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Ausgedröhnt

2019 könnte die Populisten-Blase platzen. Maduro, Trump, die Brexiteers: Sie prallen auf die Wirklichkeit.

Populisten greifen zum Megafon, um einfache Lösungen zu verkünden. Dem Realitätstest halten sie nicht stand. Foto: Getty Images
Populisten greifen zum Megafon, um einfache Lösungen zu verkünden. Dem Realitätstest halten sie nicht stand. Foto: Getty Images

Es ist noch gar nicht lange her: 2016 siegte Donald Trump in den USA, die Brexiteers setzten sich in England durch. Das Unmögliche war passiert, sogar doppelt. Das politische Establishment in diesen Ländern und viele Kommentatoren auf der ganzen Welt waren wie vom Donner gerührt.

Nachrufe auf die liberale politische Ordnung, ja auf die Demokratie überhaupt füllten die Spalten. Die Menschen lasen wieder George Orwells «1984» und Stefan Zweigs «Welt von gestern» – beides beredte Mahnungen dafür, wie verwundbar selbst geübte Demokratien sind, wenn Demagogen zum Megafon greifen.

Und jetzt, im Januar 2019? Trump hat die Mehrheit in der grossen Parlamentskammer verloren und kann sich beim Bau seiner «wunderschönen Mauer» mindestens vorläufig nicht durchsetzen. Vor allem aber: Er verantwortet eine desaströse Betriebseinstellung des Staatsapparats, die Amerika aussehen lässt wie ein Drittweltland. Das Gegenteil von «Make America Great Again». Das spricht sich jetzt selbst unter Trumps feurigsten Anhängern herum.

Maduro ist besonders erwähnenswert

In Grossbritannien waren die Brexiteers so schlau, nicht selber für das von ihnen angezettelte Abenteuer die Verantwortung zu übernehmen. Darum mussten sie nicht den Beweis dafür antreten, bei der EU den Austrittsdeal herausholen zu können, der für sie der einzig akzeptable ist. Sie überliessen das Geschäft Theresa May, die seither bewundernswert wacker verhandelt und taktiert.

Aber auch die Premierministerin kann gegen die Realitäten in der Europäischen Union keine Lösungen herbeizaubern, die ihr Land einfach ungeschoren davonkommen lassen. Die vor der Abstimmung in Ölfarben gemalte rosarote Brexit-Zukunft ohne europäische Fesseln im globalen Freihandel ist gründlich ergraut. Auch Britannien ist kleiner, verzagter geworden.

Zu nennen ist, auf der anderen Seite, auch ein Linkspopulist. Nicolás Maduro steht in Venezuela mit dem Rücken zur Wand, gestützt vorläufig noch vom Militär. Die glänzenden Versprechen sozialistischer Prosperität, die er und sein Vorgänger Hugo Chávez ihrem Volk gemacht hatten, mussten einer bitteren Realität weichen: abstürzender Wohlstand bei explodierender Teuerung in einem eigentlich reichen Land. Dabei ist der Fall Maduro aus einem bestimmten Grund besonders erwähnenswert: Zur Blütezeit der sogenannten Rechtspopulisten sahen manche Linke die einzige Antwort in einem prononcierten Linkspopulismus. Einfache Antworten auf schwierige Fragen von links statt von rechts.

Die Zeit der Populisten ist nicht vorbei

Dass das ein Fehlschluss ist, hat sich seit 2016 schon bei wichtigen europäischen Wahlergebnissen angedeutet. Die Lust auf populistische Experimente ist da, hält sich aber in Grenzen. In Frankreich fuhr die Rechtsaussenkandidatin Marine Le Pen eine unerwartet deutliche Niederlage ein, genauso wie ihr linkspopulistischer Gegenspieler Jean-Luc Mélenchon. Der Sieg gehörte dem Zentristen Emmanuel Macron. In Deutschland hat die AfD zwar Wähler hinzugewonnen, aber nicht so viele wie prognostiziert. Wahre Sieger sind hier die Grünen, die in ihrer jüngsten Häutung so pragmatisch volksnah sind wie nie in ihrer Geschichte.

Ist die Zeit der Populisten also definitiv vorbei? Natürlich nicht. Aber es zeigt sich, dass ihre Rezepte oft eine kurze Laufzeit haben. Früher oder später prallen alle ach so attraktiv einfachen Lösungen auf den harten Boden einer komplizierten Realität.

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