Es ist wärmer als je zuvor

2016 war das heisseste Jahr seit Beginn der Klimamessungen. Die Rekordhitze in Asien, die hohen Temperaturen in der Arktis sowie die Dürren in Brasilien und Afrika sind auf den Klimawandel zurückzuführen.

In Kalifornien vernichteten Waldbrände allein im Dezember 110'000 Hektaren Wald.

In Kalifornien vernichteten Waldbrände allein im Dezember 110'000 Hektaren Wald. Bild: Keystone

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Extreme Wetterphänomene haben im Jahr 2016, das als heissestes Jahr seit dem Beginn der Aufzeichnung der Klimadaten gilt, ihre Spuren hinterlassen. Jetzt bringen Klimaforscher einen Teil der Katastrophen eindeutig mit der globalen Erwärmung in Verbindung.

Hierzu veröffentlicht das Bulletin der American Meteorological Society seit sechs Jahren jährliche Untersuchungen. In ihrer aktuellen, mehr als 150 Seiten langen Studie konnten die Forscher erstmals fünf Wetterereignisse definitiv dem Klimawandel zuschreiben.

An erster Stelle stehen Rekordtemperaturen auf dem gesamten Globus, die Korallenbleiche am Great Barrier Reef, die Dürre im Süden Afrikas, Waldbrände in Nordamerika und eine riesige Warmwasserlache im Pazifik.

El Niño bringt Wärme

Letztes Jahr hat die Erde die höchste Temperatur seit Beginn der Aufzeichnungen erreicht. Dies war zum Teil auf den Einfluss von El Niño zurückzuführen, so die Forscher. Dieser liess die globalen Oberflächentem­peraturen ansteigen. In zwei Un­terstudien wurde zudem fest­gestellt, dass ungewöhnlich hohe Temperaturen besonders in Asien und in der Arktis im Jahr 2016 ohne den vom Menschen verursachten Klimawandel nicht möglich gewesen wären.

Dabei gingen die Wissenschaftler erstmals davon aus, dass die extreme Wärme in einer Welt ohne steigende Emissionen nicht möglich gewesen wäre. Bisher hielten sich die Experten eher bedeckt und äusserten sich nur vorsichtig zu dem Thema.

Das ungewöhnlich warme Wasser im Pazifik hat in den vergangenen zwei Jahren die Korallen am Great Barrier Reef in Aus­tralien gebleicht. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die menschlichen Treibhausgasemissionen eindeutig zu einer zunehmenden thermischen Belastung der Ozeane führen. Die Studie warnte auch, dass die Ri­siken der Korallenbleiche in Zukunft wahrscheinlich zunehmen werden. Allein im letzten Jahr sind dort, laut der Naturschutzbehörde Great Barrier Reef ­Marine Park Authority, 29 Prozent der Flachwasserkorallen abgestorben.

In den ersten Monaten des Jahres 2016 breiteten sich schwere Dürren und Hitzewellen in weiten Teilen des südlichen Afrikas aus und lösten lokal Nahrungs- und Wasserknappheit aus, wovon Millionen Menschen betroffen waren. Die Dürren lassen sich mit El Niño in Verbindung bringen. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass sich Dürren in der Region in sechzig Jahren verdreifacht haben, wobei die globale Erwärmung und El Niño für diesen Trend verantwortlich sind.

Im Jahr 2016 verbrannten im Westen Kanadas und in den ­Vereinigten Staaten riesige Waldbestände. In Alberta wüteten die Flammen so stark, dass 90'000 Menschen evakuiert werden mussten und die Flammen 200'000 Hektaren Wald und 2400 Häuser zerstörten. Hier spielten der Klimawandel und die globale Erwärmung höchstwahrscheinlich eine unterstützende Rolle, so das Ergebnis der Studie.

Der «Blob» im Pazifik

In den vergangenen Jahren hat sich vor der Küste Alaskas ein grosses Gebiet mit ungewöhnlich warmen Wasser gebildet, der von den Meteorologen «Blob» genannt wird. Dieses warme Wasser hat es ermöglicht, dass sich in diesem Gebiet giftige Algenblüten ausbreiten konnten und Seevögel zu Tausenden getötet wurden. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der sogenannte «Blob» beispiellos sei und ohne anthropogene Klimaerwärmung nicht erklärt werden kann.

«Einige Ereignisse des vergangenen Jahres wurden als so ex­trem eingestuft, dass sie im Klima von vor ein paar Hundert Jahren nicht möglich gewesen wären», sagte Martin P. Hoerling, ein ­Meteorologe von der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA).

(Berner Zeitung)

Erstellt: 26.12.2017, 17:22 Uhr

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