst habe gedroht, ihr könnte etwas zu­stossen, falls sie Material, das Juan Carlos belasten könnte, nicht herausgebe.

Im Parlament haben Abgeordnete bereits eine Untersuchungskommission zu den Finanzen des Königshauses gefordert. Es dürfte also auch für seinen Sohn, den gemäss Klatschpresse von Eheproblemen geplagten König Felipe VI., ein eher freudloser Sommer werden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.07.2018, 21:47 Uhr

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